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Wien

U-Bahn-Ausbau: Zu Besuch im leeren U2-Tunnel

Zwischen Karlsplatz und Schottentor werden gerade alle U2-Stationen fit für jene Zeit gemacht, wenn hier die vollautomatische U5- verkehren wird. Und auch die Gleise werden erneuert. Ein Baustellenbesuch.

Ungewöhnlich warm ist es hier unten, in der U2-Station Volkstheater, wärmer als in anderen U-Bahn-Stationen. Was vor allem daran liegt, dass die U2 hier seit Mai nicht mehr verkehrt und damit auch der Fahrtwind der einfahrenden Züge, der sonst an heißen Tagen für Abkühlung sorgt, fehlt.

Die etwas höheren Temperaturen sind aber nicht die einzige Auffälligkeit hier unten: Die Bahnsteige sind verwaist, Sitzbänke, Mistkübel, Kameras, Notrufstellen, Anzeigetafeln, Deckenverkleidungen, auch der Steinboden, alles ist hier bereits abgetragen worden.

Denn die Bahnsteige entlang der sogenannten Stammstrecke der U2 zwischen Schottentor und Karlsplatz (und damit eben auch jene beim Volkstheater) sind seit Mai gesperrt und werden gerade umgebaut – um sie sozusagen fit zu machen für die Zeit, wenn hier ab 2026 die neue U-Bahn-Linie U5 unterwegs sein wird: Dann übernimmt die U5 die bisherige Stammstrecke der U2.

Neue Bahnsteigkanten

Eine der Herausforderungen: „Wir müssen die Bahnsteigkanten verstärken“, sagt Michael Freidl, Projektleiter für den Umbau der Stammstrecke bei den Wiener Linien, „denn sie würden die Lasten der neuen Bahnsteigtüren nicht aushalten.“ Ebendiese Bahnsteigtüren zwischen Bahnsteig und Gleisen werden notwendig, weil auf der U5-Strecke dann vollautomatische (also fahrerlose) U-Bahn-Garnituren unterwegs sein werden.

Salopp gesagt handelt es sich um verglaste Schutzwände, deren Türen sich aus Sicherheitsgründen erst öffnen, wenn die U-Bahn in die Station eingefahren ist. Dafür beginnen in den nächsten Wochen die Abbrucharbeiten der bestehenden Bahnsteigkanten, die ersten neuen Bahnsteigtüren sollen im Sommer 2022 in der Station Volkstheater errichtet werden (hier wird dann wieder vorläufig die U2 fahren): Insgesamt werden auf der U5-Strecke 144 Bahnsteigtüren und rund 16.000 Quadratmeter Glasflächen eingebaut.

Die Verstärkung der Bahnsteigkanten ist bei weitem nicht die einzige Baustelle im U2-Tunnel: In mehrere Stationen wurden und werden etwa Aufzüge und Rolltreppen abmontiert und im Zuge der U2-Sperre gleich mit erneuert.

Michael Freisl, Projektleiter für den Umbau der Stammstrecke bei den Wiener Linien.(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Zudem wurden, erzählt Freidl, während er am Montag mit Wiener -Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer und Stadtrat Peter Hanke (SPÖ) Medienvertreter durch den U2-Tunnel führt, auch kilometerweise Kabel demontiert (Für Zahlenliebhaber: 130 Kilometer Signal- und Fernmeldekabel und rund 80 Kilometer an Stromkabeln). Gleichzeitig wurden zahlreiche Stromkabel umgelegt – immerhin brauchen die Arbeiter hier unten Strom für die Bauarbeiten.

4,8 Kilometer neue Schienen

Denn auch die Gleisanlagen werden erneuert, immer wieder kommt man beim Medientermin auf dem unterirdischen Weg vom Volkstheater zur Station Rathaus an Stellen vorbei, an denen gerade gearbeitet wird und buchstäblich die Funken sprühen.

Die alten Schienen stapeln sich aktuell links, die neuen rechts, entlang der Tunnelwände. Insgesamt lagern hier 4,8 Kilometer an neuen Schienen, die jeweils in 15 Meter-Teilen angeliefert werden.

Wie aber bringt man die (und andere Materialien) überhaupt in den Tunnel? Über eine einzige Öffnung, die sogenannte Einbringöffnung, die sich am Schmerlingplatz befindet und über die Materialien hinein- und hinausbefördert werden. Diese Öffnung ist auch der einzige Ort innerhalb des U2-Tunnels, an dem die Arbeiter ein wenig Tageslicht abbekommen.

Aktuell laufen die Bauarbeiten im U2-Tunnel. Über die sogenannte Einbringöffnung werden Materalien in (und aus) dem U-Bahn-Schacht gebracht.(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Ein paar Minuten unterirdischen Fußweg weiter, bei der Station Rathaus, wirkt alles noch ein bisschen trostloser oder verwaister als beim Volkstheater. Hier fehlen aktuell schon die alten Gleise, hier wird unter- und oberirdisch bereits am künftigen U2/U5-Knoten gearbeitet. 350 Bohrpfähle wurden dafür bereits errichtet, weitere 400 folgen noch.

Denn unter der aktuellen U2-Station (die dann wie erwähnt von der U5 befahren wird) entsteht eine weitere U-Bahn-Station, bei der dann ab 2028 die U2 halten wird. Südwärts wird die U2 dann über Neubau- und Pilgramgasse zum Matzleinsdorfer Platz fahren – und wird damit zur längsten Wiener U-Bahn-Linie.

Auch oberirdisch sind an vielen Orten in Wien - im Bild der Friedrich-Schmidt-Platz hinter dem Rathaus - Bauarbeiten im Zuge des U-Bahn-Ausbaus im Gange.(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)


Für den für den öffentlichen Verkehr zuständigen Stadtrat Hanke ist der U-Bahn-Ausbau ein „Generationenprojekt“, das zeige, „dass der Umweltschutz in Wien ernst genommen wird“. Nach Fertigstellung werde das Wiener U-Bahn-Netz 300 Millionen Fahrgäste im Jahr mehr transportieren als bisher. Angesichts der aktuellen Naturkatastrophen würden nun viele nachzudenken beginnen, wie man auf den Klimwandel reagiere, sagt Wiener Linien-Geschäftsführer Steinbauer. „Die Stadt Wien aber ist schon mittendrin“ und müsse die U-Bahn-Erweiterung „nur noch fertigbauen“.