Die US-Stadt Philadelphia kann ihre finanziellen Verpflichtungen für Pensionspläne nur mehr bis 2015 erfüllen, ergibt eine aktuelle Studie. Viele weitere US-Städte wie Boston und Chicago sind ebenfalls bedroht.
Große US-Städte und Bezirke könnten sich schon bald mit dem Problem eines nicht zu finanzierenden Pensionssystems konfrontiert sehen, berichtet die "Financial Times". Sie sehen einer Finanzierungslücke in Höhe von 574 Milliarden US-Dollar entgegen. Das geht aus einer Studie der Kellogg School of Management an der Northwestern University hervor. Die Lücke auf kommunaler Ebene betrage weitere drei Billionen Dollar, rechnet die Zeitung vor.
Anleihenbesitzer im Kampf mit Pensionsempfängern
"Nun wird sich zeigen, wie diese Last der Verpflichtungen zwischen den Regierungen der Bundesstaaten und der Kommunen aufgeteilt wird und ob die Regierung in Washington zur Rettung gerufen wird", sagt Joshua Rauh von der Kellogg School. Der Zeitpunkt könnte für viele Städte und Bezirke nicht ungünstiger sein. Sie haben mit sinkenden Steuereinnahmen, verursacht durch die Rezession, zu kämpfen.
Michael Snyder von der unabhängigen Medien-Plattform "Blacklisted News" hat 50 Statistiken über die US-Wirtschaft gefunden, die zu unglaublich sind, um sie zu glauben.Im folgenden besonders 15 hässliche Fakten: So hat die US-Regierung 2010 fast genau so viel Schulden angehäuft wie alle anderen Regierungen weltweit zusammen.Im Bild: Stand der US-Schuldenuhr am 1. Februar 2010. (c) AP (Mark Lennihan)
Hätte man seit Christi Geburt jeden Tag eine Million Dollar ausgegeben, hätte man noch immer keine Billion Dollar ausgegeben.Zur besseren Einordnung: Allein 2010 hat das Haushaltsloch der USA rund 1,6 Billionen Dollar betragen. (c) APA (Herbert Pfarrhofer)
Arbeitsalltag McJob: Mehr als 40 Prozent der Amerikaner arbeiten laut dem Business-Magazin "Fortune" im Jahr 2010 in Niedriglohn-Jobs. (c) AP (Matt Rourke)
Erstmals in der US-Geschichte besitzen Banken mehr Wohn-Immobilien als alle US-Bürger zusammen (gemessen am Nettowert). (c) Bilderbox
Im US-Bundesstaat Kalifornien gibt es laut "L.A. Times" bereits acht Bezirke, die eine Arbeitslosenrate von über 20 Prozent aufweisen. (c) AP (Gregory Bull)
Die "Mortgage Bankers Association" hat im Mai 2010 bekannt gegeben, dass mehr als 10 Prozent aller US-Hausbesitzer zwischen Jänner und März zumindest eine Rate ihres Hauskredits nicht zahlen konnten.Das ist ein Rekordhoch. 2009 lag der Wert noch bei 9,1 Prozent. (c) AP (David Zalubowski)
32 US-Staaten sind laut "EconomicPolicyJournal.com" nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen, Arbeitslosengelder auszuzahlen.Die US-Regierung muss für die Staaten einspringen. Allein Kalifornien musste sich sieben Milliarden Dollar ausborgen. (c) AP (Matt Rourke)
Mehr als 40 Millionen Amerikaner beziehen Essensmarken. Das ist ein trauriger Allzeit-Rekord.Aber der Höhepunkt dürfte noch nicht erreicht sein. Das US-Landwirtschaftsministerium geht laut Nachrichtenagentur "Reuters" für 2011 von einer Zahl von 43 Millionen Amerikanern aus, die Essensmarken in Anspruch nehmen. (c) Reuters (Shannon Stapleton)
1950 lag das Verhältnis der Gehälter von Managern im Vergleich zum durchschnittlichen Arbeiter bei 30:1.Seit dem Jahr 2000 ist dieses Verhältnis auf 300-500:1 explodiert. (c) EPA (Astrid Riecken)
Jener Teil der Amerikaner, die zu den unteren 40 Prozent der US-Einkommensbezieher zählen, besitzen zusammen weniger als ein Prozent des nationalen Reichtums. (c) Reuters (Jessica Rinaldi)
In der US-Stadt Phoenix, Arizona, werden pro Jahr 57.000 Autos gestohlen. Das macht die Stadt zur "Welt-Hauptstadt der Autodiebe". (c) Reuters (Joshua Lott)
Nur 26 Prozent der US-Teenager im Alter zwischen 16 und 19 Jahren hatten Ende 2009 laut Nachrichtenagentur "Reuters" einen Job.Das ist ebenfalls ein trauriger Rekord. Niemals seit Einführung der Statistik im Jahr 1948 war der Wert so hoch. (c) Reuters (Lucas Jackson)
Die Lage der US-Hausbesitzer war auch im Jahr 2010 trist.Im ersten Quartal war die Zahl jener Kredite, die seit über drei Monaten überfällig sind, zum 16. Mal in Folge gestiegen. Das berichtet das "Wall Street Journal". (c) Reuters (Jim Bourg)
Laut den US-Strafverfolgungsbehörden gibt es in den USA mehr als eine Million Mitglieder krimineller Banden. Diese sind für rund 80 Prozent aller Verbrechen verantwortlich, die pro Jahr in den USA verübt werden.Im Bild: Mitglieder der US-Gang "Crips". (c) Reuters (Lucas Jackson)
Um den Schuldenberg, den die USA im Jahr 2010 agehäuft haben, mit einem Schlag zu löschen, müsste der US-Kongress die bestehenden Steuersätze mal 2,4 multiplizieren, rechnet die "Tax Foundation" vor.Der 10-Prozent-Satz müsste als auf 24 Prozent gesteigert werden, der 15-Prozent-Satz auf 36 Prozent und der 35-Prozent-Satz auf 85 Prozent... (c) Reuters (Mike Segar)
15 hässliche Fakten über die US-Wirtschaft
Investoren fürchten daher, dass es im Bereich des 2,8 Billionen Dollar schweren Marktes für Kommunal-Anleihen zu Ausfällen von Zahlungsverpflichtungen kommen wird. Die kommunalen Regierungen refinanzieren sich wesentlich über Anleihe-Emissionen. "Die Besitzer von Anleihen stehen im Kampf um die eingeschränkten Resourcen in direkter Konkurrenz mit den Pensionsempfängern", urteilt Rauh.
2015 schlägt für Philadelphia Stunde der Wahrheit
Die Lage ist ernst. Vielen staatlichen Pensionsplänen fehlt die Kapitalbasis. Vor allem Pensionsbezieher der Stadt Philadelphia müssen zittern. Geht es nach den aktuell gehaltenen Vermögenswerten für die Pensionspläne, so kann die Stadt die finanziellen Verpflichtungen nur mehr bis 2015 erfüllen. Die US-Großstädte Boston und Chicago sähen sich 2019 vor dem selben Schicksal.
Rauh warnt: Die Lokalregierungen würden zudem einzigartige Bilanzierungsmethoden verwenden, die Zahlungsverpflichtungen verstecken. Er sieht die langfristige Überlebensfähigkeit der betroffenen Städte bedroht, zumal die Bewohner einfach wegziehen könnten, um der Lage zu entkommen.
Täglich teilen Dutzende Helfer kostenlos 650 Mahlzeiten aus. In Sacramento mit knapp einer halben Million Einwohner leben über 2.500 Menschen auf der Straße. (c) REUTERS (Max Whittaker)
Als Übergangslösung macht sich Burke für staatliche Obdachlosen-Zeltplätze stark, mit Toiletten und Duschen. Wenige Wochen vor der geplanten Räumung von "Tent City" fragt sich Renee Hadley, wo sie als nächstes ihr Zelt aufschlagen wird. (c) REUTERS (Max Whittaker)
43,6 Millionen Amerikaner leben in Armut, das ist jeder siebente Bürger. Bei den Erwerbstätigen ist der Stand sogar der höchste seit 40 Jahren. Die Kinderarmut wuchs auf 20,7 Prozent.
Immer mehr US-Bezirke müssen sparen. In den ländlichen Gegenden der USA verkommen daher Asphaltstraßen zunehmend. Ihre Renovierung ist schlicht zu teuer. Ein Experte spricht von der "Rückkehr in die Steinzeit".
Die Entscheidung der US-Notenbank, ihre lockere Geldpolitik fortzusetzen, sorgt für Kritik. "Amerika ist heute wie Russland 1998", sagt ein Experte. Zudem kaufe die Fed heute sogar faule Hypothekenschulden an.
Von der West- bis zur Ostküste stehen Kommunen und Bundesstaaten unter Sparzwang. Ökonom Paul Krugman warnt vor dem allmählichen Verfall der USA: "Wir haben einen verheerenden Weg eingeschlagen".
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