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Nachruf

Gerd Müllers Tore für die Ewigkeit

WM 1970, der „Bomber“ in Aktion: Gerd Müller erzielt im mexikanischen León den Siegtreffer gegen England.imago images/WEREK
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Titel, Tore am Fließband, Alkohol und Alzheimer: Der bodenständige Weltmeister war Deutschlands größter Stürmer, er schoss den FC Bayern nach oben – und kämpfte weiter bis zuletzt.

München. Die Wohlfühlzone im Leben von Gerd Müller umfasste exakt 665,28 Quadratmeter. Denn als Fußballer war der nur 1,76 Meter große Stürmer der König des Strafraums. Kein deutscher Angreifer vor und nach ihm erreichte seine Klasse. Vor allem: Keiner erzielte so viele Tore. Es müllerte in praktisch jedem Spiel.

Der „Bomber der Nation“ erledigte seinen Job dabei auf unnachahmliche Weise: Er traf blitzschnell aus der Drehung, im Fallen und im Sitzen, mit links oder rechts und mit dem Kopf. Am Sonntagmorgen ist Müller nun im Alter von 75 Jahren gestorben, wie sein einstiger Verein mitteilte.
„Heute steht die Welt des FC Bayern still“, erklärte Vereinspräsident Herbert Hainer. „Seine Leistungen sind bis heute unerreicht und werden auf ewig Teil der großen Geschichte des FC Bayern und des gesamten deutschen Fußballs sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn und versprach: „Gerd wird für immer in unseren Herzen sein.“

Sein Schicksal berührte

Noch zum 70. Geburtstag des Torjägers hatte Ex-Bundestrainer Joachim Löw gesagt: „Gerd Müller war der allergrößte Stürmer, den wir in Deutschland hatten.“

Dieses Urteil gilt über seinen Tod hinaus. Schon der damalige Ehrentag des Weltmeisters (1974), Europameisters (1972) und mit Abstand erfolgreichsten Torschützen der deutschen Bundesliga (365 Tore in 427 Partien) musste ohne Feierlichkeiten begangen werden. Der Grund: Gerd Müller hatte Alzheimer. Er lebte seit Jahren in einem Pflegeheim. Dort wurde er bis zuletzt betreut.

Der FC Bayern hatte die Erkrankung wenige Wochen vor Müllers 70. Geburtstag publik gemacht. Sein Schicksal berührte über die Fußballszene hinaus.

Zum 75. Geburtstag sprach Uschi Müller über den Gesundheitszustand ihres Mannes. „Er ist immer ein Kämpfer gewesen, war immer tapfer, sein ganzes Leben lang. Das ist er auch jetzt. Der Gerd schläft seinem Ende entgegen“, schilderte sie der „Bild“-Zeitung.

Gerd Mueller (Bayern) - Der Koenig aller Torschuetzen mit Krone und Zepter
imago images/Kicker/Metelmann

Müllers Sieg über seine Alkoholkrankheit Anfang der 90er Jahre war der vermutlich wichtigste im Leben des gelernten Webers aus dem bayerischen Nördlingen. „Nach vier Wochen bin ich aus der Kur gekommen. Es in so kurzer Zeit zu schaffen, das war schon eine Leistung“, erzählte Müller bei einem Treffen im Herbst 2007 in München. Damals wirkte er als Co-Trainer der Bayern-Amateure.

Spätere deutsche Weltmeister wie Philipp Lahm oder Thomas Müller profitierten von seinem Erfahrungsschatz. Es war eine Aufgabe, die den bodenständigen Müller ausfüllte. Er war ein Weltstar, aber keiner für Glamour und Rote Teppiche. „Der Verein ist alles für mich“, sagte er damals.

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APA/AFP/DIPTENDU DUTTA

Trotz Franz Beckenbauer, trotz Uli Hoeneß – den Aufstieg zur Nummer eins in Deutschland hatte der FC Bayern vor allem Müllers Toren zu verdanken. „Was der FC Bayern heute darstellt, mit diesem Palast an der Säbener Straße – ohne Gerd Müller wären die Leute da immer noch in dieser Holzhütte von damals“, lautet ein Satz, mit dem Beckenbauer gerne Müllers Bedeutung beschrieb. „In meinen Augen ist er der wichtigste Spieler in der Geschichte des FC Bayern.“

Das Einzigartige hat auch Weltmeister Miroslav Klose betont. Als er Müller 2014 nach 40 Jahren als Rekordtorjäger der Nationalmannschaft ablöste, sagte Klose: „Gerd Müller darf man mit keinem anderen Stürmer vergleichen.“

Das Tor für die Ewigkeit schoss Müller am Ende seiner früh beendeten DFB-Karriere. Im WM-Finale 1974 erzielte er im Münchner Olympiastadion das 2:1 gegen die Niederlande. „Ich habe schönere Tore gemacht, aber das wichtigste war dieses Weltmeistertor.“

Wenn Müller nach seiner Karriere, die 1982 unrühmlich in den USA ausgeklungen war, seinen Nachfolgern zusah, stellte er sich die immer gleiche Frage, wenn ein Schuss oder Kopfball nicht im Tor landete. „Hättest du den reingemacht?“ Vermutlich ja.

(dpa/red.)