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Wirtschaftsprüfer im Visier der EU-Kommission

Binnenmarktkommissar Barnier kritisiert Oligopol der „Big Four“ und kündigt für 2011 Maßnahmen gegen Marktmissbrauch an.

[BRÜSSEL/go]Wenn ein börsenotiertes Unternehmen einen Wirtschaftsprüfer sucht, hat es fast keine Wahl: Ernst & Young, PriceWaterhouseCoopers, Deloitte und KPMG teilen sich 70 Prozent des europäischen Marktes auf. Die Kommission versucht nun erneut, dieses Oligopol aufzubrechen. Am Mittwoch stellte Binnenmarktkommissar Michel Barnier ein Grünbuch samt Einladung zur Konsultation vor, das die Stoßrichtung seiner Überlegungen zusammenfasst. 2011 will er Gesetzesvorschläge machen.

Dabei nimmt er konkrete wettbewerbsfeindliche Praktiken des laut seinen Worten „Oligopols“ aufs Korn, allen voran die „Big-Four-Klauseln“. Das sind Vertragsbestimmungen, mit denen Unternehmen festhalten, dass sie nur dann mit jemandem in eine Geschäftsbeziehung treten, wenn er sich von einer der „Großen Vier“ prüfen lässt.

Zweitens will er, dass kein Partner in einer Prüferfirma zu lange dieselben Kunden betreut. Er unternimmt also einen neuen Anlauf, die verpflichtende interne Rotation einzuführen, gegen die sich die Prüferfirmen bisher erfolgreich gewehrt haben.

Drittens denkt Barnier an die Schaffung verpflichtender Audit-Konsortien, um den Markt zu beleben. In Frankreich gibt es das schon: Börsenotierte Firmen müssen dort zwei verschiedene Prüferfirmen beauftragen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2010)