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Olympische Spiele

Asyldrama um Sprinterin aus Belarus: Warum Österreich keine Hilfe anbot

Die Leichtathletin Timanowskaja bei ihrer Ankunft in der polnischen Botschaft in Tokio.
REUTERS
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Die 100-Meter-Läuferin Kristina Timanowskaja weigerte sich, zurück nach Minsk geschickt zu werden. Sie wollte angeblich nach Österreich. Doch das humanitäre Visum gewährte schließlich Polen.

Für Kristina Timanowskaja endete das olympische Drama in der polnischen Botschaft in Tokio. Polen erklärte sich bereit, der Sprinterin aus Belarus nach einer Nacht in einem Flughafenhotel eine humanitäre Aufenthaltserlaubnis zu gewähren. Ihre erste Wahl wäre auf Österreich oder Deutschland gefallen, wie eine Quelle der oppositionellen Belarusian Sport Solidarity Foundation der Nachrichtenagentur Reuters anvertraute. Das wäre naheliegend gewesen. Schließlich hatte Philipp Unfried, der Sprint-Teamleiter des Österreichischen Leichtathletikverbands, Trainingspläne für Timanowskaja geschrieben.
Doch die Republik drängte sich nicht gerade vor, als es darum ging, der Läuferin Schutz zu gewähren. Am Sonntag teilte ein Sprecher des Außenamts lediglich mit, Asylanträge könnten grundsätzlich nur persönlich und in Österreich selbst gestellt werden. Wie eine Einladung klang das nicht. Allerdings nahm Timanowskaja bis Montag auch keinen Kontakt zur österreichischen Botschaft in Tokio auf.

Das Außenamt blieb passiv

Andere waren zuvorkommender und schneller. Polens Staatssekretär Marcin Przydacz bot noch am Sonntagabend seine Hilfe an. Tschechien offerierte umgehend ein Visum. Das hätte auch Österreich aus eigenem Antrieb tun können. Doch erst am Montag, als die Causa schon beendet war, erklärte ein Sprecher des Außenamts auf Nachfrage der „Presse“, die Botschaft in Tokio sei jederzeit bereit, einen Visumantrag Timanowskajas entgegenzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der französische Staatssekretär Clément Beaune bereits öffentlich im Radio kundgetan, es wäre „eine Ehre für Europa“, der Athletin aus Belarus Asyl zu geben. Sogar Sloweniens konservativer Ministerpräsident, Janez Janša, hatte schon auf Twitter geschrieben: „Kristina ist in Slowenien willkommen“.
Auch die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ewa Ernst-Dziedzic, forderte, der Sportlerin schnell und unbürokratisch Zuflucht zu gewähren. „Österreich kann und soll helfen, rasch.“ Die Behörden hatten es weniger eilig, aber immerhin: Dem Außenamt zufolge sprach sich die Botschaft in Tokio eng ab mit den Vertretungen anderer EU-Mitgliedstaaten. Und in direktem Kontakt mit der Athletin stand demnach in den dramatischen Sonntagsstunden zunächst das Internationale Olympische Komitee (IOC).