Studie

Die Krise als Chance zur Selbstverwirklichung

Die Studienautoren Alexandra Mittermaier und Holger Patzelt
Die Studienautoren Alexandra Mittermaier und Holger Patzelt(c) Astrid Eckert
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Sozialunternehmer werden oft als Idealisten verstanden, deren einziges Ziel die Verbesserung des Allgemeinwohles ist. Dass dem nicht immer so ist und warum dies nicht negativ zu betrachten ist, zeigt eine Studie der TU München und der University of Notre Dame.

Das Ziel, das Sozialunternehmen verfolgen, ist oft eher unspezifisch. Von ihrem Handeln soll die Allgemeinheit profitieren, Gewinne werden reinvestiert. All dies lässt auf einen gewissen Idealismus hinter den Projekten schließen. Laut einer neu veröffentlichten Studie sei dieser allerdings keineswegs immer der Hauptbeweggrund, ein solches Projekt aufzubauen. Hierfür wurden 13 Sozialunternehmen, die im Raum München nach der Ankunft zahlreicher Geflüchteter im Jahr 2015 entstanden waren, für acht Monate begleitet.

Gleicher Zweck, unterschiedliche Beweggründe

Die veröffentlichten Forschungsergebnisse scheinen auf zwei Gründungstypen schließen zu lassen. Auf der einen Seite Gründer, deren primäre Motivation daraus bestand, Geflüchteten zu helfen. Sie versuchten, so schnell wie möglich, umfangreich Hilfe zu leisten. Dies drückte sich auch in den eingesetzten Strategien aus: Hier wurde nach Freiwilligen und Spenden gesucht und die Breite der Tätigkeiten schnell ausgeweitet.

Auf der anderen Seite eine zweite Gruppe. Trotz ihrer Absicht zu helfen, steht bei ihnen das Ziel, unternehmerisch tätig zu werden, im Vordergrund. Ihr Wunsch nach beruflicher Unabhängigkeit und der eigenen Firma war hauptausschlaggebend für die Gründung ihres Unternehmens. Die Lösung sozialer Probleme war hier ein positiver Nebeneffekt. In den gewählten Strategien spiegelt sich dies wieder. Es wurde durch akribisch ausgearbeitete Businesspläne versucht, eine Grundlage für längerfristige Erfolge zu schaffen.

Keineswegs zynisch

Die Studie, die von der TU München und der University of Notre Dame im Journal Entrepreneurship Theory and Practice veröffentlicht wurde, betont, dass die beschriebenen Motivationen zwar grundverschieden seien, allerdings nicht wertend betrachtet werden sollten. „Das Eigeninteresse, in dieser Krise ein Unternehmen aufzubauen, sollte nicht mit Zynismus verwechselt werden“, meint die Studienautorin Alexandra Mittermaier. Ganz im Gegenteil. Die Forschungsergebnissen veranlassen laut Co-Autor Holger Patzelt dazu, verschiedenste Bereiche neu zu evaluieren: „Die Entrepreneurship-Ausbildung, -Beratung und -Förderung geht noch zu häufig von rein idealistischen Motiven aus.“ Aus den neu gewonnenen Erkenntnissen könnten aber auch Chancen entstehen: „Wenn auf diejenigen Gründerinnen und Gründern stärker eingegangen wird, die Eigeninteresse und Engagement verbinden, lässt sich ein großes Potenzial heben, soziale Probleme langfristig unternehmerisch anzugehen.“

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