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"Warum unsere Kinder Tyrannen werden"

Schwere Vorwürfe gegen prominenten Kinderpsychiater

imago stock&people
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Der deutsche Psychiater und Bestseller-Autor Michael Winterhoff wird wegen seiner Behandlungsmethoden scharf kritisiert. Immer mehr Betroffene melden sich, Anzeigen werden vorbereitet. Ein erstes Jugendamt beendete die Kooperation.

Wie die Tagesschau berichtet, kündigt das Jugendamt Sankt Augustin seine Zusammenarbeit mit dem Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff auf. Hintergrund sind schwere Vorwürfe von Ex-Patientinnen und -Patienten sowie Fachleuten gegen den bekannten Arzt und Bestsellerautor ("Warum unsere Kinder Tyrannen werden").

WDR und "Süddeutsche Zeitung" (SZ) hatten über die Behandlungsmethoden des 66-Jährigen berichtet. Ehemalige Patientinnen und Patienten werfen Winterhoff vor, dass er ihnen über Jahre ruhigstellende Neuroleptika verschrieb, vor allem das Mittel Pipamperon.

Die verschriebenen Medikamente können zahlreiche Nebenwirkungen hervorrufen. Sie reichen von Müdigkeit über starke Gewichtszunahme bis hin zu Diabetes und Herzerkrankungen. Studien deuten zudem darauf hin, dass sie dazu beitragen, die Gehirnmasse zu verringern. "Es wurde vermittelt: Ein Arzt hat es verordnet, es sei gut für uns", erinnert sich etwa die heute 20-jährige Jana im Gespräch mit der Tagesschau. Ihr hatte Michael Winterhoff ab dem Alter von sieben Jahren mehr als drei Jahre lang Pipamperon verabreicht. Die junge Frau kämpfe jetzt bei der Ärztekammer darum, dass das, was sie durchleben musste, Konsequenzen hat.

Winterhoff verteidigt Vorgehen

Winterhoff hat auf Anfrage der Tagesschau mitgeteilt, dass der Einsatz von Pipamperon unbedenklich sei, solange die Behandlung kinderpsychiatrisch kontrolliert werde. Er wäge Nutzen und Risiken einer medikamentösen Behandlung ab. In vielen Fällen habe der Einsatz dieses Medikaments eine heilpädagogische Behandlung erst möglich gemacht. Auf den Vorwurf, Patienten und Angehörige nicht hinreichend über die verschriebenen Medikamente aufgeklärt zu haben, entgegnet Winterhoff, er sei immer vom Vorliegen einer Einwilligung der Sorgeberechtigten ausgegangen.

Anzeigen

Nach Veröffentlichung der Recherche von WDR und SZ wollen nun weitere Betroffene gerichtlich gegen den Bonner Kinderpsychiater vorgehen. Entsprechende Strafanzeigen würden gerade vorbereitet und in den nächsten Tagen bei der Staatsanwaltschaft eingereicht, so die Tagesschau. Bei der Staatsanwaltschaft Bonn sei bereits eine erste Strafanzeige von dem Siegburger Anwalt Mehmet Daimagüler auf Grund der ARD-Reportage gegen den Arzt eingereicht worden.

Täglich würden sich bei der WDR-Redaktion „die story" und der SZ weitere Betroffene und Fachleute aus der Jugendhilfe melden, die von ihren Erfahrungen mit dem Kinderpsychiater Michael Winterhoff berichten möchten.

>>> zum Tagesschau-Artikel

>>> WDR-Dokumentation: „Warum Kinder keine Tyrannen sind"

(Red.)