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Green Jobs

„Grün“ als Job- und Wirtschaftsmotor

Bei Aufgaben wie der Montage von Solarzellen oder Windrädern sind vor allem klassische technische Fertigkeit wie Elektrotechnik oder Mechatronik gefragt.
Bei Aufgaben wie der Montage von Solarzellen oder Windrädern sind vor allem klassische technische Fertigkeit wie Elektrotechnik oder Mechatronik gefragt.Getty Images
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Umschulungen und Weiterbildungen für „Green Jobs“ – Arbeitsplätze im Umweltsektor – sollen Arbeitnehmern neue Perspektiven und Arbeitgebern zukunftsfittes Personal bescheren.

Mit dem erhofften Aufschwung der Wirtschaft nach der Krise dürfte mancher „grüne Plan“, der in Unternehmen pandemiebedingt verschoben wurde, wieder auf die Agenda kommen. Die Bundesregierung prognostiziert das Entstehen Hunderttausender „grüner Jobs“ und sieht 485 Millionen Euro allein für Qualifizierungsangebote in den Bereichen Umwelt, Holz, Land- und Forstwirtschaft, Elektronik und Digitale Technologie, Fotovoltaik, E-Mobilität, Garten und Grünflächengestaltung vor.

Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des BFI Wien, ortet bereits einen Anstieg der einschlägigen Stellenausschreibungen. Dabei würden vor allem „traditionelle“ Fertigkeiten im Umweltsektor gesucht. „Es haben sich vielleicht die Berufsbezeichnungen geändert, wie ,Fotovoltaik-Installateure‘ oder ,Windrad-Techniker‘, die zugrunde liegenden Kompetenzen stammen aber aus der Elektro- und Kälteanlagentechnik, Mechatronik oder Metallverarbeitung.“

Logistik neu denken

In der Umweltwirtschaft seien laut Lackinger jedoch nicht nur Technikkenntnisse gefragt, sondern auch berufsübergreifende Kompetenzen. So müsse etwa die Logistik von Unternehmen meist neu gedacht werden. Das BFI reagiert darauf mit einem fünfmonatigen berufsbegleitenden Diplomlehrgang Logistik und Supply Chain Management, der mit einem international gültigen Logistik-Personenzertifikat abschließt. „Ziel einer grünen Logistik ist die Schaffung umweltgerechter und ressourceneffizienter Logistikprozesse – etwa durch einen verringerten Energie-, Flächen-, Material- und Treibstoffverbrauch“, sagt Lackinger.

Weitere bereichsübergreifende Green-Jobs-Kurse des BFI sind etwa Innovationsmanagement kompakt oder Wirtschaftsethik und nachhaltige Unternehmensführung. Im technischen Bereich finden sich die Facharbeiter-Intensivausbildung Fahrradmechatronik oder Kälteanlagentechnik im Kältemittelkreislauf.

Produktion und Entsorgung

Für produzierende Unternehmen bedeutet das Schlagwort „Green Jobs“ unter anderem, im Betrieb Verantwortliche für eine ressourcenschonende Produktion, einen gesetzeskonformen Umgang mit Abfällen und anderen Erfordernissen des „Green Deal“ einzusetzen. An den Wirtschaftsförderungsinstituten (Wifi) werden etliche Seminare in diesem Bereich geboten. Am Wifi Linz beispielsweise startet im Oktober eine zweimonatige Ausbildung zum/zur Umweltmanagementbeauftragten nach ISO 14001 und EMAS. Diese Schulung bietet sich zum Beispiel für Abfallwirtschaftsbeauftragte an, ebenso für Qualitätsmanager, Arbeitssicherheits- und Gesundheitsmanager, Sicherheitsfachkräfte, Auditoren und andere, die ein Umweltmanagementsystem implementieren oder warten sollen.

In manchen Branchen würde die konsequente Umsetzung des Green Deal aber auch bedeuten, die gesamte Produktgestaltung und den Produktlebenszyklus auf neue Beine zu stellen. „Die EU-Bürger werden umweltbewusster. Dadurch ändern sich Verbrauchermuster“, sagt die Verfahrenstechnikerin und Seminaranbieterin Susanne Hrinkov. So werde beispielsweise die Kurzlebigkeit vieler Elektrogeräte oder Textilien inzwischen von vielen sehr kritisch gesehen. Wer jetzt seine Produktionsmuster dementsprechend verändere, dürfte später im Wettbewerb die Nase vorn haben.

Hrinkov hat zu diesen Themen am Wifi NÖ erstmals eine zweitägige Fortbildung „Der Green Deal für Unternehmen“ abgehalten und kommt auch zu Inhouse-Trainings in Betriebe. Auch im offenen Wifi-Kurs passt sie die Inhalte an das Teilnehmerfeld an. Andere Weiterbildungen für „Green Jobs“ an den Landes-Wifis sind beispielsweise „Ökoenergie-Techniker/in“, „Klimaaktiv bauen“, „MSc Integrales Gebäudemanagement“ oder Ausbildungen in „Fotovoltaiktechnik bzw. -planung mit Zertifizierung (Wifi Tirol) oder „Green Logistik“ (Wifi Wien).

Nachhaltigkeit studieren

Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung in Richtung „Green Job“ auf akademischer Ebene haben einige Fachhochschulen und Universitäten im Programm. Eines von vielen Beispielen sind Studienangebote der FH Salzburg, die ihre Angebote dazu unter dem Link „Nachhaltigkeit studieren“ zusammengefasst. Dort werden Programme vorgestellt, die sich um nachhaltige Materialien, wiederverwendbare Produkte oder neue Geschäftsmodelle drehen – bis hin zum nachhaltigen Tourismus. Weiters bieten die „Holz-Studiengänge“ (Bachelor Holztechnologie und Holzbau, Master Holztechnologie und Holzwirtschaft, sowie die noch jungen Studiengänge Smart Building (Bachelor) und „Smart Building in Smart Cities“ (Master) die Möglichkeit zum Einstieg oder zur Weiterbildung in Zukunftsbranchen. „Wir bieten eine Ausbildung rund um nachhaltiges, ressourcenschonendes Bauen, egal, ob Vollzeit als auch berufsbegleitend“, sagt Alexander Petutschnigg, Leiter aller vier Studiengänge. Studierende haben darüber hinaus die Chance, selbst an der Entwicklung neuer Produkte mitzuarbeiten, wobei die FH Kooperationen mit der Universität Salzburg betreibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2021)