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ORF-Wahl

Debatte der ORF-Bewerber: Elefantenrunde, „wie bei der Nationalratswahl“

NEOS LAB TALK - WOHIN GEHT DER ORF?
Die Runde der Kandidaten (von links nach rechts): Harald Thoma, Thomas Prantner, Alexander Wrabetz, Moderator Sebastian Loudon („Datum“), Lisa Totzauer, Roland Weißmann und Julius Kratky.(c) APA (HERBERT NEUBAUER)
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Alle zum Hearing der Stiftungsräte geladenen Kandidaten kamen am Donnerstag auf Einladung von den Neos zu einem ersten Duell zusammen. ORF-Generaldirektor Wrabetz griff vor allem den ÖVP-Favoriten Weißmann an.

Derart öffentlich ist der Kampf um den ORF noch nie ausgetragen worden. Am Donnerstag kamen alle zum (vertraulichen) Hearing der Stiftungsräte eingeladenen Kandidaten auf Einladung von den Neos zu einem Wahlduell zusammen, das an die Elefantenrunden erinnerte, zu denen sonst der ORF die Spitzenkandidaten bittet. So ein Hearing, via Livestream übertragen, „wäre im ZDF undenkbar“, meinte Titelverteidiger Alexander Wrabetz. Es sei „wie bei einer Nationalratswahl“. Aber gekommen ist er doch – so wie sein wohl chancenreichster Herausforderer Roland Weißmann und Lisa Totzauer, Thomas Prantner, Julius Kratky – allesamt vom ORF – sowie als einziger internationaler Kandidat Harald Thoma, der Sohn des früheren RTL-Chefs Helmut Thoma, aus Deutschland.

Das Gesprächsklima war angriffslustig. Wrabetz hatte sich im Vorfeld auf oe24.tv auf den von der ÖVP favorisierten Vize-Finanzdirektor Weißmann eingeschossen: Dieser erfülle als „ordentlicher Abteilungsleiter“ nicht die Anforderungen der Ausschreibung: „Insofern kann es dann sein, wenn er gewählt würde, dass seine Qualifikationen für diese Ausschreibung geringer wären als jene von Thomas Schmid bei der Öbag.“

„Kandidat von Fleischmann“

Beim Neos-Talk legte Wrabetz nach: Als es um die Letztverantwortung in der ORF-Information und einen möglichen Informationsdirektor ging, meinte Wrabetz: Diese liege sowieso beim Generaldirektor. „Daher muss sichergestellt werden, dass die Bundesregierung den nicht allein einsetzt – dass keine Durchleitung zu den Redaktionen erfolgt“. Auf oe24.tv hatte er Weißmann als „Kandidat von Fleischmann“ (dem Kanzlerbeauftragten für Medien) bezeichnet und gewarnt, dass die ÖVP künftig stärker auf die Redaktionen zugreifen könnte. „Das steht in keinem Programm, aber es ist die Realität.“

Weißmann meinte, die Frage, warum er als klarer ÖVP-Kandidat gelte, sei nicht ihm, sondern den Journalisten zu stellen, die das schreiben: „Es ist die Zeit der Zuspitzung.“ Bei der Vorstellung hatte er seinen Slogan wiederholt: „Der ORF muss digitaler, jünger, diverser werden.“ Der multimediale Newsroom sei „die größte Veränderung in der ORF-Information seit 50 Jahren“, das Herzstück: ein weisungsfreier Chefredakteur. Worauf ORF-1-Chefin Lisa Totzauer erinnerte: „Der Chefredakteur ist laut Redakteursstatut sowieso weisungsfrei.“ Man könne ihm nichts anschaffen. Sie erklärte, „wie ich den ORF fühle“ und wie sie über den öffentlich-rechtlichen Auftrag denkt: „Der ORF ist die mediale Daseinsvorsorge für eine demokratische Gesellschaft.“ Er sei dem Publikum verpflichtet, müsse sich „von der geschlossenen Anstalt zur offenen Plattform“ entwickeln.

Falls ihr Generaldirektor werdet, kleiner Tipp: Es ist gut, wenn man sagt: Nein, das findet nicht statt.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz klärte seine Herausforderer auf, wie man auf Interventionsversuche reagieren sollte.

Wrabetz verwies in der Diskussion um die Unabhängigkeit des ORF auf seine Erfahrung. Er sei seit „15 Jahren und sieben Regierungskonstellationen“ im Amt: „Es geht gar nicht darum, wie ein einzelner Beitrag gestaltet wird.“ Über „Anregungen“ werde „Druck ausgeübt“: „Zum Beispiel: Der Ungarn-Korrespondent berichtet so böse über den Orbán – den sollte man abziehen.“ Etwas gönnerhaft wandte sich Wrabetz daraufhin an die Herausforderer: „Falls ihr Generaldirektor werdet, ein kleiner Tipp: Es ist gut, wenn man sagt: Nein, das findet nicht statt.“ Gegen Interventionsversuche helfe die „Widerstandsfähigkeit der Redaktion“, sagte Prantner. Und: „Wo die Informations-Kompetenzen angesiedelt sind, ist nicht entscheidend für das Publikum.“

Totzauer würde die Zuständigkeit für die Information gern von der Generaldirektion weg in eine eigene Info-Direktion verlegen: „Vielleicht ist die Generaldirektion in der Situation, ein Gesetz zu verhandeln. Gleichzeitig könnte ein äußerst unangenehmer Untersuchungsausschuss im Gange sein. Ich halte das im Hinblick auf unsere Glaubwürdigkeit als schwierige Situation“, sagte sie.

Als Einziger mit einem Blick von außen kam Thoma in die Runde. Er erinnerte daran, dass die Gebührenzahler auch ein unternehmerisches Ziel sehen wollen. Die Gebühren sollten innerhalb von fünf Jahren um zehn Prozent gesenkt, neue Einnahmequellen erschlossen und Kosten eingespart werden. „Das ist auch nicht die Welt – aber es wäre ein Signal.“ Während der ORF erst im kommenden Jahr seinen multimedialen Newsroom eröffne, seien andere Unternehmen in dem Bereich schon viel weiter: „Es ist, wie wenn wir versuchen, die Keilschrift zu verbessern, und währenddessen düst uns die Jugend davon.“