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Interview

Konstantin Wecker: "Wir werden von malignen Männern beherrscht"

Liedermacher Konstantin Wecker im Wiener Hotel Intercontinental.
Liedermacher Konstantin Wecker im Wiener Hotel Intercontinental.Die Presse/Clemens Fabry
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Seine Gedichte, sagt Konstantin Wecker, seien immer klüger gewesen als er selbst. Immer habe ihn die Poesie geleitet – und der Glaube an die Anarchie. Ein Gespräch über seine Jugend als Macho, seine Filmrolle als Nazi, seine Unverständnis für Wutbürger und darüber, warum die Menschheit nur eine Überlebenschance hat, wenn das Patriarchat überwunden wird.

Sie steigen mit einem „Faust“-Text in Ihr neues Album ein – der nicht ganz original ist.

Konstantin Wecker: Ich habe dieses Gedicht geschrieben und ehrlicherweise überhaupt nicht an „Faust“ gedacht. Und dann kamen mir beim Schreiben zwei „Faust“-Zitate in den Sinn. „Da steht ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“ Und: „Was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Das ist eigentlich die Sehnsucht überhaupt, die Sehnsucht der Poesie: zu erahnen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Schöner kann man es nicht ausdrücken.

Seit wann versuchen Sie dem auf die Spur zu kommen?

Mein Leben lang. Ich bin ein bekennender Goetheaner, er ist einer der ganz wenigen, die auch im Alter noch großartige Gedichte geschrieben haben. Interessant ist, dass die großen Poetinnen und Poeten als 20-Jährige Sachen geschrieben haben, die man normalerweise als Hundertjähriger nicht schreiben kann. Wo haben sie das her? Das hat mich immer schon so fasziniert: wie ganz junge Menschen weise sein können in Gedichten. Wahrscheinlich waren sie es im echten Leben nicht annähernd so, wie ich an mir immer erkannt habe. Meine Gedichte waren auch immer klüger als ich.

Wie erklären Sie sich das?