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Leitartikel

Von Lockdown-Fantasien zur Susi-Sorglos-Politik

Auch wenn eine Impfpflicht eine heikle Sache ist, wird man über staatlichen Druck diskutieren müssen.
Auch wenn eine Impfpflicht eine heikle Sache ist, wird man über staatlichen Druck diskutieren müssen.APA/HELMUT FOHRINGER
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Wenn die Experten recht haben, dann rollt die vierte Covidwelle an. Höchste Zeit, über Konsequenzen der Fahrlässigkeit einer Impfverweigerung zu reden.

Nein, Herr Bundeskanzler Kurz, die Pandemie ist nicht vorbei. Nein, Herr Bundesminister Mückstein, jetzt ist nicht die Jugend dran. Es sei denn, Sie meinten Ansteckungen oder Impfungen – und eben nicht die Party. Wenn Politik, Medien und Gesellschaft in diesen eineinhalb Jahren etwas hätten lernen können, dann Zurückhaltung bei vorschnellen Urteilen. Gestern schwelgte so manches Regierungsmitglied noch in Lockdown-Fantasien, über Nacht wechselten sie zur heutigen Susi-Sorglos-Strategie.

Laut einhelliger Expertenmeinung baut sich wegen der extrem ansteckenden Delta-Variante gerade die vierte Welle auf. Die Zahl der Hospitalisierungen – der wichtigste Parameter – wird zwar dank immer mehr geimpfter Personen weniger stark, aber auch wieder steigen. In der „Wiener Zeitung“ sagt der Molekularbiologe Ulrich Elling: „Im Winter werden uns Delta und ihre Nachfolgerinnen um die Ohren fliegen.“ Und: „Auch Mutationen, die den Impfstoff umgehen, werden entstehen.“ Ein Kassandraruf-Interview ergibt noch kein Untergangsszenario, aber gerade weil jede weitere Lockdown-Fantasie schon im Keim erstickt werden muss, wäre mehr Vernunft bei den Lockerungen gut. Als da wären: Großveranstaltungen mit Tausenden ebenso überdenken, wie es in St. Pölten mit dem Frequency-Festival passiert ist. Masken könnte man in öffentlichen Verkehrsmitteln weiter anlegen sowie die 3-G-Regel konsequenter kontrollieren. Das ist das Problem Österreichs: Einen Mittelweg einschlagen können weder Regierung noch Bevölkerung: Hopp oder dropp, der schwedische Weg war zu kompliziert.