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OGH-Beschluss

Kind muss Vater nicht im Gefängnis sehen

Es würde dem Kindeswohl zuwiderlaufen, wenn der Sohn nun den Vater im Gefängnis besuchen müsste (Symbolbild).
Es würde dem Kindeswohl zuwiderlaufen, wenn der Sohn nun den Vater im Gefängnis besuchen müsste (Symbolbild).Die Presse / Clemens Fabry
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Ein gewalttätiger Mann hatte das Kontaktrecht eingeklagt.

Wien. Zu fünf Jahren Haft war der Mann wegen fortgesetzter Gewaltausübung und weiterer Delikte verurteilt worden. Die Gewalt des Mannes hatte sich gegen drei Frauen gerichtet, darunter die Mutter seines Sohnes. Das Kind musste nicht nur die Tat an seiner Mutter miterleben, sondern wurde auch selbst Opfer der Brutalität des Vaters. Doch der inzwischen inhaftierte Mann würde seinen Sohn nun gern wiedersehen. Zuletzt gab es 2017 ein Treffen der beiden. Aber soll man dem Antrag des im Gefängnis befindlichen Vaters stattgeben?

Die beiden ersten Instanzen lehnten das Ansinnen des Vaters ab. Es würde dem Kindeswohl zuwiderlaufen, wenn der Sohn nun den Vater besuchen müsste. Nach der Gewalt und Jahren ohne Kontakt käme ein Treffen zwischen Vater und Kind ohnedies nur in Frage, wenn der Sohn dabei begleitet werde, betonte das Landesgericht Krems an der Donau.

 

Besuch nicht kindergerecht

Das sehe er auch ein, meinte der Vater vor dem OGH. Aber er verstehe nicht, warum er seinen Sohn nicht wenigstens in Begleitung, mit Mund-Nasen-Schutz und hinter einer Plexiglasscheibe im Gefängnis sehen dürfe. Das Jugendamt hingegen meinte, dass Besuche in einem Gefängnis schon von Vornherein ein schwieriges Ambiente darstellen würden. Hinter einer Plexiglasscheibe und mit Maske sei so etwas aber erst recht nicht mehr kindergerecht.

Eine Ansicht, die die Unterinstanz teilte und gegen die auch der OGH (8 Ob 39/21z) keine Einwände hatte. Auch gerade, weil das Kind noch jung sei. Der Vater könne sich bei seinem Wunsch nach einem Treffen auch nicht auf die Europäische Menschenrechtskonvention und das darin verbriefte Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens berufen, sagten die Höchstrichter. (aich)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2021)