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Sommer-Serie

Was wurde aus Maria Vassilakou?

Maria Vassilakou
Maria Vassilakou in ihrem Büro im RathausDie Presse/Fabry
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Um die ehemalige Vizebürgermeisterin ist es still geworden. Dabei war sie diejenige, die in Wien für die hitzigsten Debatten sorgte.

Sie wünsche sich „mehr Liebe“ im Wiener Straßenverkehr, ließ Ulli Sima vor einigen Wochen verlautbaren. Medienwirksam, mitsamt berühmten Kabarettisten im Video. Wer Ulli Sima kennt, der weiß, es war auch ein – nämlich nicht der erste –  Seitenhieb in Richtung ihrer Vorgängerinnen im Wiener Verkehrsressort. Das wurde bis Herbst 2020 zehn Jahre lang von den Grünen besetzt. Während Birgit Hebein nur ein kurzes Intermezzo gab, war es vor allem die Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, die Akzente setzte.  Vor Konflikten scheute sie dabei nicht zurück, sondern war wohl jene Stadtpolitikerin, die mit Abstand am meisten polarisierte.

Dass es nicht immer harmonisch zugehen würde, war von Anfang an klar. War Vassilakou 2010 doch die erste, mit der die rote Riege im Rathaus nach fast 10 Jahren Alleinregierung wieder ihre Macht teilen musste. Vassilakou, die für die Grünen das bis damals beste Wahlergebnis einfuhr, ging mit Kampfansagen in die Koalition: Das Auto als „heilige Kuh“ sei ein Auslaufmodell, Wien brauche stattdessen mehr Öffi-Nutzer und Radfahrer in Wien.

Wenig Liebe, aber umso mehr Kontroversen gab es um die Mariahilferstraße und ihre Umgestaltung zur Begegnungszone. Kurz nach ihrem Amtsantritt gab sie eine Studie zur Verkehrsberuhigung in Auftrag, bis zur Fertigstellung sollten noch mehr als vier Jahre vergeben. Kritiker gab es viele und sie waren laut, doch Vassilakou zog ihre Vision - quasi mit Scheuklappen - durch und drückte Wien nachhaltig ihren Stempel auf: Mittlerweile gilt die „Mahü“ als Wiener Erfolgsprojekt.

Die Grünen feiern das Ergebnis der Mariahilferstraße Volksbefragung im Februar 2014.

Auch das 365-Euro Jahresticket und die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf fast alle Bezirke gingen auf ihre Kappe – mit Effekten beim Modal-Split, die sich die Wiener Stadtregierung noch heute gerne auf die Fahnen heftet.

„Nichts für Lulus"

Die „Mary“ musste auch einstecken. Nicht nur von der Opposition, auch die Boulevardmedien fuhren teils sehr untergriffige Kampagnen gegen die Vizebürgermeisterin. Sie habe als Frau und Migrantin, die noch dazu anpacke und nicht artig grüße, einiges vereint, was bestimmte Menschen hassen können, sagte sie 2019 kurz vor ihrem Abschied. Aber das, so die gebürtige Griechin mit der doppelten Staatsbürgerschaft, müsse man aushalten. Oder in – ebenfalls ihren - anderen Worten: „Regieren ist nichts für Lulus“.

PK NACH KLAUSUR DER WIENER STADTREGIERUNG: VASSILAKOU / HAeUPL
Vassilakou und Häupl - ein altes Ehepaar?APA/HELMUT FOHRINGER

Für ein bisschen Liebe war dann aber doch auch Platz in der Stadtregierung, wenn auch nicht ganz so offensichtlich: So wirkten Bürgermeister Michael Häupl und seine Vize zuweilen wie ein launiges altes Ehepaar, die sich zwar bekritteln, aber eigentlich ohne einander nicht auskommen. Nicht ohne Grund erntet Vassilakou vom Ex-Bürgermeister auch heute noch in seinen rar gewordenen Interviews nur Lorbeeren.

Heumarkt-Projekt besiegelt Ende

Dass Vassilakou in Sachen Heumarkt-Projekt ihrem Koalitionspartner die Treue hielt und die Parteibasis ignorierte, wurde ihr jedoch zum Verhängnis. Und in Folge auch der Bundespartei, die bei den Nationalratswahlen 2017 aus dem Parlament flog. Eine parteiinterne Abwahl konnte sie noch abwenden, doch dass ihre politische Karriere sich zum Ende neigte, war bereits klar.

BUNDESKONGRESS DER GRUENEN IN KLAGENFURT
Einer ist noch übrig: Klubchefin Maria Vassilakou, Bundessprecherin Eva Glawischnig und Alexander van der Bellen im Jahr 2009.APA

Seit ihrem offiziellen Abdanken im Juni 2019 ist es still um Vassilakou geworden. Es ziehe sie ins Ausland, sagte sie damals. Nun, das Büro ihrer Consulting-Firma hat eine Adresse in Wien-Dornbach. Mit „Vienna Solutions“ bietet sie beratende, entwickelnde und Management-Tätigkeiten sowie Trainings in Sachen Stadtentwicklung urbane Transformations-Strategien an, heißt es auf der Homepage. Zu ihren Kunden dürften Städte, Bildungseinrichtungen, Unternehmen, multilaterale Organisationen und NGOs zählen. Wer genau ihre Dienste in Anspruch nimmt, ist nicht bekannt. Für die „Presse“ war Vassilakou nicht erreichbar. Als Arbeitsproben sind auf ihrer Website allesamt Projekte aus ihrer Zeit als Vizebürgermeisterin angeführt, etwa der Ausbau des Radwegenetzes oder die Seestadt Aspern.

Dass ihre Expertise international gefragt sein dürfte, scheint jedoch zu stimmen. So findet sich Vassilakous Name auf zahlreichen Panels verschiedenster einschlägiger Konferenzen und Organisationen, etwa bei den „European Research and Innovation Days“, der Konferenz "Urban-Rural Partnerships" in Leipzig, oder der „AIPH 2021 Green City Conference“.  Auch für die Europäische Kommission ist Vassilakou seit September 2019 tätig, als Mitglied des Horizon-Mission-Board „Climate neutral smart Cities“.

In den vergangenen Tagen fiel Maria Vassilakous Name aber auch im Zusammenhang mit der Wiener Verkehrspolitik wieder. So war es doch sie, die seinerseits die Expertenkommission zum Lobautunnel-Bau ins Leben gerufen habe, auf deren Bericht sich die Befürworter des Projekts heute noch beziehen. Dass sie den Bau in ihrer Amtszeit nicht stoppen konnte, war eine ihrer großen Niederlagen. Mit den Grünen werde es keinen Tunnel geben, sagte sie noch 2015. Zumindest damit sollte sie Recht behalten.