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Covid-Impfung im Austria Center
Leserstimmen

"Ein bisserl was riskieren": Zwölf Lesermeinungen zur Impfung

Über Impfung und Impfpflicht wird auch auf den Leserbriefseiten der „Presse“ viel diskutiert. Eine Auswahl.

Müssen mit Virus leben

Weil angeblich "weder Regierung noch Bevölkerung in Österreich einen Mittelweg einschlagen können", schreibt Rainer Nowak einen weiteren Polarisierungsleitartikel pro Impfpflicht. Fahrlässige Körperverletzung/Tötung (!) unterstellt er jenen, die zurückhaltend sind, sich einen ohne Langzeiterfahrung bedingt zugelassenen Impfstoff verabreichen zu lassen.
Faktum ist jedoch, dass die Impfung nur gering gegen die Ansteckung anderer hilft. Faktum ist auch, dass jeder, der sich mit der Impfung gegen schwere Verläufe schützen möchte, dies jederzeit tun kann. Ausgehend von einem Molekularbiologen, der spekuliert, dass "uns den Impfstoff umgehende Mutationen um die Ohren fliegen werden", sinniert Nowak dennoch, wie eine Durchimpfung der Bevölkerung erzwungen werden könnte. Beispielsweise durch Selbstbehalte für erkrankte Ungeimpfte:
Und was ist mit Rauchern, Bewegungsverweigerern, Adipösen? Statt wieder einmal die Pseudo-Moral-Keule zu schwingen, sollte auch der Chefredakteur dieser Zeitung irgendwann erkennen, dass wir mit dem Virus leben müssen. Und dass die Erfüllung der tiefsten Bedürfnisse des Menschen nach Berührung und Nähe nicht keimfrei und digital zu haben sind. Die Natur hat uns dafür mit einem Immunsystem ausgestattet, das es zu stärken gilt, statt es mit ständigem Schüren von Panik und Schuld zu schwächen!
Dr. Stephan Hofinger, 6080 Igls

"Impfpflicht durch die Hintertür? Geht's noch?"

Habe mit zunehmender Befremdung und Schrecken den Leitartikel gelesen. Impfpflicht durch die Hintertür? Selbstbehalt bzw. voller Kostenersatz bei ungeimpften Covid-19 Patienten? Geht's noch? Wie kommen Personen, die mit durchaus berechtigter Skepsis (noch nie wurde ein derartiger Impfstoff entwickelt, keine Langzeitstudien, keine Studien über die Auswirkungen auf Neugeborene, keine ordnungsgemäße Zulassung etc.) einer Impfung negativ gegenüberstehen, dazu, mit der Drohung des potenziellen finanziellen Ruins zur einer medizinischen Behandlung gezwungen zu werden?
Abgesehen davon, dass auch Nichtgeimpfte ihre Beiträge zahlen: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht bzw. sich informiert, wie viele Österreicher pro Jahr an den Folgen des Alkoholkonsums (ca. 8000) oder des Rauchens (ca. 14.000) sterben - meist nach jahrzehntelanger Krankheit? Von Adipositas u. ä. will ich da gar nicht reden. Auch diese Menschen könnte man zur Verantwortung ziehen, aus moralischer Sicht sogar mit wesentlich mehr Berechtigung als Impfskeptiker. Allerdings stehen da natürlich ganz andere Lobbys dahinter.
Wie wäre es also zur Abwechslung mit Alkohol/Nikotin- oder BMI-Tests? Heurigen-Besuch nur mit entsprechendem Fitness-Nachweis (Sport-Abzeichen!)? Unser Problem heißt nicht Long Covid, sondern "Long Alcohol", "Lo(u)ng Smoke" oder "Long Fat"!
Für die Beamten im Gesundheitsministerium hätte ich noch folgenden Tipp: Verwenden Sie - um Unklarheiten zu vermeiden - bitte in Ihren Akten/Aussendungen etc. nur noch die Abkürzungen VI (für voll Immunisierte) und IV (Impfverweigerer), damit die Sache auch "ein G'sicht hat".
Peter Fritz, 2103 Langenzersdorf

Niemanden mit Fettvirus angesteckt

Die beharrlichen  Impfverweigerer, die aufgrund der von ihnen ausgehenden latenten Virulenzgefahr quasi zum Teil als Brunnenvergifter, bzw eben als Ansteckungsgefahr gebrandmarkt werden, verweisen gern auf die, ihrer Meinung nach mindestens ebenso Schaden verursachenden, zur Diskriminierung freigegebenen, Raucher und Dicken hin. Widerspruch ist angebracht. Nun, Raucher könnten zwar womöglich ihrem, zum Passivrauchen gezwungenen, Umfeld schaden, es sind auch vereinzelt Fälle von Animo zum blauen Dunst, jedoch bisher keinerlei Ansteckung bekannt. Letzteres trifft auch auf die noch ungenierter diskriminierten Dicken zu. Ich kann aus eigener Erfahrung versichern, im Laufe der letzten Jahrzehnte in meinem Umfeld, keinen meiner mir nahen Lieben und auch keinen mir nahe gekommenen weniger Lieben, mit dem Fettvirus angesteckt zu haben. Sie alle sind noch immer gleichbleibend schön, rank und schlank. Sollte gegen Fettleibigkeit oder das altern in nächster Zeit eine Impfung gefunden werden, ich wäre dabei.
Eva Schreiber, Traiskirchen

Ein bisserl was für andere riskieren

Lassen wir die Ursachen und Auslöser für Alkoholismus, Nikotinsucht und Fettsucht beiseite. Von nix kommt ja bekanntlich nix, und was dazu führt, das ist eh schon oft diskutiert worden. Worum es geht, das ist:
Bringe ich mit meinem Verhalten andere in Gefahr (ja, besoffene Autofahrer, aber die werden eh gestraft)? Und das tun nicht Geimpfte. Ich weiß, Geimpfte auch; mRNA-Geimpfte zu etwa fünf Prozent, Impfgegner zu 100 Prozent. Den Unterschied möchte ich Klavier spielen können.
Und manchmal ist es an der Zeit, für alle ein bisserl was zu riskieren. Das macht unter anderem den Menschen aus, dass er sich zwar ins Hemd macht, sich der möglicherweise gefährlichen Situation aber trotzdem mit Bedacht stellt. Hätten meine Generation und die Generationen davor nicht die wirklich heftige Pockenimpfung akzeptieren müssen (da ist fast jedem das G'impfte g'scheit aufgegangen), wo wären wir heute?
Aber bei manchen Menschen greift die Argumentation der Kreuz-und-Querdenkenden wohl nicht. Da ist vieles jenseits des Vorstellungsvermögens.
Johannes Dornhofer, 1230 Wien

Präpotente Diskreditierung

Das Recht auf Impfverweigerung zu diskreditieren ist präpotenter Low-Level-Journalismus.
Herbert Radakovits, 1150 Wien

Gänzlich unverständlich

Es bleibt Faßmann natürlich unbenommen, Eltern zur Covid-Impfung aufzufordern. Gänzlich unverständlich jedoch ist sein Nein zur Impfpflicht für Lehrer. Faßmann beugt sich einmal mehr der Lehrergewerkschaft und fügt den ohnehin reichen Privilegien der Lehrer ein Weiteres hinzu. Das nennt man verantwortungslos.
Herbert Kafka, 3033 Altlengbach

Gratulation an Ludwig für seine harte Linie

Weil ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung an den Lippen eines offenbar geistig verwirrten Gurus hängt, werden wir niemals die erforderliche 80-prozentige Durchimpfungsrate erreichen. Der große Sprücheklopfer Kickl sondert seit Monaten wirklich gefährlichen Unsinn ab. Wohltuend dagegen die klaren, besonnen Aussagen des Gesundheitsministers und unseres Bürgermeisters. Auch der Verschärfung beim Zutritt zur Nachtgastronomie kann man nur zustimmen: laute Musik und Alkohol, viele Menschen in geschlossenen Räumen, Abstand halten ist hier nicht möglich, sondern sogar unerwünscht, denn die jungen Menschen suchen in der Disco ja die Nähe zum anderen Geschlecht, und das ist auch gut so.
Um die Veranstalter von Zeltfesten nicht zu bevorzugen, gibt es eine simple Lösung: ebenfalls Zutritt nur mit Impfpass oder negativem PCR-Test. Ich gratuliere jedenfalls Bürgermeister Ludwig zu seiner harten Haltung, auch wenn sie ihm Kritik einbringt.
Dr. med. Christian Neumann, 1190 Wien

Man kann nicht Everybody's Darling sein

Anregungen zum Leitartikel von Thomas Kramar

1. Haben Sie den Mut, Schlüsse zu ziehen. Wenn bei Festivals, in der Nachtgastronomie usw. "die Ansteckungschance für Nichtgeimpfte sehr hoch (ist)", sollen diese doch für ihr Verhalten die Konsequenzen tragen und dort abgewiesen werden, und nicht alle.
2. Bitte recherchieren Sie in alle Richtungen. Nicht nur rechts gibt es Impfverweigerer aus den genannten Gründen, auch ganz links verweigern sogenannte Alternative die Schutzimpfung - beide auf Kosten der großen Mehrheit in der Mitte der Gesellschaft.
3. Es ist nicht beklagenswert, dass eine Oppositionspartei Unzufriedene "einsammelt". Beklagenswert ist, dass die Regierungsparteien nicht zur Kenntnis nehmen, dass man nicht Everybody's Darling sein kann und muss. 20 Prozent? Niemals werden diese Türkis oder Grün wählen! Und?
4. Unbegrenzte Tests sind bei uns im Gegensatz zu vielen anderen Staaten kostenlos. Wie kommen wiederum die Geimpften dazu, den Verweigerern dies zu finanzieren? Ein Kostenbeitrag pro Test von fünf Euro, und man würde sich wundern, wie dies die Impfkampagne anregt. Erboste Reaktion der Opposition? Siehe 3.!
Mag. Martin Zankl, 9500 Villach

Mit ausgebauten Bremsen

Auch wenn man kein Virologe oder Epidemiologe ist, sondern nur ein wenig mit Fragen der Probabilität und Epistemologie befasst, weiß man: Das Virus, das eine Zäsur in der Mobilitätsgesellschaft darstellt, wird wahrscheinlich weiter mutieren. Impfgegner und Verteilungsungerechtigkeiten lassen eine dies unterbindende Herdenimmunität nicht zu. Hundertprozentigen Schutz gibt es schon jetzt nicht, trotz überraschend guter Ergebnisse. Niemand weiß, wie gut der Schutz im Falle der Delta-Variante wirklich ist, wie die Impfungen gegen weitere Mutationen schützen, wenn wir feststellen sollten, dass das griechische Alphabet womöglich nicht genug Buchstaben hat. Dennoch wird auf die Maske, deren relative Wirksamkeit bei Aerosolen plausibel ist, bereits verzichtet. Auch bei Großveranstaltungen? Unbedingt. Es mag eine Vereinfachung der Sachlage sein, aber: Es ist ein wenig, als baute man aus seinem Pkw die Bremsen aus, weil man wahrscheinlich (!) Gurte hat.
Martin Hainz, 7000 Eisenstadt

Eine große Chance

Es ist bekannt, dass die Faktenlage zur Impfung gegen Sars-Cov-2 noch nicht reichlich ist, "no na net" nach einer so kurzen Phase der Entwicklung! Trotzdem ist es eine große Chance, jetzt die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, das dadurch verursachte Leid zu beenden. Und dafür brauchen wir viele Menschen, die Ja zur Impfung sagen, auch wenn damit ein kleines Restrisiko verbunden ist. Bitte keine medialen Verunsicherungen mehr!
Elisabeth Sturm, 4901 Ottnang

Man spürt den Einstich

Der alte Begriff "Serum" wird kaum noch verwendet. Serum klingt angenehm, wie Balsam auf die Wunde. Das passt nicht in die Sprache der Macher, da müssen harte, kantige Wörter her. Die moderne Bezeichnung "Vakzin" ist diesbezüglich optimal - da spürt man schon den Einstich und denkt an grausliche Sachen, wie Ekzem und Warze.
DI Manfred Uttenthaler, 8053 Graz

Geringe Impfbereitschaften bei den Jungen

Es ist zwar richtig, dass die Durchimpfungsrate der Jungen in Großbritannien zurückliegt. Es ist aber falsch, dass der nationale Impfplan diese Gruppe ausgelassen hat. Tatsache ist, dass die Impfbereitschaft der Jungen sehr gering ist, weil sie glauben, von der Pandemie gesundheitlich nicht schwer betroffen zu sein. Übrigens eine Einstellung, die hierzulande weit verbreitet ist. Nicht nur die Jungen betrachten ihre Pubs als soziales Wohnzimmer, das uneingeschränkt ohne Impfung und Testung betreten werden kann.
Der wirkliche Haken ist, dass es eine Eigenheit der Briten ist, Einschränkungen nicht hinzunehmen, sie sind nicht so obrigkeitshörig wie wir Österreicher, und Selbstverantwortung ist auf der Insel ein Fremdwort.
Dr. Alfred Lehner, London

(sk)