Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Morgenglosse

Nicht jede Straße hat Sinn – der Lobautunnel aber schon

Stau
Der tägliche Stau auf der Südosttangente.Alexandra Eizinger
  • Drucken
  • Kommentieren

Wer den Klimaschutz ernst nimmt, muss auch Straßenprojekte überdenken. Manche braucht es aber auch in einer CO2-neutralen Welt.

Am Mittwoch hat sich nun auch der pinke Wiener Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr in die Diskussion um den Lobautunnel eingeschaltet und seine bereits in der Vergangenheit geäußerte Ablehnung des Projekts bekräftigt. Die Grünen als ehemalige SPÖ-Koalitionspartner in Wien reagierten offen erfreut, die SPÖ selbst nur verdeckt verärgert. Das Projekt droht nun also immer mehr zu einem regionalpolitischen Spielball beziehungsweise zu einem Abtausch der Interessen zwischen dem roten Wien und dem grünen Klimaschutzministerium („Erhalten wir nicht den Lobau-Tunnel, bekommt ihr nicht euer 1-2-3-Ticket.“) zu werden.

Das ist schade, weil eine vernünftige inhaltliche Diskussion dadurch zunehmend erschwert wird. Und in einer solchen muss man einer grünen Klimaschutzministerin durchaus zugestehen, über neue Straßenprojekte zumindest reden zu wollen. Denn es stimmt, angesichts des Klimawandels müssen gerade langfristige Infrastrukturprojekte auf ihre Wirkung überdacht werden. Wenn etwa global heute noch Kohlekraftwerke errichtet werden, dann werden diese Anlagen auch in 25 Jahren noch dazu verdammt sein, massenhaft CO2 zu emittieren – oder die Staaten entschließen sich dazu, Werte zu vernichten und die Anlagen vorzeitig abzureißen. Ähnlich lautet das Argument bei neuen Straßen. Auch diese müssten auf ihre Klima-Wirkung hin untersucht werden. Und es stimmt auch, dass eine gute Straßen-Verkehrsanbindung oftmals zu einem Anstieg des Individualverkehrs führt.

Allerdings helfen all diese Argumente nichts, wenn der Verkehr bereits da ist, die aktuelle Infrastruktur überlastet und noch dazu andere, negative Nebenwirkungen erzeugt. Wenn also die durch das Wiener Stadtgebiet führende Südosttangente unter anderem auch von Fern-Lkws zwischen Italien und Polen täglich so verstopft wird, dass ein – sowohl ökonomisch als auch ökologisch unsinniger – Dauerstau entsteht, der Anrainer und Nutzer quält. Denn trotz aller geplanten Verlagerung auf die Schiene, wird es auch in einer CO2-neutralen Welt Elektroautos und mit synthetischen Kraftstoffen fahrende Fern-Lkw geben. Und für diese sollte es eine sinnvolle Umfahrung von Österreichs Hauptstadt geben.

Man kann über den Lobautunnel also durchaus diskutieren, gebaut werden muss er jedoch trotzdem.