Die Würde der Oper

Oder: Warum brauchen wir einen Opern-Chef, der Ballerinas wegen Nacktfotos feuert?

Diese Woche ist es tatsächlich passiert: Es hat jemand die Kontaktlinsenflüssigkeit mit dem Superkleberflascherl verwechselt. Mit solchen „blöden“ Unfällen betreibt das jeweilige Opfer ungewollt wertvolle Prävention, weil viele Gefährdete jetzt zweimal hinschauen werden. Vielleicht muss ja niemand ein Auge verlieren, sondern es reicht, wenn wir davor warnen, dass man beim Geschirrspülerausräumen das lange Fleischmesser im Besteckkorb ja nicht übersieht.
Die Augen herausgefallen sind offenbar dem Neo-Staatsoperndirektor Dominique Meyer, als er der Nacktfotos seiner Primaballerina Karina Sarkissova in einem Wiener Magazin ansichtig wurde. Die Tänzerin wurde fristlos entlassen, weil das mit der „Würde des Hauses“ nicht vereinbar und Frau Sarkissova schon einmal wegen ähnlicher Fotos verwarnt worden sei. Herr Meyer dürfte einer jener Menschen sein, die Sätze mit „Ich bin ja wahrlich nicht prüde, aber...“ beginnen. Wird höchste Zeit, sich über die „Würde der Oper“ im Jahre 2010 Gedanken zu machen. Und der Frage nachzugehen, warum wir uns einen Franzosen aus dem weltoffenen Paris nach Wien holen, wenn der sich aufführt wie ein hiesiger Mayer.

Aus dem fernen Chile erreichen uns schöne Nachrichten. Schon in den nächsten Tagen (statt wie ursprünglich befürchtet erst zu Weihnachten) sollen 33 seit Wochen verschüttete Kumpel geborgen werden können. Was sich unter der Erde abspielt, kann sich wohl niemand vorstellen. An der Erdoberfläche, wo Familie und Freunde im Camp Hope auf die Bergung ihrer Angehörigen warten, regiert jedenfalls das Grauen: Es läuft „Hero“ von Bonnie Tyler. Wobei der Mitteleuropäer nicht erwartet hätte, dass Bonnie Tyler in Chile ein Begriff ist. Und für solche Anlässe keine bessere Musik zur Verfügung steht – eigentlich hätte man sich etwas Frommes erwartet.

Im Burgenland erweckt man den gleichnamigen Witz wieder zum Leben: Ein ÖVP-Bürgermeister begeht Wahlfälschung, riskiert seine Position und etliche Jahre Gefängnis, um 13 (in Worten: dreizehn) Wahlkarten zu fälschen. Was nicht ganz gelang, eine davon war nämlich ungültig. Das hat den dortigen Landeshauptmann dazu verleitete, gleich das Aus für die Briefwahl anzukündigen. Vielleicht sollte man die OSZE bitten, bei der nächsten Wahl ein Beobachterkontingent nach Eisenstadt zu schicken. Nur zur Prävention.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2010)

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