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Mein Montag

Was wirklich dahintersteckt, wenn Sie „gö“ sagen

Wer woher in Österreich kommt, hört man auch an der "Gell"-Aussprache.
Wer woher in Österreich kommt, hört man auch an der "Gell"-Aussprache.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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„Gö, du bleibst heut Nacht bei mir“ kennt man, aber was steckt hinter diesen zwei Buchstaben?

Je nachdem, in welcher Gegend Sie sich sprachlich bewegen, werden Sie es ein wenig anders machen. Aber die formelhafte Äußerung, mit der man sich am Ende – oder gelegentlich auch am Anfang eines Satzes – der Zustimmung eines anderen vergewissern will, ist jedenfalls weit verbreitet, nicht wahr? Dazu muss man nicht einmal die Briten mit ihrem „isn't it“ bemühen, das schaffen wir auch im deutschsprachigen Raum. Vor allem im Westen Österreichs gibt es ja – Achtung, Klischee – kaum einen Satz, der nicht mit „oder“ endet, oder? Davon abgrenzen muss man allerdings den in zwei Wörtern zusammengefassten Fragepartikel „oder was?“ Der dient quasi dazu, dem Gegenüber zu signalisieren, dass in der geschriebenen Variante hier ein Fragezeichen stehen würde. (Vergleichbar mit dem „oida“, das in Teilen Wiens als Interpunktion verwendet wird.)

Aber zurück zum eigentlichen Thema: für die idiomatische Aufforderung zur Bestätigung kennen wir verschiedene Varianten, stimmt's? Da ist zum Beispiel das simple fragende „ja?“ am Ende. Das ein wenig oberlehrerhaft wirkende „nicht wahr?“ oder das etwas reduzierte „nicht?“, das man auch noch mit „etwa nicht?“ mit einem fast schon vorwurfsvollen Ton aufladen kann, nicht? Manche kennen auch das „was?“ am Ende eines Satzes, das sprachlich zwar eigentlich keinen Sinn ergibt, das Gegenüber aber trotzdem zu einer zustimmenden Reaktion nötigt. Die wohl berühmteste Variante ist allerdings das „gell“, gell? Das steht im Wörterbuch auch unter „gelt“ – und aus dieser Version ist der sprachliche Ursprung dieser Interjektion gut erkennbar – das mittelhochdeutsche „gelte“ stand für „es möge gelten“. Was in der ostösterreichischen Aussprache „gö“ oder in der per-Sie-Variante „gölln's“ bzw. „geln 'S“ nicht mehr ganz so leicht zu erkennen ist, ne? Also, fassen wir kurz zusammen – wieder was gelernt, gell?

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2021)