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Klimaschutz

„Universitäten müssen als Vorbilder agieren“

Am alljährlichen Nachhaltigkeitstag präsentiert die Boku ihre diesbezüglichen Aktivitäten. 2019 stand er unter dem Motto „Gemeinsam! Kooperation als Zukunftsprinzip“.
Am alljährlichen Nachhaltigkeitstag präsentiert die Boku ihre diesbezüglichen Aktivitäten. 2019 stand er unter dem Motto „Gemeinsam! Kooperation als Zukunftsprinzip“.Heinz Strelec,Christoph Gruber/ Boku IT
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Heimische Hochschulen arbeiten an einer Vielzahl von Projekten, die mit Innovation, Vorbildfunktion und Eigenverantwortung dazu beitragen sollen, dem Klimawandel entgegenzutreten.

Waldbrände, Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürme – die Natur schlägt immer härter zurück. Der Weltklimabericht, der am 9. August vorgestellt wurde, offenbart einmal mehr die enormen Schäden, die der Mensch der Natur angetan hat. Noch besteht Hoffnung, dass eine zu extreme Erderwärmung mit vereinten Kräften vermieden werden kann. Heimische Hochschulen arbeiten unermüdlich an Strategien, Aufklärung und gemeinsamen Projekten, die das Klima schützen sollen.

„Universitäten müssen zu den Ersten gehören, die sich der dringendsten Herausforderung des Jahrhunderts stellen: innerhalb kurzer Frist Klimaneutralität zu erreichen“, sagt Günter Getzinger, Leiter der Science, Technology und Society Unit der TU Graz und des Projekts Klimaneutrale TU Graz 2030. Dieses hat ein Ziel: die CO2-Emissionen der Universität zu vermeiden oder zu neutralisieren. So sollen etwa Geschäftsreisen durch Videokonferenzen ersetzt werden: Statt Kurzstreckenflügen gibt es Erste Klasse Bahntickets, wie Getzinger darlegt. Mensen sollen mit mehr regionalen Produkten ausgestattet werden, Gebäude erhalten großflächige Fotovoltaikanlagen. Das alles erfordere die enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Unternehmen sowie anderen Bildungseinrichtungen.

Allianz nachhaltiger Universitäten

So ist die TU Graz Mitglied der Allianz Nachhaltige Universitäten in Österreich, die 2012 von der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) und der Universität Graz mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Forschung ins Leben gerufen wurde. „Damals wurden die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz an Unis virulent, international und in Österreich war klar, es muss etwas passieren“, berichtet Lisa Bohunovsky, stellvertretende Leiterin des Zentrums für globalen Wandel & Nachhaltigkeit und Koordinatorin der Allianz.

In diesem Zusammenhang veranstaltet die Boku auch jedes Jahr einen Nachhaltigkeitstag und verleiht einen Preis in verschiedenen Kategorien. Ziel sei, vor den Vorhang zu holen, was an der Boku alles passiert, sagt Bohunovsky. Einer der Gewinner: der von Studenten organisierte Boku-Bauernmarkt, wo regionale Bauern ihre Produkte verkaufen. Ein weiteres Beispiel studentischen Engagements: die Boku4Future-Gruppe, die im Sinne der „Fridays for Future“-Bewegung Aufklärungsarbeit zum Klimawandel leistet. Der IPCC-Bericht habe laut Bohunovsky niemanden, der sich mit dem Thema beschäftigt, überrascht: „Wir wissen, dass noch kein großes Einlenken passiert ist, was aber dringend notwendig wäre. Wir hoffen, dass die große Transformation noch passieren wird und dass wir einen kleinen Beitrag leisten können.“

Dem Ohnmachtsgefühl entgegenwirken

Es gelte, dem Ohnmachtsgefühl entgegenzuwirken. „Universitäten müssen als Vorbilder agieren, wir sind die Orte, wo Innovationen herkommen, wo Wissen generiert und weitergegeben wird.“

Die Klimaneutrale TU Graz 2030, die unter anderem vor dem Hintergrund des Pariser Klimaabkommens entstand, folgt einem Verantwortungsgedanken: Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation und den Studenten, des globalen Nordens gegenüber dem globalen Süden. Getzinger: „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und unseren Studenten zeigen, dass es auf institutioneller und persönlicher Ebene möglich ist, ins Tun zu kommen.“ Die besten Köpfe befassten sich – etwa in Abschlussarbeiten – mit zukunftsorientierter, fahrrad- und fußgängerorientierter Stadtplanung, nachhaltigem Bauen, der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien, erklärt er. Es sei höchste Zeit, dass Österreichs Unternehmen Umweltmanagement-Maßnahmen setzen, die zu ihrer raschen, vollständigen Dekarbonisierung, zu Klimaneutralität führen. „Gesetzliche Vorgaben werden zu spät kommen. Was jetzt zählt, ist verantwortungsvolle Eigeninitiative.“

Diese wird auch an der FH Burgenland angestrebt: Mitte August trat sie der Förderschiene Horizon Europe bei, die europaweite Vernetzung, Forschung und Innovation unterstütze und die sozioökonomische Transformation in der Region mittrage, wie Alexandra Baldwin vom Department Wirtschaft erklärt. „In dem interdisziplinären Projekt sollen Studenten, Lektoren und Mitarbeiter aus den Earth Sciences an Entrepreneurship herangeführt werden.“ So könnten Studenten ihre Ideen auf deren Vermarktbarkeit hin zu prüfen. Lead Partner ist die Arctic University of Norway sowie drei weitere Unis. Die FH bekomme etwa aus Edinburgh Impulse zu sozialer Verträglichkeit und Nachhaltigkeit, was sich auf die Konzeption der Kursinhalte auswirke. In Graz sei ein Wettbewerb geplant, bei dem jeweils ein Team aus den verschiedenen Institutionen zu dem Start-up Event „Fifteen Seconds“ geschickt werden soll, wo sie ihre Idee pitchen können, sagt Baldwin. „Unsere Aufgabe als Hochschule ist es, dem sozioökonomischen Wandel Rechnung zu tragen und unsere Studenten auf ein Umfeld vorzubereiten, in dem Erfolg vielschichtiger ist als schwarze Zahlen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2021)