Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

„Wir lachten viel, hatten vermutlich zu viel Wein und wirkten alle unglaublich beseelt.“
Premium
Spectrum

Endlich wieder neue Leute treffen!

Zum ersten Mal seit über einem Jahr saß ich in den Räumen anderer, aß von anderen gekochtes Essen und unterhielt mich intensiv mit Fremden, die mir im Laufe des Abends immer näher kamen. Über das Glück der Begegnung.

Seit genau einem Jahr wohne ich nun mit meiner Familie in diesem Wohnhaus in Berlin. Wir zogen später als geplant ein, weil uns – wie fast allen Menschen auf diesem Planeten – die Pandemie dazwischenkam. Wir wollten bereits im Frühjahr vergangenen Jahres von der schwedischen Insel Öland, auf der meinem Schwiegervater zufolge mehr Pferde als Menschen leben, in die Großstadt ziehen. Mir fehlte die Stadt, vor allem weil mir die Nähe zu meinen Freundinnen und Freunden fehlte. Ich wollte sie spontan treffen können, sie zu mir einladen und für sie kochen, die Stadt mit ihnen erleben. Auch fehlten mir die Theater, die Museen, die Bars und die Überforderungen durch die vollen Straßen.

In den Jahren auf Öland hatte ich mich vor allem auf das Internet verlassen. Meine kulturellen und politischen Interessen, meine Freundschaften, meine eigene Stimme – all das fand hauptsächlich in digitalen Räumen statt. Wenn ich nicht arbeitete oder mich um meine Familie kümmerte, ging ich viel spazieren, schaute über die flachen Landschaften der Insel und sehnte mich nach direktem Kontakt und Austausch mit Menschen, die meine inneren Landschaften besser verstehen würden, weil sie von dem geprägt waren, das auch mich prägt. Ich hatte zum ersten Mal Sehnsucht nach einem anderen Ort, der allerdings in erster Linie eine Sehnsucht nach mehr menschlichem Miteinander war.

In den ersten Monaten nach unserem Umzug nach Berlin warfen mir meine beiden Kinder, die neun und fünf Jahre alt sind, vor, sie an den langweiligsten Ort der Welt verschleppt zu haben. Nichts könne man hier tun, außer Kreise um unser Viertel zu ziehen. Abwechslung bot uns tatsächlich bloß die Entscheidung, ob wir dies zu Fuß oder auf dem Fahrrad unternehmen würden. Aber kein Zoo, kein Spielplatz, keine Ausflüge oder Besuche bei Freunden und die neuen Schulkameradinnen und Lehrer bloß auf dem Monitor.