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Landwirtschaft

AMA-Gütesiegel: Schweinehaltung soll tiergerechter werden

Schweine im Stall
APA/dpa/Sina Schuldt
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Bis 2030 sollen mithilfe eines neuen Stufenplans eine Million Mastschweine aus biologischer Haltung oder aus den freiwilligen "Mehr Tierwohl"-Modulen kommen. Den Grünen und der SPÖ gehen die neuen Regelungen nicht weit genug.

Das AMA-Gütesiegel soll im Schweinefleischbereich weiterentwickelt und verbessert werden. Es steht rund um die Schweinehaltung in der Kritik von Tierschützern. Die Branche und Vertreter nachgelagerter Wertschöpfungsketten im zuständigen Gremium der Agrarmarkt Austria (AMA) haben sich laut Agrarministerium darauf geeinigt, dass nun ein Stufenplan ausgearbeitet wird, um bei der AMA-Gütesiegelrichtlinie "Haltung von Schweinen" ab 2022 höhere Anforderungen umzusetzen.

Es geht laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums beim Ausbau des AMA-Gütesiegels um "gesteigerte Anforderungen im Bereich Tierwohl, Tiergesundheit, Fütterung, Qualitätssicherung und Schweinefleischqualität". Langfristige Vision sei eine Weiterentwicklung der Schweinhaltung hin zu mehr Tierwohl und eine Unabhängigkeit von Soja-Futtermittelimporten.

Ab sofort wird in die entsprechende Richtlinie ein zusätzliches, freiwilliges Modul zu "Mehr Tierwohl" mit 100 Prozent mehr Platz im Stall aufgenommen. Ein Modul mit 60 Prozent mehr Platz gibt es schon. In beiden Fällen sind zusätzlich eingestreute Liegeflächen vorgeschrieben. Bis 2030 sollen insgesamt eine Million Mastschweine aus biologischer Haltung oder aus den freiwilligen "Mehr Tierwohl"-Modulen kommen.

Keine Vollspaltenböden bis 2032

Bis Ende 2026 sollen Zuchtsauen- und Aufzuchtbetriebe vollständig ins AMA-Gütesiegel für Schweinefleischprodukte eingebunden werden. Bis Ende 2032 sollen dann alle Schweinemastbetriebe im AMA-Gütesiegel ohne Vollspaltenböden in ihren Ställen arbeiten.

"Das bringt Verbesserungen bei der Tiergesundheit, bessere Fütterung und mehr Platz für die Tiere", hieß es von Landwirtschaftsministerin Köstinger (ÖVP) in einer Mitteilung. Johann Schlederer, Geschäftsführer des Verbands landwirtschaftlicher Verarbeitungsbetriebe und Chef der Schweinebörse, verwies heute auf steigende Kosten für die Verbraucher. "Die Weiterentwicklung der Schweinemast ist nur gemeinsam mit Handel und Konsumenten möglich, denn die Mehrkosten für die Landwirtschaft werden sich im Preis widerspiegeln."

Der Bauernbund wiederum hielt fest: "Wir haben uns seit Monaten um eine Lösung bemüht, haben alle wichtigen Akteure eingebunden und sind heute mit diesem Beschluss sehr zufrieden."

Kritik von Grünen, SPÖ und Bürgerinitiative

Die Grünen und die SPÖ kritisierten am Mittwoch, dass die geplanten Regelungen nicht weit genug gingen und zu zaghaft umgesetzt würden. "Mit mehr Tierschutz hat das neue AMA-Gütesiegel nichts zu tun, von mehr Klimaschutz kann auch nicht die Rede sein. Die Grundlage für das Gütesiegelprogramm stellt nach wie vor eine tierverachtende Haltung", so Olga Voglauer, Landwirtschaftssprecherin der Grünen.

"Mit jährlich 50 Millionen Euro aus der 2,1 Milliarden Euro großen Agrarförderung gäbe es in fünf Jahren keine Vollspaltenböden mehr in Österreich. Ein neues AMA-Modul, wie von der Ministerin (Elisabeth Köstinger, Anm.) angekündigt, bringt jedoch kein Ende dieser qualvollen Haltung von Schweinen", kritisierte wiederum SPÖ-Landwirtschaftssprecherin Cornelia Ecker.

Heftige Kritik kommt von der Bürgerinitiative oekoreich: "Die heute angekündigten Maßnahmen in der massiv auch aus Steuergeld finanzierten AMA werden zwar von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger als Erfolg verkauft, sind aber in Wahrheit das Zeugnis ihres politischen Totalversagens." Statt eine gesetzliche Regelung bei Vollspaltenböden auf den Weg zu bringen, delegiere sie die Verantwortung an das AMA-System. Doch nur rund 40 Prozent aller Schweine in Österreich würden unter diesen Standard fallen.

(APA)