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Leitartikel

Das Totalversagen des Westens in Afghanistan ist kaum zu fassen

Taliban auf dem Vormarsch.
Taliban auf dem Vormarsch.via REUTERS
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Die Militärintervention in Afghanistan hat seit 2001 unzählige Menschenleben und mehr als eine Billion Dollar gekostet. Alles war umsonst, wenn die radikal-islamistischen Taliban an die Macht zurückkehren.

Die US-Nachrichtendienste machen sich mit düsteren Prognosen wichtig: In 30 bis 90 Tagen schon werde die afghanische Hauptstadt Kabul in die Hände der radikalen Taliban fallen, ließen die professionellen Kristallkugel-Gucker die „Washington Post“ wissen. Im Juni waren sie davon ausgegangen, das werde mindestens noch ein halbes oder ganzes Jahr dauern. Die Fatalisten haben sich verrechnet. Auswirkungen haben ihre Pi-mal-Daumen-Prognosen ohnehin nicht. Die USA haben Afghanistan aufgegeben.

Wie 1975 in Saigon

Präsident Joe Biden stellte diese Woche klar, dass es nun an den Afghanen liege, ihr Land zu verteidigen. Er lässt den Abzug der US-Streitkräfte aus dem Hindukusch unbeirrt fortsetzen. 90 Prozent der Soldaten sind schon zu Hause. Der Rest soll bis Ende des Monats folgen. Nur ein kleines Kontingent zum Schutz der US-Botschaft soll bleiben. Und auch diese Einheit wird bald ihre Koffer packen, sollten die Taliban tatsächlich Kabul einnehmen. Die Geschichte wiederholt sich: Das Szenario erinnert frappant an den unrühmlichen Schlussakkord des Vietnam-Krieges: an die überstürzte Flucht der Amerikaner aus Saigon im April 1975.