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ORF

Weißmann will ORF-Chef werden: Der Favorit der ÖVP

Roland Wei�mann bewirbt sich als ORF-Generaldirektor
Roland Weißmann(c) Alex Gotter
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Der ORF-Vizefinanzdirektor Roland Weißmann bewirbt sich für den Posten des ORF-Generaldirektors. Seine Karriere ist eng mit Richard Grasl verbunden.

Nun sind es also drei: ORF-Vizefinanzchef Roland Weißmann hat heute bekannt gegeben, dass er sich für den Posten des ORF-Generaldirektors bewirbt: „Lange wurde spekuliert, jetzt kann ich sagen: Ja, ich trete an“, sagte Weißmann. Ihre Kandidatur bereits bekannt gegeben hatten zuvor der amtierende Generaldirektor Alexander Wrabetz und ORF1-Channelmanagerin Lisa Totzauer. Weißmann hat beste Chancen auf den Chefposten: Er gilt als Kandidat der ÖVP. Die Regierungspartei hat die Mehrheit im Stiftungsrat, dem obersten ORF-Gremium, und kann am 10. August über den Posten damit im Alleingang entscheiden.

Die Bewerbungsfrist für den ORF-Generaldirektorenposten endet mit 28. Juli. Eine Möglichkeit für Nachbewerbungen ist bis 3. August eingeräumt. Konkurrenz von außerhalb des ORF bekommt Weißmann möglicherweise auch: Der Medienmanager und Aktivist Niko Alm überlegt sich zu bewerben.

Konkurrenz aus dem eigenen Lager

Weißmann dürfte derzeit für die ORF-Wahl am 10. August die besten Karten unter den Bewerbern haben, dürfte sich der türkise "Freundeskreis“ im ORF-Stiftungsrat doch auf ihn verständigt haben. Er nahm an Treffen des bürgerlichen "Freundeskreises“ teil  oder einem Seminar von "Freundeskreis"-Leiter Thomas Zach in Südfrankreich - nach vorheriger Genehmigung der Generaldirektion. Weißmann gilt als gut vernetzt. Während ihm Kritiker Willfährigkeit unterstellen, beschreiben ihn andere als verbindlich, verlässlich und professionell.

(c) Die Presse/GK

Auch Totzauer gilt als ÖVP-nahe, aber auch als schwer steuerbar. Ihre Kandidatur könnte allerdings zur Aufspaltung der bürgerlichen Stimmen führen. Davon würde Wrabetz profitieren, der einst von einer rot-grün-blau-orangen (damals gab es noch das BZÖ) Mehrheit an die Macht gebracht wurde und auch jetzt auf die roten und grünen Räte zählen dürfte.

Der Preis für die Zustimmung war zu hoch

Weißmanns Karriere im ORF ist eng mit dem Namen Grasl verbunden. Nach dem Publizistik- und Geschichtestudium landete er 1995 im aktuellen Dienst im ORF-Landesstudio Niederösterreich. Nach Zwischenstopps als Chef vom Dienst bei Ö3 und als stellvertretender Chronikressortleiter in der ORF-Radioinformation, zog es Weißmann erneut nach Niederösterreich, wo er ab 2003 stellvertretender Chefredakteur unter Richard Grasl war.

Ab 2007 war er als Fernsehchef für die tägliche Sendung "NÖ heute" mitverantwortlich. Ab 2010 war Weißmann Grasls Büroleiter in der ORF-Finanzdirektion und beschäftigte sich seitdem intensiv mit wirtschaftlichen und finanziellen Themen. ORF-intern wird dem gelernten Journalisten inzwischen hohe Sachkompetenz in Finanz- und Budgetthemen attestiert.

Grasl machte seinen langjährigen Wegbegleiter auch zum "Chefproducer Fernsehen". In dieser Funktion hatte Weißmann ein rund 400 Millionen Euro schweres Budget zu verwalten. 2020 wurde Weißmann von Wrabetz dann auch noch zum dritten Geschäftsführer von ORF.at und Verantwortlichen für die geplante Streamingplattform ORF-Player bestellt.

Der Preis war zu hoch

Zuvor, 2016, war Weißmann vom damals frisch wiederbestellten ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zunächst sogar als Kaufmännischer Direktor vorgesehen. Nachdem der ÖVP-"Freundeskreis" im obersten ORF-Gremium den Preis für die Zustimmung zu Wrabetz' Direktorenteam aber immer weiter in die Höhe schraubte, wurde es doch nichts mit dem Posten des Finanzdirektors (dieser ging an Andreas Nadler).

In seinen niederösterreichischen ORF-Jahren arbeitete Weißmann übrigens nicht nur eng mit Grasl zusammen, sondern auch mit den heutigen Channel Managern von ORF 1 und ORF 2, Lisa Totzauer und Alexander Hofer. Während Hofer noch immer zu den engsten Vertrauten Weißmanns zählt und im Fall von dessen Bestellung zum ORF-Chef als logischer Kandidat für den Job des Programmdirektors gehandelt wird, gilt das Verhältnis zu Totzauer, die mit Weißmann und Wrabetz am 10. August um den Posten des Generaldirektors ringt, als deutlich abgekühlt.

Debatte mit Redaktionsvertretern

"Die Unabhängigkeit der Redaktion ist für mich das Wichtigste", meinte er erst kürzlich im Zuge einer Debatte um politische Einflussnahme auf die Berichterstattung von ORF.at. Redaktionsvertreter erinnerten Weißmann zuvor, dass es als Geschäftsführer nicht seine Aufgabe sei, im Sinne einer Partei zu intervenieren und Umtitelungen oder Ähnliches zu fordern. Nach einer Aussprache sei die Causa erledigt, so Weißmann.

Stiftungsrat und Freundeskreise

Der ORF-Stiftungsrat hat 35 Mitglieder und stimmt am 10. August darüber ab, wer der nächste ORF-Generaldirektor wird. 18 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. 

Die Mitglieder des Gremiums werden von Regierung, Parteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Betriebsrat beschickt und sind - abgesehen von wenigen Ausnahmen - in parteipolitischen "Freundeskreisen" organisiert.

Die ÖVP kann derzeit auf 16 ihr nahestehende Vertreter zählen, mit weiteren zwei bis drei türkis-nahen unabhängigen Räten kommt sie auf eine Mehrheit im obersten Gremium.

Die SPÖ ist mit fünf, die FPÖ mit vier und die Grünen mit drei Gremienmitgliedern vertreten. Die Neos stellen eine Rätin. Der einst von den Freiheitlichen bestellte und später von der SPÖ-geführten Landesregierung verlängerte Kärntner Stiftungsrat Siggi Neuschitzer gehört keinem "Freundeskreis" an.

Komplettiert wird die Runde durch fünf Unabhängige, bestehend aus drei Betriebsräten und zwei von der türkis-grünen Regierung gemeinsam nominierten Personen.

(APA/Red.)