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Beauty

Locken, Bubikopf oder „Shag“: Frauenhaar ist geduldig

SALZBURGER FESTSPIELE 2021: PROBE ´JEDERMANN´
Die Haare sind das neue "Kleid" der Buhlschaft, an ihm entzündet sich heuer die Diskussion über Weiblichkeit.(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Kulturgeschichte. Die kurzen Haare von Buhlschaft Verena Altenberger wurden heuer zur Streitfrage über Weiblichkeit. Die Frisur von Frauen war immer symbolisch aufgeladen.

Ein madonnengleiches Frauengesicht, blass, ernst, umrahmt von langen braunen Haaren, erscheint auf dem Bildschirm. Sanft beginnt sie sich ihr Haar zu kämmen. Wird ein wenig hastiger, schneller, fährt immer stärker mit der Bürste durch die Strähnen. „Art must be beautiful. Artists must be beautiful“, stößt sie dabei immer wieder aus. Wenn ihre Schmerzen es zulassen, die jeder kennt, der einmal ungewollt Haare lassen musste.

Kunst muss schön sein, Künstlerinnen müssen schön sein – was Marina Abramović in ihrer (gefilmten) Performance von 1975 auf Englisch noch geschlechtsneutral formulierte, bekam ein halbes Jahrhundert später mit der Buhlschaft Verena Altenberger ein überraschendes Update. Ihre Kurzhaarfrisur, mit der sie beim heurigen „Jedermann“ debütierte, ist immer noch vorrangiges Gesprächsthema einer breiten Öffentlichkeit, kommt diese auf die Salzburger Festspiele.

Über Twitter machte die Schauspielerin die sexistischen Angriffe öffentlich, die ihre Frisur offensichtlich provoziert. Sie solle von der Bühne verschwinden, wenn sie nicht verführerisch wirken möchte, sie soll die „gottgewollte“ Geschlechterordnung nicht stören, liest man da. „Seit ich die Haare kurz trage, habe ich mit einem neuen Phänomen umzugehen: Meine Weiblichkeit wird mir abgesprochen“, kommentiert sie fassungslos diese „Kopfwäschen“. Ob Lars Eidinger seine Haare als Jedermann kurz, lockig oder grün gefärbt trägt – er würde bei öffentlichen Meinungsäußerungen vergleichsweise ungeschoren davonkommen.