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Inflation

Verkehr teurer, Nahrungsmittel stabil

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Die Preise stiegen in Österreich seit einem Jahr um 2,8 Prozent. Was teurer, was günstiger wurde.

Wien. Inflationsraten von deutlich über zwei Prozent sind in der Geschichte Österreichs nichts Ungewöhnliches. Aber doch etwas, was man in den vergangenen zehn Jahren nicht allzu oft gesehen hat. Doch heuer muss man sich wieder an anderes gewöhnen – zumindest vorübergehend. Denn der Corona-Schock und die damit einhergehenden Verwerfungen haben die Inflationsraten allerorts aus der Bahn geworfen. Auch in Österreich. Und so überrascht es nicht, dass die heimische Inflationsrate im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat 2,8 Prozent betrug. Ein Wert, den die Statistik Austria auch für den Mai vermelden musste. Gegenüber dem Mai zogen Preise um 0,5 Prozent an.

Als Treiber erwies sich diesmal der Bereich Verkehr mit einem Plus von über sechs Prozent. Dazu trugen vor allem Treibstoffe bei, die sich um rund ein Fünftel (und damit etwas mehr als im Mai) verteuert haben. Die merklich gestiegenen Kosten für Rohöl sind der Grund dafür, noch vor einem Jahr befanden sie sich aufgrund des globalen Nachfrageeinbruchs im Keller.

Anstiege waren diesmal auch in der Kategorie Wohnung, Wasser und Energie (wie Strom, Gas) zu verzeichnen. Für Wohnen musste man im Schnitt um drei Prozent mehr bezahlen, für Haushaltsenergie um über fünf Prozent. Die beiden Posten Verkehr und Wohnen waren im Juni für mehr als die Hälfte der Inflation verantwortlich, so die Statistik.

 

Mini- vs. Mikrowarenkorb

Als stabil im Jahresabstand erwiesen sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke. Wobei es bei Nahrungsmitteln allein zu einem Rückgang um 0,1 Prozent kam. Zwar zogen die Gemüsepreise um über zwei Prozent an, dafür war bei Brot und Getreideerzeugnissen kaum Bewegung zu sehen. Milch, Käse und Eier wurden sogar um 1,7 Prozent billiger, auch Obst kostete weniger. Für alkoholfreie Getränke musste man etwas mehr (0,8 Prozent) berappen.

Dieses Bild spiegelt sich aber nicht unbedingt im täglichen und im wöchentlichen Einkauf wider. Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der 20 Produkte beinhaltet und den täglichen Einkauf abbildet, stieg nämlich im Vergleich zum Juni 2020 um 1,5 Prozent. Tageszeitungen sind hier genauso enthalten wie die Melange im Kaffeehaus und eine Topfengolatsche. Wesentlich kräftiger als beim täglichen Einkauf fiel die Teuerungsrate beim wöchentlichen Einkauf aus. Der sogenannte Miniwarenkorb, mit rund 60 Positionen – wie dem Cola-Getränk im Restaurant, Toilettenpapier, Katzenfutter und Treibstoffen – kostete im Jahresabstand um 5,8 Prozent mehr.

Der Wocheneinkauf ist allerdings nicht immer teurer als der tägliche, das variiert beim Blick auf die vergangenen Jahre stark. Im Schnitt des Jahres 2020 wurde der tägliche Einkauf beispielsweise um drei Prozent teurer, während es beim Wocheneinkauf einen Preisrückgang von 0,7 Prozent gab. Letzteres dürfte hauptsächlich auf die Treibstoffpreise zurückzuführen sein, die in diesem Warenkorb rund ein Fünftel der Gewichtung ausmachen.

 

Mehr Rückgänge als Anstiege

Um die Inflationsraten international vergleichen zu können, greift die Statistik Austria nicht auf die nationale, sondern auf die harmonisierte Inflationsrate zurück. Die lag für Österreich im Juni ebenfalls bei 2,8 Prozent und damit merklich über dem Schnitt der Eurozone, der 1,9 Prozent ausmachte.

Die höchste Inflationsrate gab es mit 5,3 Prozent in Ungarn, gefolgt von Polen (4,1 Prozent) und Estland. Am niedrigsten war die Teuerungsrate in Portugal mit minus 0,6 Prozent, gefolgt von Malta (plus 0,2 Prozent) und Griechenland (mit plus 0,6 Prozent).

Gegenüber dem Mai gingen die Inflationsraten in zwölf Mitgliedstaaten zurück, in elf stiegen sie an. In vier blieben sie unverändert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2021)