Thema Bundesheer

Ist das Bundesheer ein taugliches Thema, um Wahlen zu gewinnen? Bruno Kreisky hat vor 40 Jahren darauf gesetzt. Gehalten hat er sich an seine Versprechen aber überhaupt nicht.

Sechs Monate sind genug!“, hieß es von der SPÖ im Nationalratswahlkampf 1970. Gemeint war damit die Verkürzung des allgemeinen Wehrdienstes um drei Monate. Bruno Kreisky wurde damals der erste rote Bundeskanzler der Zweiten Republik seit Karl Renner, nicht zuletzt durch diesen Slogan. Eingelöst hat er sein Versprechen aber nicht. Sechs Monate waren nicht genug. Dazu kamen nämlich noch zwei Monate Truppenübungen, eine Verpflichtung, die scheinbar willkürlich eingefordert wurde.

Michael Häupl ist nicht Bruno Kreisky, aber es kann durchaus sein, dass der Vorstoß des Wiener SPÖ-Bürgermeisters zur Einführung eines Berufsheeres, verkleidet in eine Volksbefragung über die Abschaffung der Wehrpflicht, abgesichert durch eine Kampagne der „Krone“, zum Erhalt der absoluten roten Mehrheit am Sonntag beitragen wird.


Umfaller. Während sich in Wien sogar der Verteidigungsminister Häupls Befehlsausgabe, also der „Krone“, unterstellt, ist die Meinung in der SPÖ auf dem Land noch geteilt. In Linz zumindest. In den „Oberösterreichischen Nachrichten“ analysiert der rote Nationalrat Hermann Krist: „Und wieder ist unsere wienlastige Bundesregierung aus wahltaktischen Gründen umgefallen.“ Es ist rührend, wie ernst man Häupl und seine Vorliebe für Plebiszite über Hausmeister, Heer und Hunde sogar in der Provinz nimmt. Aber was sagt die „Krone“? Die weiß, worum es bei der „Schlacht um Wien“ wirklich geht. Am Samstag macht sie das „angeblich so schwache Geschlecht einmal ganz stark“. Titel: „Die Frauen entscheiden Wiener Wahl.“ Kommt jetzt noch eine Volksbefragung über Miss Vienna?

norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2010)

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