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Wahlsplitter

Der Hauch eines sanften Aufwärtstrends für Laschet

CDU candidate for Eine Umfrage macht noch keinen Sommer. Aber: eine "gute" Umfrage für Unions-Spitzenkandidat Armin Laschet ist besser als keine.Laschet attends CSU party meeting in Nuremberg
Eine Umfrage macht noch keinen Sommer. Aber: eine "gute" Umfrage für Unions-Spitzenkandidat Armin Laschet ist besser als keine.REUTERS
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Nebenfronten, Absurdes, Umfragen und andere Geschichten aus Deutschland vor der Wahl. Heute: Neues von der Umfragenfront. Kann die Union doch noch hoffen?

Sie sind es, die uns überhaupt strategische Überlegungen anstellen lassen während eines Wahlkampfs. Gäbe es keine Umfragen, könnten die deutschen Medien nicht schon längst über Nachfolgekandidaten für Armin Laschet an der Unionsspitze diskutieren. Und: Es gäbe keine „Wahlüberraschung“ am Tag der Bundestagswahl. Glaubt die CDU noch an die Überraschung? Ausgeschlossen scheint ein enger Zweikampf an der Spitze nicht, doch würde ein knappes Ergebnis garantiert mit dem Adjektiv „überraschend“ geadelt werden.

Der Abschwung der Unionsparteien scheint jedenfalls vorerst gestoppt. Rund zwei Wochen vor der Bundestagswahl haben die Christdemokraten in einer neuen Umfrage wieder etwas Boden auf die SPD gut gemacht. Im RTL/ntv-Trendbarometer kommen CDU und CSU auf 21 Prozent, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Daten des Meinungsforschungsinstituts Forsa hervorgeht. Das sind zwei Punkte mehr als noch in der Vorwoche. Die SPD bleibt mit 25 Prozent aber stabil und weiter vorn. Die FDP verlor zwei Punkte und liegt mit der AfD gleichauf.

Würde heute gewählt, könnten die Grünen der Umfrage zufolge mit 17 Prozent rechnen, die Linke mit 6 Prozent. Die sonstigen kleineren Parteien erreichen zusammen 9 Prozent. Jeder Vierte hat sich der Umfrage zufolge allerdings noch nicht entschieden, wen er wählt - oder will gar nicht wählen.

Knapp zwei Wochen vor der deutschen Bundestagswahl ist einer Umfrage zufolge die Zahl der unentschlossenen Wählerinnen und Wähler höher als bei vorherigen Wahlen. Laut einer am Dienstag von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Allensbach-Umfrage wissen erst 60 Prozent der zur Teilnahme an der Wahl entschlossenen Wähler, wen sie unterstützen werden. Vor vier Jahren lag dieser Wert demnach bei 65 Prozent, im Jahr 2013 sogar bei 76 Prozent.

Als wichtigsten Grund für ihre Unentschlossenheit nennen 63 Prozent der Befragten die Spitzenkandidaten, die allesamt nicht überzeugend wirkten. Zudem vertreten 56 Prozent die Ansicht, alle Parteien gäben zur Zeit kein gutes Bild ab.

Bei der Bundestagswahl am 26. September wird der Umfrage zufolge eine hohe Wahlbeteiligung erwartet. 87 Prozent der Wahlberechtigten haben demnach vor, ihre Stimme abzugeben. 72 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich ganz sicher beteiligen wollen.

Laut einer am Dienstag von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Allensbach-Umfrage wissen überhaupt erst 60 Prozent der zur Teilnahme an der Wahl entschlossenen Wähler, wen sie unterstützen werden. Vor vier Jahren lag dieser Wert demnach bei 65 Prozent, im Jahr 2013 sogar bei 76 Prozent. Also: Nichts scheint ausgeschlossen.

(Klemens Patek, 21.9.2021)

Video-Dilemma: Chrupallas Gedichte-"öhm“ und die Wall-Street-Wölfe der Union

Es sind zwei dieser Wahlkampfgeschichten, die von der politischen Konkurrenz schamlos ausgeschlachtet werden. Und zwei Videos, die in den letzten Tagen in Deutschland auf Sozialen Medien tausendfach geteilt wurden. Man könnte deren Relevanz infrage stellen, doch lassen sie durchaus Rückblicke auf die Partei bzw. den Kandidaten zu.

Zuerst zur CDU. Deren Spitzenkandidat Armin Laschet versuchte beim Triell am Sonntag eine Kehrwende hinzulegen. Er zeigte sich angriffslustiger. Dass die Partei Motivation braucht, um für ihn zu laufen, wie es auf Wahlkampf-Deutsch so schön heißt, zeigt ein Video, das von den offiziellen CDU-Kanälen ganz rasch wieder verschwunden ist. Sich für ganz lustig und ganz kreativ haltende Köpfe in der Union zeigten im Rahmen der Triell-Übertragung in der Parteizentrale im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin eine markante Szene aus dem Hollywood-Film „The Wolf Of Wall Street“ aus dem Jahr 2013.

Ein 45-sekündiger Ausschnitt war auf Twitter gelandet - vom CDU-Pressesprecher in Sachsen, Paul Schäfer. Doch ein Kollege vom Magazin „Vice“ war schnell genug, diesen zu speichern, bevor Schäfer seinen Tweet löschen konnte. Darin zu sehen, wie Hauptdarsteller Leonardo Di Caprio als Börsenhai Jordan Belfort eine Inspriationsrede an seine Mitarbeiter richtet. In der CDU-Version gibt es allerdings Untertitel wie diese: „Und es heißt am 26.9.: Ausgeschlumpft, lieber Olaf! Lasst uns jetzt raus gehen und lasst uns die Leute mit Armin Laschet gemeinsam überzeugen, und zu Not erzwingen wir es. Wir erzwingen es und liegen 100.000 Stimmen vorne“.

Abgesehen davon, dass im Film Drogen- und Sex-Eskapaden folgen, fragt man sich: Wie möchte die CDU einen Wahlsieg erzwingen? Und braucht sie einen gierigen Kapitalismus-Gewinner, der einfache Leute im Film gnadenlos ausnimmt, um sich zu motivieren?

Ein müdes Lächeln huscht dem geneigten Wahlkampfbeobachter vielleicht auch bei folgendem Video-Clip über das Gesicht. AfD-Spitzenkandidat Tino Chrupalla wird von einem Kinder-Reporter des ZDF interviewt. Er erklärt, dass er sich an den Schulen wieder mehr Fokus auf deutsche Dichter und Gedichte wünsche. „Dass wir auf unsere deutschen Dichter und Denker wieder mehr in den Schulen würdigen [sic!].“, sagt Chrupalla. Sein junges Gegenüber hakt nach: „Ich finde, wir müssen schon relativ viele Gedichte auswendig lernen. Was ist denn ihr Lieblingsgedicht eigentlich? Deutsches Lieblingsgedicht?“ Die Antwort des überraschten Chrupallas: „Mein Lieblingsgedicht? ...ist öhm... Da müsste ich jetzt mal überlegen, fällt mir jetzt gar keins ein.“ Im Laufe des Interviews erfuhr man schließlich noch, dass Chrupalla ein Fan von Hermann Hesse ist.

(Klemens Patek, 14.9.2021)