Mit dem zweiten „Tag der Freien Medien“ will der Österreichische Medienverband am Freitag auf die schwierige Situation kleiner, unabhängiger Online- und Printmedien aufmerksam machen.
Der noch recht junge Österreichische Medienverband (ÖVMB) lädt am Freitag zum zweiten „Tag der Freien Medien". Bereits 16 Online- und Printmedien sind Mitglieder des ÖVMB. Dazu gehören Onlinemedien, wie "mokant.at" oder "zib21.com" genauso wie die Printmedien "Skug" oder "Paradigmata".
Wer „frei" ist, bestimmt der Verband: Print- oder Online-Medien, die regelmäßig (zumindest zwei Mal pro Jahr) erscheinen und sich dem Ehrenkodex der österreichischen Presse verpflichtet und "sozial verantwortlich" fühlen. Mindestens zwei Personen müssen „als kleinste redaktionelle Einheit" für das Medium arbeiten, so Verbandspräsident Martin Aschauer. "Damit werden einzeln agierende Blogger, gewissermaßen die freiesten Medienmacher an sich, vom Verband ausgeschlossen. Sich selber kann man halt schwer kontrollieren", sagt Aschauer. Er meint damit die Kontrolle journalistischer Sorgfalt - Stichwort: Check, Gegencheck, Re-Check - , auf die man im Verband viel wert legt. Auch weil man damit klarmachen will: wir agieren genauso professionell wie die "großen" Medien.
Allerdings sind mit der Blogger-Plattform www.zib21.com doch auch wieder Blogger Mitglied des Verbandes. "Da verschwimmen die Grenzen natürlich", sagt Michaela Wein, Herausgeberin der Online-Zeitung www.mokant.at, und Vorstandsmitglied des ÖVMB. Was man im Verband nicht haben wolle: Blogs, die von nur einer Person betrieben werden. Weil die meist nicht besonders objektiv seien. "Wir halten uns an journalistische Grundsätze", sagt Wein. "Frei", das seien zudem alle Medien, die weder inhaltlich noch strukturell von irgendjemandem abhängig seien. Ganz sicher ist sich der Verband aber offenbar noch nicht, wen er künftig in seinen Kreis aufnehmen will und wen nicht. So ist man sich noch uneins, ob man Blogger, wenn sie alle sonstigen Mitglieder-Voraussetzungen erfüllen, nicht doch aufnehmen solle.
Vorbild für den ÖVMB war der Verband freier Radios Österreich (VRFÖ), der mit seinen Aktionen bereits erste große Erfolge erzielen konnte. Es gibt nun Fördertöpfe für freies Radio. Davon ist der Print- und Onlinesektor freilich noch weit entfernt. Deswegen will der Österreichische Medienverband mit dem zweiten Aktionstag im MuseumsQuartier vor allem auf die finanzielle Not der kleinen Medien hinweisen und seinen Katalog an Forderungen präsentieren. Und der ist ganz schön lang. Die wichtigste Forderung ist die nach einer Publizistikförderung für Online-Medien. Zudem fühlt sich der Verband von der Politik im Stich gelassen und fordert daher ein politisches Bekenntnis zu publizistischer Medienvielfalt. Schließlich würden freie Medien in Österreich eine wichtige Rolle in der heimischen Medienlandschaft einnehmen, so Michaela Wein. Weiters verlangt der Verband eine Werbesteuerbefreiung für freie Medien, die Ausweitung des Fonds für nichtkommerzielle Rundfunkmedien auf Freie Medien, dass Banken und Versicherungen vom Zugang zu Presse- und Publizistikförderungen ausgeschlossen werden (dass also etwa die Raiffeisenzeitung als Produkt zur Verkaufsförderung nicht extra gefördert wird) und dass Werbefenster im ORF für nichtkommerzielle Medien eingerichtet werden.
Zudem wird die Schaffung eines freien Medienfonds gefordert, der nach Gesichtspunkten der Innovationsförderung und "nicht als Gießkannenförderung" ausgelegt ist. Mal sehen, ob und in welchem Bereich Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (SP), der am Freitag als Gast und Diskutant eingeladen wurde, auf die Forderungen des Verbandes eingehen wird.
Zweiter Aktionstag, neue Location
Traf man sich beim ersten „Tag der freien Medien" im Jahr 2008 noch im betont alternativen Ambiente des Fluc am Praterstern, will man den Vertretern der Branche diesmal einen etwas konventionelleren (manche würde sagen: professionelleren Rahmen) geben und versammelt sich im Quartier für digitale Kultur (QDK) im Museumsquartier (Museumsplatz 1, Wien 7).
Als Diskutanten holt sich der Verband neben Ostermayer und Wein auch zwei Vertreter von "nicht-freien" Medien: Peter Krotky, den Geschäftsführer und Chefredakteur von DiePresse.com und Martin Blumenau von FM4. Letzterer gehört zu den größten Kritikern der freien Medien, weil er glaubt, dass es sie gar nicht gibt. Special-Interest-Magazine und Publikationen mit geringer Auflage und Reichweite sind für ihn genauso "Medien" und deswegen nicht "frei", sagt er in einem Interview mit dem "Medienjournal". Freilich lässt sich bereits über die Frage "Unabhängigkeit" diskutieren. Sobald mehr als ein Menschen ein Medium produziert, wird er Einfluss auf diese Publikation nehmen wollen. Aber: wo endet dann die Freiheit? Und wo beginnt die Unabhängigkeit?