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Stadtbild

Unesco entzieht Liverpool den Welterbe-Titel

In Liverpool haben Neubauten den universellen Charakter der Stadt beeinträchtigt, urteilt das Unesco-Komitee.
In Liverpool haben Neubauten den universellen Charakter der Stadt beeinträchtigt, urteilt das Unesco-Komitee.(c) imago/ecomedia/robert fishman (C3455 Robert B. Fishman)
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Die Unesco reagiert auf die Zerstörung des Hafenviertels durch gesichtslose Hochhäuser. Ein Vorgang den es erst zweimal seit 1972 gegeben hat.

Als „Maritime Mercantile City“ hat die Unesco die englische Stadt Liverpool im Jahr 2004 in ihre Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sie belohnte damit auch die respektvollen Umbauten des historischen Hafenviertels, vor allem des Royal Albert Dock, das heute Pubs, Hotels, die Tate Liverpool und ein Beatles-Museen beherbergt. Diese Revitalisierung hat dazu beigetragen, dass Liverpool nach einer Periode des durch industriellen Niedergang bedingten Verfalls in den Neunzigerjahren wieder zu blühen begann, dazu kam der Beatles-Tourismus. Doch die Stadt spielt ihren Gästen nicht nur „Penny Lane“ und „Strawberry Fields Forever“ vor, sondern auch „Ferry Cross The Mersey“ von Gerry & The Pacemakers, bei jeder Hafenrundfahrt.

Das Ensemble, das man bei einer solchen sieht, ändert sich derzeit massiv, etwa durch das 35-stöckige Gebäude The Lexington am Princess Dock. Weitere gesichtslose Hochhäuser sind geplant, unter Führung des Investors Peel Group sollen unter dem Namen „Liverpool Waters“ insgesamt 60 Hektar Hafengebiet verbaut werden. Auf dem historischem Bramley Moore Dock soll ein riesiges Stadion des Fußballclubs Everston FC entstehen.

Diese Projekte gefährden „Authentizität und Integrität des Stadtbilds“, urteilte die Unesco. Doch Bürgermeister Joe Anderson (Labour Party) blieb dabei. Nun hat die Unesco bei ihrer Sitzung im chinesischen Fuzhou den Beschluss gefasst, Liverpool den Kulturwelterbe-Titel zu entziehen. In einem Unesco-Dokument hießt es, Liverpool habe längst seinen Charakter verloren, der zur Einstufung als Welterbe geführt habe. Es ist erst das dritte Mal in der Geschichte der Welterbe-Konvention von 1972, dass einer Kultur- oder Naturstätte der angesehene Titel entzogen worden ist. 

Reservat in Tansania bleibt Welterbe

Entgegen ersten Erwartungen wurde dem Wildreservat Selous in Tansania, in dem ein Damm gebaut werden soll, nicht der Status als Welterbe entzogen. Allerdings bleibt es auf der Liste bedrohter Stätten. Zuletzt hatte 2009 das Dresdner Elbtal in Deutschland wegen der Errichtung der Waldschlösschenbrücke den Titel als Welterbe verloren. Die erste Streichung gab es 2007 für Oman wegen der Verkleinerung des Wildschutzgebiets für die seltenen Arabischen Oryx-Antilopen.

Australien bemüht sich unterdessen, eine vom Komitee geplante Aufnahme des vom Klimawandel bedrohten Great Barrier Reefs in die Liste der gefährdeten Naturstätten aufzuschieben, um einen Imageschaden zumindest vorerst abzuwenden. Um die für Freitag geplante Entscheidung auf 2023 hinauszuzögern, hat Australien einen Änderungsvorschlag eingebracht, der von 12 der 21 Mitglieder des Komitees unterstützt wird. Die Abstimmung steht noch aus. Auch könnte es Änderungen geben.

Als Folge des Klimawandels ist das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens durch warmes Wasser und Korallenbleiche bedroht. Das weltgrößte Riff dehnt sich über mehr als 340.000 Quadratkilometer aus und kann mit bloßem Auge vom Weltraum aus gesehen werden. Die Unesco hat das Kohleland Australien eindringlich aufgefordert, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu treffen. Auch geht es um die Qualität des Wassers. Die langfristigen Aussichten für das Naturwunder hätten sich von "schlecht" zu "sehr schlecht" entwickelt.

Nationalpark in der DR Kongo hat sich erholt

Das Welterbekomitee beschloss auch, den Nationalpark Salonga in der Demokratischen Republik Kongo aus der Liste der gefährdeten Stätten zu nehmen, weil er "dank erfolgreicher Schutzmaßnahmen" nicht mehr als bedroht gilt. Salonga ist das größte Schutzgebiet tropischen Regenwalds in Afrika und Lebensraum vieler bedrohter Arten. Bonobos und Waldelefanten kommen hier ebenso vor wie der Kongo-Pfau.

Salonga war unter anderem wegen Wilderei und Ölförderplänen seit 1999 auf der Roten Liste. Die Demokratische Republik Kongo hat aber zugesichert, künftig kein Erdöl auf dem Gebiet zu fördern. Zugleich fordert das Unesco-Komitee, die Bemühungen zur Bekämpfung der Wilderei fortzusetzen, eine bessere Überwachung sicherzustellen und die lokale Bevölkerung stärker in das Management einzubeziehen.

Vertreter aus gewählten 21 Ländern entscheiden

Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli online und vor Ort. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten. Wegen der Pandemie war die Tagung im vergangenen Jahr verschoben worden. Auf der Welterbeliste stehen aktuell 1.120 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht.

Auf der Tagung sind unter den rund 40 Nominierungen für neue Welterbestätten auch zwei mit österreichischer Beteiligung. Am Samstag dürften die großen europäischen Kurorte den Ehrentitel erhalten, darunter auch Baden bei Wien. Und am Sonntag geht es um die römischen Grenzwälle Donaulimes und Niedergermanischer Limes.

(APA/tk/dpa)