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Star Trek

Where no man has gone before

Enterprise forever? Das „Star Trek“-Raumschiff im „Next Generation“-Design der 1980er.
Enterprise forever? Das „Star Trek“-Raumschiff im „Next Generation“-Design der 1980er.Ronald Grant Archive/Mary Evans/picturedesk
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Zum 100. Geburtstag von Gene Roddenberry. Zehn Fernsehserien mit zusammen 800 Episoden, 13 Kinofilme, dazu mehr als 1000 Comics, 700 Bände mit Belletristik und, und, und. Selbst das Unmögliche kann geschehen: über die „Star Trek“-Maschinerie und ihren Schöpfer.

Riverside, Iowa, muss man nicht kennen. Der English River, der an dem 1000-Einwohner-Städtchen vorbeimäandert, ist kein Mississippi, der Highway 218, der es teilt, ist keine Route 66, das nächste Stück Weltläufigkeit, Chicago, dreieinhalb Autostunden entfernt, und wenn es denn irgendetwas Auffälliges an Riverside zu entdecken gäbe, dann das, so unfassbar unauffällig zu sein – bis in die löchrigen Straßenbeläge Small-town-America-Normalität, als wär's bloß Filmkulisse.

Was Wunder an einem Ort, in dem auch anderweitig Fiktion und Wirklichkeit erstaunlich nah beieinanderliegen. Denn da, an der Seitenwand der neuen City Hall, findet sich ein Denkmal, wie man's nicht bald wo findet: der Erinnerung an jemanden gewidmet, der noch gar nicht geboren ist – und mutmaßlich nie geboren werden wird. Warum schließlich sollte die Hauptfigur einer 1960er-TV-Schmonzette, betitelt „Star Trek“, sich in einem fernen 23. Jahrhundert tatsächlich auf dem Boden dieses Planeten, genannt Erde, materialisieren, noch dazu ausgerechnet in Riverside, Iowa?

Doch da steht's geschrieben, tief in Stein graviert: „Future Birthplace of Captain James T. Kirk“ samt dem Datum, für das dieses präsumtive Nichtereignis annonciert ist, nämlich für den 22. März 2228. Mitte der 1980er, so wird erzählt, habe ein findiger Stadtrat von Riverside die Idee gehabt, mangels anderer Sensationen kurzerhand den künftigen Geburtsort des Raumschiff-Enterprise-Kommandanten seiner Heimatstadt zuzuordnen, „Star Trek“-Erfinder Gene Roddenberry, bis dahin in dieser Frage komfortablerweise nicht allzu explizit, habe zugestimmt, und seither darf Riverside auf allen Schriftsorten von sich behaupten, es sei die Stadt, „Where the Trek Begins“. Alles nur Jux und Schabernack?

Nun ja: Immerhin hat die ganze Star-Trekerei der Stadt mittlerweile ein kleines Museum, ein alljährlich stattfindendes „Trekfest“ und zuletzt 2018, anlässlich der Enthüllung einer James-T.-Kirk-Statue, US-weite Aufmerksamkeit eingetragen. Und was die Sache mit der Geburt betrifft: Was bitteschön wissen wir denn schon so ganz genau darüber, was in 200 Jahren geschehen wird? Könnte es denn nicht tatsächlich sein, dass künftige Star-Trek-Fans in einem künftigen Riverside ihren zufällig am 22. März 2228 geborenen Sohn James T. Kirk nennen, auf dass er als Kommandant eines Raumschiffs namens Enterprise aufbreche, „to boldly go where no man has gone before“, wie es der Vorspann zur Originalserie verheißt?