Versicherungen

Allianz auf Rekordkurs

Die Allianz muss sich in den USA mit milliardenschweren Klagen herumschlagen.
Die Allianz muss sich in den USA mit milliardenschweren Klagen herumschlagen.Reuters
  • Drucken

Der Gewinn der Allianz dürfte einen neuen Höchstwert erreichen. Doch gibt es Ärger mit Hedgefonds in den USA.

München. Die Allianz steckt die Folgen der Unwetterkatastrophen in Europa offenbar locker weg. Europas größter Versicherungskonzern peilt heuer einen Rekordgewinn an. Das operative Ergebnis werde voraussichtlich zwischen zwölf und 13 Mrd. Euro liegen und damit in der oberen Hälfte der bisherigen Zielspanne, erklärte die Allianz am Freitag in München. Die Aktie legte deutlich zu. Der bisherige Bestwert von 11,9 Mrd. Euro stammt aus dem Jahr 2019, im Coronajahr 2020 war der operative Gewinn auf 10,8 Mrd. zurückgegangen.

Naturkatastrophen haben die Allianz allein im zweiten Quartal 600 Mio. Euro gekostet. Die Flutkatastrophe durch das Tief „Bernd“ im Juli belastet das laufende dritte Quartal mit rund 400 Mio. Euro. Dabei kann die Allianz wohl einen Teil an die Rückversicherer abwälzen: Die Deutschland-Tochter hatte den Schaden auf mehr als eine halbe Milliarde Euro beziffert. Das operative Ergebnis stieg dennoch um 29 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro. Der Nettogewinn erhöhte sich sogar um 46 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro.

Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich auf 93,3 (2020: 95,5) Prozent. Die Asset-Management-Sparte mit den Vermögensverwaltern Pimco und Allianz Global Investors warb netto 26 Mrd. Euro frisches Geld ein. Dadurch und durch Kurssteigerungen wuchs das für Dritte verwaltete Vermögen um 56 Mrd. auf 1,83 Billionen Euro.

Produktangebot wird gestrafft

Allianz-Chef Oliver Bäte kündigte indes Konsequenzen aus dem Streit um Hedgefonds in den USA an. Bereits vor mehr als einem Jahr habe man entschieden, das Geschäftsmodell von Allianz Global Investors „grundlegend neu aufzustellen“. Das Produktangebot werde gestrafft, 40 Prozent der Investmentstrategien sollen aufgegeben werden. Die Hedgefonds, mit denen US-Pensionsfonds zu Beginn der Coronapandemie massive Verluste erlitten hatten, seien „überhaupt nicht repräsentativ für unseren Erfolg“. Der deutsche Versicherungsriese hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass sich nach der Börsenaufsicht SEC mittlerweile auch das US-Justizministerium in die Angelegenheit eingeschaltet hat. Ihre Klagen gegen die Allianz summieren inzwischen auf sechs Mrd. Dollar (fünf Mrd. Euro). „Es war eine wirklich schreckliche Woche für uns“, sagte Bäte. Rückstellungen für drohende Verluste hat die Allianz bisher nicht gebildet, weil sie diese für nicht abschätzbar hält. (Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2021)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.