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Konzertkritik

Beethovens Humor, trocken serviert

Fein abgestimmtes Miteinander: Igor Levit, Renaud Capuçon.
Fein abgestimmtes Miteinander: Igor Levit, Renaud Capuçon.(c) ©MarcoBorrelli
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Igor Levit statt Martha Argerich im Duo mit Renaud Capuçon: Jubel für eine neue Partnerschaft der Kammermusik – mit Schubert, Brahms und Beethovens „Kreutzer-Sonate“.

Das Thema tut, als könne es kein Wässerchen trüben: Gemütlich kommt es daher, fast biedermeierlich. Was soll daraus werden? Igor Levit und Renaud Capuçon hatten auf diese Frage eine umwerfende Antwort parat – und führten mit exakt gesetzten Pointen die grimmige Ironie Beethovens vor Ohren. Der Pianist ließ also in der ersten Variation Nippesfigürchen paradieren, Spieldosen tickten, niedliche Trillerschleifchen wurden gebunden – und über all das kicherte der Geiger mit seinen hohen repetierten Tönen. In der zweiten Variation setzte dieser dann über kuriosem Humpa-Humpa des Klaviers zu einem Zweiunddreißigstelgetrippel an, mit dem er nach doppeltem Antäuschen schließlich doch noch ins viergestrichene F traf, und das beide Male: Tor!

Man kam aus dem Grinsen nicht mehr heraus ob dieser Lektion im Fach „Humor bei Beethoven trocken servieren“. Seine große „Kreutzer-Sonate“, die A-Dur-Violinsonate op. 47, enthält diesen langsamen Variationensatz. Ihren Beinamen nach Rodolphe Kreutzer, dem Widmungsträger zweiter Wahl, hat sie behalten, obwohl dieser das Werk prompt für unspielbar erklärte: Mit dem Violinvirtuosen George Bridgetower, auf dessen Fähigkeiten das Werk eigentlich zugeschnitten war, hatte sich Beethoven ja zuvor überworfen. An diesem Abend im Haus für Mozart schienen sich jedoch ganz im Gegenteil offenbar zwei Musiker gefunden zu haben: Renaud Capuçon und Igor Levit.