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Experte: Deutschland "braucht mehr Zuwanderung"

Eine Frau fuellt in der Volkshochschule in Bremen eine Anmeldung fuer einen Einbuergerungstest aus
(c) AP (Joerg Sarbach)
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Mehr Zuwanderung nehme niemandem etwas weg, sondern bringe neue Perspektiven auch für deutsche Arbeitnehmer, sagt ein FDP-Experte. Er beklagt, dass mittlerweile immer mehr Menschen aus Deutschland abwandern.

Der FDP-Arbeitsmarktexperte Johannes Vogel hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in der Zuwanderungsdebatte energisch widersprochen. "Inzwischen wandern sogar mehr Menschen aus Deutschland ab als zu uns kommen - das gilt gerade für Männer und Frauen mit türkischen Wurzeln. Wir benötigen nicht weniger, sondern erheblich mehr gesteuerte Zuwanderung. Der Wettbewerb um die klügsten Köpfe muss endlich ernst genommen werden", sagte Vogel der "Passauer Neuen Presse" (Dienstagausgabe).

"Deutschland ist leider im Moment nicht das bevorzugte Zuwanderungsland. Dabei brauchen wir Hochqualifizierte, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten", fügte Vogel hinzu.

"Zuwanderung bringt neue Perspektiven"

Zwar müsse auch alles daran gesetzt werden, "jedem Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu geben". Aber nicht jede freie Ingenieursstelle könne mit einem deutschen Arbeitslosen besetzt werden.

"Jeder Hochqualifizierte, der zu uns nach Deutschland kommt, schafft durch seine Leistung weitere Arbeitsplätze. Mehr gesteuerte Zuwanderung nimmt niemandem etwas weg, sondern bringt neue Perspektiven auch für deutsche Arbeitnehmer", sagte Vogel.

"Wir bekommen Analphabeten"

"Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern insgesamt schwerer tun", hatte Bayerns Ministerpräsident Seehofer dem "Focus" gesagt. "Daraus ziehe ich auf jeden Fall den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen."

Auch der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), erteilt Forderungen nach weiterer Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten eine Absage. Den Arbeitgeberverbänden warf er vor, nur auf willige und billige Arbeitskräfte aus zu sein. "Wir brauchen die klügsten Köpfe und bekommen Analphabeten", sagte der Politiker dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstagausgabe) mit Blick auf die aktuelle Situation. Das müsse sich ändern. "Ab dem 1. Mai genießen 70 Millionen Menschen aus den Beitrittsländern Osteuropas Niederlassungsfreiheit, davon 38 Millionen im erwerbsfähigen Alter", sagte Uhl. "Bevor wir aber noch weitere Menschen aus fremden Kulturkreisen zu uns holen, sollte man diese legale Völkerwanderung abwarten."

"Zuwanderung ist Teil der Wirtschaftspolitik"

Der ehemalige Vorsitzende des Sachverständigenrates der deutschen Bundesregierung, Bert Rürup, erklärte dem "Kölner Stadt-Anzeiger" mit Blick auf die jüngsten Äußerungen von CSU-Chef Horst Seehofer, de facto gebe es derzeit keine nennenswerte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt. "Zuwanderungspolitik, wie wir sie brauchen, ist Teil der Wirtschaftspolitik im Interesse von Wachstum und Beschäftigung." Zuwanderer sollten danach ausgewählt werden, ob sie integrationswillig sind und aufgrund ihrer Qualifikation helfen können, "unseren Wohlstand zu mehren. Natürlich müssen uns auch Leute aus arabischen Ländern willkommen sein."

(Ag.)