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Afghanistan

Tote bei Protesten: Taliban schießen auf Demonstranten in Asadabad

Ein Bild von den Protesten am Mittwoch in Jalalabad.
Ein Bild von den Protesten am Mittwoch in Jalalabad.APA/AFP/Pajhwok/-
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Zeugen berichten, dass die Taliban das Feuer auf Demonstranten auch in Jalalabad eröffnet haben. Bei dem Chaos am Flughafen sind bisher zwölf Menschen ums Leben gekommen.

Mehrere Menschen sind am Donnerstag in der afghanischen Stadt Asadabad getötet worden, als Taliban-Kämpfer auf Menschen schossen, die bei einer Kundgebung zum Unabhängigkeitstag die Nationalflagge schwenkten. Das berichtet ein Zeuge der Nachrichtenagentur Reuters, einen Tag nachdem drei Menschen bei einem ähnlichen Protest getötet worden waren.

Die Menschen, die die afghanische Flagge schwenkten, nachdem sie laut Medienberichten in einigen Fällen weiße Taliban-Fahnen heruntergerissen hatten, sind die ersten Anzeichen für den Widerstand der Bevölkerung gegen die Taliban seit ihrem überwältigenden Vormarsch durch das Land und der Einnahme der Hauptstadt Kabul am Sonntag.

Es sei unklar, ob die Opfer in Asadabad auf den Beschuss oder auf die dadurch ausgelöste Massenpanik zurückzuführen seien, sagte Augenzeuge Mohammed Salim. "Hunderte von Menschen kamen auf die Straße", sagte Salim. "Zuerst hatte ich Angst und wollte nicht gehen, aber als ich sah, dass einer meiner Nachbarn mitmachte, holte ich die Flagge heraus, die ich zu Hause habe.“ Bei der Massenpanik und dem Beschuss durch die Taliban seien in der Folge mehrere Menschen getötet und verletzt worden.Ein Sprecher der Taliban war nicht sofort für eine Stellungnahme zu erreichen.

Proteste auch in Jalalabad

Auch in der östlichen Stadt Jalalabad und in einem Bezirk der Provinz Paktia gab es Medienberichten zufolge erneut Proteste, aber keine Berichte über ernsthafte Gewalt. Afghanistan feiert am 19. August 1919 seine Unabhängigkeit von der britischen Kontrolle.

Schon am Mittwoch hatten Taliban-Kämpfer in Jalalabad auf Demonstranten geschossen, die die schwarz-rot-grüne Nationalflagge schwenkten, und töteten drei Menschen, wie Zeugen und Medien berichteten. 

Die Niederschlagung der Proteste wird neue Zweifel an den Beteuerungen der Taliban aufkommen lassen, sie hätten sich seit ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 geändert, als sie Frauen strengen Beschränkungen unterwarfen, öffentliche Hinrichtungen inszenierten und alte buddhistische Statuen in die Luft sprengten.

Insgesamt zwölf Tote bei Chaos am Flughafen

Während in Kabul seit dem Einmarsch der Taliban am Sonntag im Allgemeinen Ruhe herrscht, herrschte auf dem Flughafen Chaos, da die Menschen auf der Suche nach einem Weg aus dem Land waren.

Nach Angaben eines Nato- und eines Taliban-Beamten wurden seither zwölf Menschen im und um den Flughafen herum getötet. Der Taliban-Beamte sagte, die Todesfälle seien entweder durch Schüsse oder durch Massenpaniken verursacht worden. "Wir wollen niemanden am Flughafen verletzen", sagte der Taliban-Beamte, der nicht genannt werden wollte.

Die Vereinigten Staaten und andere westliche Mächte setzten die Evakuierung ihrer Staatsangehörigen und einiger ihrer afghanischen Mitarbeiter vom Flughafen der Hauptstadt fort, von dem seit Sonntag etwa 8000 Menschen ausgeflogen wurden, so ein westlicher Sicherheitsbeamter.

(Reuters)

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