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Literatur

Wonnen der Gewöhnlichkeit

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Schalkhaft und tolldreist: Der neue Wondratschek: „Dante, Homer und die Köchin“. Von Dichtern als Wiedergänger.

Wir wissen es längst: Ein Dichter darf alles. Er darf nach Belieben erfinden, darf das Blaue vom Himmel holen, darf flunkern, dick auftragen, die Realitäten wie Bälle durch die Luft wirbeln. Er ist, wie Faulkner einmal sagte, „Lügner von Beruf“.

Immer schalkhafter und tolldreister in dieser Profession wird, so scheint es, der Dichter Wolf Wondratschek. Seine Lügen haben lange Beine, die weit tragen: in ein Erzählreich voll poetischer Kraft und eigenwüchsiger Fantasie. Er hat schon vor Langem die zwei Deutschländer hinter sich gelassen und ist in Österreich gestrandet, wo Böhmen noch am Meer liegt und Dichterlügen trotz Sprachskepsis noch mit viel Hingabe geglaubt werden.

In seinem neuen Prosaband, „Komödie“ genannt, lässt Wolf Wondratschek zwei Dichtergrößen zu unserer Zeit aufeinandertreffen: „Sie schreiben noch, Homer?“, fragt, in den Gärten von Guagnano, kein Geringerer als Dante den antiken Kollegen. Einst waren sie Götter, die Dichter. Jetzt sind sie geisterhafte Wiedergänger, allen unbekannt. Sich umblickend müssen sie feststellen: Hier werden kaum noch Bücher gelesen.