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Olympia 2021

Echte Satire als falsches Trauerspiel

Swimming - Men's 200m Backstroke - Medal Ceremony
REUTERS
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Die Sanktionen für Russlands Staatsdoping muten in Tokio kurios an: Tschaikowsky statt Hymne oder IOC-Flagge als Fahne. Das Team ROC wehrt sich mit Erfolgen, die Skepsis bleibt.

Manchen war die Dopingsperre Russlands zu lang. Anderen ist sie zu lasch und selbst der Start als „Russische Athleten des Olympischen Komitees“ bei den Spielen in Tokio ein Dorn im Auge. Russlands Wladimir Putin jedenfalls reibt sich die Hände. Fast täglich schicken der Kremlchef und Politiker Botschaften nach Japan. Ob in einem Video, in dem eine Puppe verprügelt wird, auf der „Press“ steht. Oder in Telegrammen an Medaillengewinner, bei denen weiterhin eine gehörige Portion Skepsis einherläuft.

Auch die Bezeichnung als „ROC“, als Team ohne Hymne, wurde zu einer anderen, alle Dopingjäger eigentlich verhöhnenden Kampagne umgemünzt. „WewillROCyou“ lautet der neue Slogan des russischen Sports.

335 Athleten in Landesfarben

Der Medaillenkampf läuft, und Russen sind mittendrin. Es spielt keine Rolle, ob sie als „offizielles Team“ fehlen. Die Folgen der Sanktionen für staatlich orchestriertes Doping sind ohnehin nur bedingt zu erkennen. 335 Athleten treten in Trainingsanzügen – in Landesfarben – auf.
Die hartnäckige internationale Kritik an der auf Symbolik reduzierten Strafe für die großflächigen Doping-Manipulationen (zur Erinnerung: In Sotschi 2014 half der Geheimdienst FSB mit, Urinproben auszutauschen) und der Erlaubnis zum Olympiastart weist der Kreml scharf zurück. Auch das Russische Olympische Komitee (ROC) kontert: Neue Doping-Gerüchte seien ausschließlich „englischsprachige Propaganda“.

2019 hatte die Welt-Antidoping-Agentur Wada Russland für vier Jahre von allen wichtigsten Sportereignissen der Welt ausgeschlossen. Im Dezember 2020 jedoch halbierten die Sportrichter des in Lausanne ansässigen CAS-Sportgerichtshof die Sperre. Und sie entschärften die Sanktionen so: in Tokio und bei den Winterspielen in Peking im Februar 2022 erklingt statt der Hymne das Klavierkonzert Nummer 1 von Peter Tschaikowsky. Als Fahne wird die olympische Flagge gehisst.

Sehr schlechter Verlierer?

Die japanischen Organisatoren tun sich bisweilen ohnehin schwer mit den Vorgaben zum ROC-Team. Des Öfteren wird bei Durchsagen in Arenen von „Russlands Mannschaft“ gesprochen. Auf die Frage, ob die Strafen ausreichend sind, antwortete US-Schwimmer Ryan Murphy vielsagend: „Wenn ich so etwas gefragt werde, habe ich 15 verschiedene Gedanken. Und 13 davon würden mich in ziemlich große Probleme bringen.“ Zuvor wurde der Rückenschwimmer über 200 Meter hinter dem Russen Jewgeni Rylow Zweiter.

Rylow selbst ließ sich nicht aus der Reserve locken. „Ich bin getestet. Ich habe alle Formulare ausgefüllt. Ich bin für sauberen Sport“, sagte der Olympiasieger, ohne sich provozieren zu lassen. Genau dieses Verhalten hatten russische Offizielle den Athleten in einer Handreichung vor den Spielen empfohlen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der DPA.

„Gott ist ihr Richter“

IOC-Präsident Thomas Bach sieht das ROC-Team bei seinem Auftritt in Tokio „in vollem Respekt für die Sanktionen, die durch die Wada ausgesprochen worden sind“, erklärte der 67-Jährige. „Sie haben sich allen Qualifikationen und den entsprechenden Tests unterworfen, wie auch alle anderen Athleten, die hier teilnehmen. Deswegen haben sie auch den Anspruch, entsprechend behandelt zu werden“, meint Bach.

Für ROC-Präsident Stanislaw Posdnjakow liegen Kritiker an der Zulassung für Tokio grundfalsch. Seine Athleten hätten „nicht nur mit Worten, sondern auch mit Ergebnissen bewiesen“, dass sie ohne Doping wettbewerbsfähig seien. Kremlsprecher Peskow hält ausländische Konkurrenten mit gegenteiliger Meinung schlicht für schlechte Verlierer: „Wir verzeihen denen, die schwächer sind. Gott ist ihr Richter.“ Und damit wäre das letzte Kapitel der Geschichte des staatlich geförderten Dopings mit manipulierten Tests und eigenen Labors erzählt.

(din/DPA)