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Lobau-Tunnel

„Ich stimme für Deine Autobahn, wenn Du für meine Autobahn stimmst“

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Eisvogel im Nationalpark DonauauenNationalpark Donau-Auen
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Gesundheitliche und rechtliche Bedenken sehen Wissenschaftler für den Fall, dass die Wiener Autobahnumfahrung und der Lobau-Tunnel gebaut werden.

Gesundheitliche Beeinträchtigungen befürchtet die Badener Ärztin Heidrun Chen, wenn hochrangige Straßen gebaut werden. Es gehe dabei nicht nur um das Anheizen der Klimaerwärmung durch Straßenverkehr (und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen), sondern auch um die direkten Wirkungen – etwa durch Abgase oder durch Abrieb von Reifen und Bremsen. Der Umweltmediziner Hanns Moshammer ergänzt, dass gesundheitliche Schäden durch Straßenlärm im Wohnbereich „gut belegt und ausgeprägt“ seien. Vor diesem Hintergrund sprechen sich die beiden Mediziner deutlich gegen den Bau des Lobau-Tunnels, des Autobahn-Rings um Wien und der Zufahrt zur S1 in der Donaustadt aus.

Gesundheit, Recht und Ethik waren am Donnerstag die Themen des dritten und letzten Teils der Veranstaltungsreihe des Forums Wissenschaft und Umwelt, die sich mit der Wiener Autobahn-Umfahrung beschäftigt haben. In den beiden ersten Folgen ging es um Klimaschutz und Raumordnung.

Im Forum haben sich Wissenschaftler zusammengeschlossen, die sich mit unterschiedlichen ökologischen Aspekten zu einem Gutteil seit Jahrzehnten beschäftigen. Die ersten Anfänge des Forums gehen auf die Jahre zwischen der Abstimmung über das AKW Zwentendorf (1978) und den Protesten in der Hainburger Au (1984) zurück.

„Mensch auf der Verliererseite"

Der emeritierte Humanökologe Peter Weish erklärte, dass in der Gesellschaft zwar ein ethischer Grundkonsens bei „nachhaltiger Entwicklung“ und „zukunftsfähiger Entwicklung" bestehe. Aber: „Mit unserer derzeitigen Verschleiß- und Wegwerf-Wirtschaft verhalten wir uns so, als ob wir die letzten Menschen wären – ohne die geringste Rücksicht auf alle, die nach uns kommen.“ Solidarität mit künftig lebenden Menschen erfordere einen sparsamen Umgang mit energetischen und mineralischen Rohstoffen und auch mit Ökosystemen, denn „die Biosphäre ist eine Schicksalsgemeinschaft. Wenn der Mensch glaubt, die Natur besiegt zu haben, wird er sich auf der Verliererseite wiederfinden.“

Der Umwelt-Jurist Josef Unterweger weist darauf hin, dass die Wiener Autobahn-Umfahrung auch aus rechtlicher Sicht kritisch zu betrachten sei. „Wenn eine Autobahn im Bundesstraßengesetz steht, dann ist sie zu bauen. Es ist noch nie eine Autobahn nicht genehmigt worden.“ Unterweger kritisiert, dass bei der Entscheidung, ob ein Projekt ins Gesetz aufgenommen werde, das Schwergewicht nicht auf den ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten liege, sondern meist der politischen Abwägung gefolgt werde: „Ich stimme für deine Autobahn, wenn du für meine Autobahn stimmst“.

Widerruf der internationalen Anerkennung?

Für Christian Schuhböck, Generalsekretär von „Alliance for Nature“, gibt es auch rechtliche Bedenken – es sei rechtlich nicht möglich, die Lobau zu untertunneln, denn „das Gesetz sieht keine Begrenzung des Nationalparks nach unten vor“. Der Lobau-Tunnel gefährde die internationale Anerkennung des Nationalparks Donauauen durch die IUCN (International Union for Conservation of Nature). In einem Brief (vom 27. April 2021) der IUCN heißt es, dass die Organisation „sehr besorgt“ sei. Wenn nicht gewährleistet sei, dass die Kriterien für die internationale Anerkennung gesichert sind, dann müsse man diese Anerkennung widerrufen.

>> Klimaschutz: Wir beklagen die Schäden und fördern die Ursachen“

>> Kritiker: Straßenbauprojekt Regionenring „zerstört“ Städte

>> Homepage des Forums Wissenschaft und Umwelt (FWU)

>> IUCN