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"Es riecht nach Schwarzpulver an der Währungsfront"

An employee counts U.S. dollar banknotes at a branch of the Industrial and Commercial Bank of China i
(c) Reuters (Stringer Shanghai)

Europa und Russland drohen im internationalen Abwertungswettlauf der Währungen auf der Verlierer-Seite zu stehen. Die USA und China könnten profitieren.

"Es riecht nach Schwarzpulver auf der Währungsfront", zitiert das "Handelsblatt" die russische Wirtschaftszeitung Vedomosti. Von Kolumbien bis zur Schweiz: Viele Länder hätten sich an dem internationalen Abwertungswettlauf beteiligt und an der Inflationsspirale gedreht. Es wird Gewinner und Verlierer bei diesem Währungskrieg geben.

Russland im Dilemma

Russland hat sich bislang aus dem Währungskrieg herausgehalten. So hat der Rubel leicht an Wert gewonnen und die Politik der Aufwertung wird fortgesetzt. Doch Russland befindet sich damit in Gefahr. "Das Kapital fließt in die aufstrebenden Märkte, auf der Suche nach Profit. Russland stehe vor einer Wahl: Entweder es schaue wortlos zu, wie eine Geldlawine über das Land rollt und die einheimische Währung aufwertet, den Export verlangsamt und Blasen auf dem Immobilien- und anderen Anlagemärkten hinterlässt. Oder es kehrt zurück zu regelmäßigen Interventionen und verstärkter Kapitalkontrolle, was zu Inflation und Verzerrungen im Handel führt", urteilt Vedomosti.

Indes betrachtet die Nachrichtenagentur Reuters China und die USA als die heimlichen Gewinner des Währungskrieges. "Der Dollar ist gegenüber fast allen Währungen der Handelspartner der USA scharf gesunken", analysiert die Agentur laut "Handelsblatt". Und auch der chinesische Yuan habe zwar seinen Höchststand gegenüber dem Dollar erreicht, sei aber gegenüber allen anderen Währungen rapide abgestürzt.

"Europa wird leiden"

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die niederländische Tageszeitung "Trouw", die Europa als Verlierer des Währungskriegs ausmacht: "China ist nicht das einzige Land, dem etwas vorzuwerfen ist. Die Amerikaner importieren nicht allein deshalb soviel chinesische Waren, weil sie billig sind, sondern auch weil sie rauschartig Schulden machen. Immer wenn der Moment des Bezahlens kommt, reagieren sie mit neuen Maßnahmen, die eine Lösung des Problems hinauszögern".

Und weiter: "Zinsen von beinahe Null, eine Geldpresse, die die Welt mit Dollars überschwemmt; alles wird aus dem Kasten geholt, um die Wirtschaft irgendwie anzukurbeln. Die Eurozone ist stabiler. Sie kennt ein passables Gleichgewicht zwischen Import und Export und eine Geldpolitik, die mehr Abstand vom Casino hält als die amerikanische. Doch wenn China und die USA zusammenprallen, wird Europa darunter leiden."

(Ag.)