RTL stellt Inhalte online: 85 Millionen DSDS-Abrufe

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stellt Inhalte online Millionen(c) Michaela Bruckberger
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Die RTL-Chefin glaubt an die Zukunft der TV-Werbung. Vor allem in Österreich, wo deren Anteil deutlich unter dem EU-Schnitt liegt. Ein "Presse"-Interview mit Anke Schäferkordt und Gerhard Riedler.

Die Presse: Die RTL-Group hat im ersten Halbjahr ein Rekordergebnis von 2,66 Milliarden Euro Umsatz vorgelegt. Auch ProSiebenSat1 war zufrieden. Sind die TV-Stationen überm Berg?

Anke Schäferkordt: Jeder, der sagt, er weiß, wie es 2011/12 aussieht, hat zu viel Selbstbewusstsein gefrühstückt. Ich habe aber die Hoffnung, dass wir durch die Talsohle sind und sich die Erholung des Werbemarktes fortsetzen wird. Allerdings wird es Jahre dauern, das aufzuholen, was der Fernseh- und der gesamte Werbemarkt in den letzten Jahren verloren hat.

Gerhard Riedler: In Österreich spürt man noch die Umbruchphase – wir gewinnen noch immer technische Reichweite und hatten auch in Zeiten der Krise ein Wachstum. Und ich wage auch zu sagen, wir werden im nächsten Jahr wachsen.

Schäferkordt: Sowohl in Deutschland als auch in Österreich liegt der Anteil der TV-Werbung am Gesamtwerbemarkt unter dem EU-Schnitt von 50 Prozent.

Riedler: In Österreich sind es nur 24 Prozent – ORF inklusive.

Spüren Sie die Konkurrenz von Online- und mobilen Medien, die boomen?

Schäferkordt: Mobile ist im Werbemarkt noch klein, wächst aber sehr stark. Online wächst eher zulasten von Printwerbung – das sind die Verlierer in dem Wettbewerb.

Aber es gibt ja auch immer mehr – vor allem junge – Leute, die sich Sendungen aus dem Internet herunterladen.

Schäferkordt: Aber auch im Internet bleibt es Fernsehen. Für uns ist es nicht wichtig, auf welchem Endgerät jemand RTL schaut oder auf welchem Weg er uns empfängt, sondern dass er uns schaut. Der Großteil der Zuschauer ist noch immer linear dabei – also dann, wenn es programmiert ist. Der Anteil von Video on Demand wächst aber. Und auch das Bewegtbildangebot auf mobilen Endgeräten wird wachsen, wir selbst treiben diese Entwicklung mit voran. Vor uns steht jetzt die Aufgabe, aus dem wachsenden Interesse der Zuschauer in diesen Segmenten wirtschaftlich gesunde und vor allem nachhaltige Geschäftsmodelle aufzubauen. Auf RTL.Now kann man Serien zeitversetzt schauen. Mit Werbung, die man nicht wegklicken kann. Nach einer Woche wandern die Sendungen in die Library – da kann man sie ohne Werbung sehen, muss aber zahlen.

Wie viele Leute schauen denn RTL und die Schwestersender online? Wie hat sich die Werbung entwickelt?

Schäferkordt: Mit RTL.Now und Vox.Now kommen wir derzeit auf 18Millionen Abrufe im Monat, Tendenz steigend. Erst kürzlich haben wir Super RTL.Now gestartet. In der letzten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ hatten wir 85Millionen Abrufe allein auf unseren eigenen Plattformen. Das sind Größenordnungen, die auch für Werbekunden relevant werden.

Das ORF-Gesetz beschränkt die Online-Aktivitäten des Öffentlich-Rechtlichen. Ein Vorteil für die Privaten?

Riedler: Sicherlich nicht. Und wenn man mit ORF-Mitarbeitern spricht, sagen die, dass die für den ORF eingezogenen Obergrenzen bei der Online-Werbung so hoch sind, dass es nicht wehtut.

Sie setzen auch in der nächsten Saison auf Casting-Shows. Warum?

Schäferkordt: Weil die Zuschauer sie offensichtlich lieben und weil sie bei uns einfach beste Unterhaltung sind. Man kann sich entspannt zurücklehnen, sieht tolle und auch skurrile Auftritte und wird immer wieder überrascht. Und dann ist da diese Heldenreise – jemand wird vom Unbekannten zum Helden, die Zuseher begleiten ihn von der Nervosität vor dem ersten Auftritt an bis zum tosenden Beifall des Publikums. Manche überschätzen sich und scheitern – auch das gehört zum Wettbewerb.

Die Sender der Mediengruppe RTL- Deutschland am Standort Köln sind in ein gemeinsames Sendezentrum übersiedelt. Auch der ORF überlegt die Verlegung an einen gemeinsamen Standort. Ihr Empfehlung?

Schäferkordt: Wir stecken gerade mitten im Umzug. Zuletzt waren wir mit unseren zur Gruppe gehörenden Unternehmen – darunter RTL, Vox, n-tv und Super-RTL – auf drei Standorte in Köln verteilt. Jetzt arbeiten wir in einem komplett neu gebauten, voll digitalisierten Sendezentrum in der alten Messe in Köln unter einem Dach zusammen, nur die denkmalgeschützte Fassade steht noch von früher. Alles ist technisch auf dem neuesten Stand, beide Studios sind mit HD ausgerüstet. Jedes Magazin- und Nachrichtenformat bekam oder bekommt ein neues Design, mittags trifft man einander in der Kantine oder zwischendurch in der Teeküche. Das verbessert nochmals die Kommunikation, intensiviert die Zusammenarbeit und gibt der gesamten Gruppe damit nochmals einen positiven Impuls. Für uns war es genau der richtige Schritt. Dem ORF möchte ich auf diesem Wege keine Empfehlungen geben... zu tun gäb es vermutlich genug.

Auf einen Blick

Anke Schäferkordt, geboren 1962 in Lemgo/Westfalen, studierte BWL, war bei Bertelsmann, Gruner+Jahr, Vox. Seit dem 1.September 2005 leitet sie die Mediengruppe RTL-Deutschland und ist damit auch Geschäftsführerin des Fernsehsenders RTL.

Gerhard Riedler ist Geschäftsführer der IP Österreich, des Vermarkters der Österreich-Werbefenster der RTL-Gruppe.

Die RTL-Group gehört zu Bertelsmann und wird von Gerhard Zeiler geleitet. Zu ihr gehören nicht nur RTL, Vox, n-tv, RTL2 und Super RTL, sondern insgesamt 45 TV- und 32 Radiosender in Europa, die 170 Mio. Zuschauer täglich erreichen. Umsatz im Geschäftsjahr 2009: 5,4Milliarden Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2010)

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