Der Hollywood-Star engagiert sich für die Menschenrechte. In Washington warnte er vor einem neuen Genozid: „Wir können uns nicht zurücklehnen. Wenn wir nichts tun, könnten hunderttausende Menschen sterben."
Wird er wirklich kommen?“, fragt eine chinesischstämmige Amerikanerin und setzt eine Miene entrückter Verzückung auf, die den ganzen Abend über nicht weichen sollte. Das „Council on Foreign Relations“, die eminente außenpolitische Denkfabrik Washingtons, hat regelmäßig Kaliber wie Hillary Clinton oder Tony Blair zu Gast. Ganz selten jedoch strahlt ein Auftritt eine Aura von Hollywood-Star-Power aus wie die Pressekonferenz George Clooneys zum Sudan-Konflikt, die eine Schar von jungen und nicht mehr ganz so jungen Verehrerinnen anzog.
Da müsste schon der Präsident selbst erscheinen, dessen Popularität indessen angeschlagen ist. Gleichwohl hat sich Clooney zuvor gleichsam den Segen Barack Obamas geholt, als er im Weißen Haus mit seinem Herzensanliegen vorstellig wurde – der Intervention der Weltgemeinschaft in die Bürgerkriegswirren Afrikas.
Humanitäres Engagement en vogue
Nicht, dass sich nicht auch andere Hollywood-Kollegen dem humanitären Engagement verschrieben hätten. Sich für eine gerechte Sache einzusetzen, ist unter vielen Stars en vogue: Sean Penn macht für die Erdbebenopfer in Haiti mobil, Angelina Jolie für Kinder in der Dritten Welt. Wie Clooney ist die Unesco-Botschafterin, die Gefährtin seines Kumpels Brad Pitt, auf Lebenszeit Ehrenmitglied des renommierten Thinktanks.
Unter dem Eindruck seiner jüngsten Sudan-Reise und der Sorge vor einer Eskalation richtete der 49-Jährige im Vorfeld des Referendums über die Unabhängigkeit des christlich-animistischen, ölreichen Südsudan von dem islamistischen Regime in Khartum in drei Monaten einen leidenschaftlichen Appell an die Öffentlichkeit: „Wir können uns nicht zurücklehnen. Wenn wir nichts tun, könnten hunderttausende Menschen sterben. Die Leute im Südsudan sind ein resolutes Volk, sie sind bereit zu sterben. Also entweder wir greifen jetzt ein – spät, aber nicht zu spät – oder wir müssen nachher hier aufräumen.“
Omar al-Bashir, dem Herrscher in Khartum, komme das derzeit existierende Vakuum gerade recht. „Unser Job ist es, ,Feuer' zu schreien.“ Es gehe in dem Konflikt nicht allein um Rasse oder Religion. „Niemand hat sich einen Dreck darum gekümmert, bis sie Öl gefunden haben.“ Er plädiert für eine „robuste“ Diplomatie und einen Vermittler vom Rang eines Colin Powell, des Ex-Außenministers. Gegen Friedensverhandlungen im Sudan seien seine eigenen mit „Warner Brothers“ harmlos, scherzt er.
Kalte und einsame Nächte
Nur selten lässt Clooney, im dunklen Anzug und mit bandagierten Fingern, seinen bubenhaften Charme aufblitzen. Augenzwinkernd sagt er zu seinem Reisegefährten John Prendergast, einem Autor und Aktivisten: „Du bist smarter als ich.“ Und erzählt unter dem dankbaren Gelächter des – vornehmlich weiblichen – Publikums eine Anekdote, die vom Schnarchen in einer Hütte handelt und von „kalten und einsamen Nächten“ im Zelt.
Hinterher schüttelt er bereitwillig Hände und beantwortet Fragen. „Er ist genauso wie auf der Leinwand – eine echte Person“, sagt eine Afroamerikanerin, die ihn in Fleisch und Blut erleben wollte. Sie wird den smarten Star demnächst öfter bewundern können. Für die Dreharbeiten von „Faragut North“, einem Film über den US-Politbetrieb unter seiner Regie, kehrt Clooney im Februar in die Hauptstadt zurück. Für die Hauptrolle ist Philip Seymour Hofman im Gespräch. Die Fans wären indes enttäuscht, würde „ihr“ George nicht wenigstens eine tragende Nebenrolle übernehmen.
Auf einen Blick
Bürgerkrieg im Sudan George Clooney engagiert sich seit Jahren im Sudan. Die Bürgerkriegsprovinz Darfur im Westen hat er mehrmals besucht. Der US-Kongress charakterisierte die Vertreibung der lokalen Bevölkerung durch Reitermilizen, angezettelt durch die Zentralregierung in Khartum, als Genozid. Am 9. Jänner 2011 soll ein Referendum über die Unabhängigkeit des ölreichen Südsudan stattfinden. Clooney fürchtet neue Massaker im Vorfeld und ruft zum Handeln auf.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2010)