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Ursula Wiedermann-Schmidt ist Leiterin des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie an der Med-Uni Wien.
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Coronakrise

Plötzlich berühmt: Die Gesichter der Pandemie

Ein neues Virus, eine neue Krankheit, viele offene Fragen. Die Coronakrise hat die Bedeutung der Medizin und Wissenschaft schlagartig ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Und dabei Personen vor den Vorhang geholt, die es gewöhnt sind, im Hintergrund zu arbeiten.

Seit mittlerweile eineinhalb Jahren erklären sie, ordnen ein, informieren, warnen, beruhigen und prognostizieren – üblicherweise vor einem Millionenpublikum und oft auch an der Seite der Staatsspitze, die sie beraten. Ihre Einschätzungen und Bewertungen sind die Grundlage für sämtliche Entscheidungen der Bundesregierung, die bei der Bekämpfung der Pandemie getroffen werden.

Die Rede ist von Österreichs Gesundheitsexperten – Virologen, Epidemiologen, Immunologen, Intensivmediziner, Lungenfachärzte, Internisten, Psychologen, Psychiater, Neurologen, Vakzinologen, Infektiologen, Komplexitäts- sowie Simulationsforscher, Mathematiker und Public-Health-Spezialisten. Sie alle wurden zu den Gesichtern der Pandemie und Vertrauenspersonen der Bevölkerung.

Ihre Aussagen, Standpunkte und Blickwinkel können beinahe täglich in Zeitungen, Magazinen, sozialen Medien, im Fernsehen und Radio verfolgt werden – von frühmorgens bis spätnachts. Das bedeutet für sie nicht nur, deutlich mehr zu arbeiten und eine neue Balance im Alltag zu finden, sie mussten auch den Umgang mit Medien und Politik lernen. Und dabei erfahren, was es heißt, ständig erreichbar zu sein, täglich Hunderte persönliche E-Mails zu bekommen, im Supermarkt erkannt und angesprochen zu werden.

Auch Anfeindungen, Respektlosigkeiten, Grenzüberschreitungen und Beschimpfungen bleiben nicht aus, insbesondere unter dem scheinbaren Schutz der Anonymität im Internet.

Warum sie dennoch weitermachen und in ihren jeweiligen Spezialgebieten als Ansprechpersonen für Medien zur Verfügung stehen? Weil die positiven Rückmeldungen bei Weitem überwiegen, sie viel über sich selbst lernen, einen Beitrag zur Aufklärung der verunsicherten Bevölkerung leisten wollen und Öffentlichkeitsarbeit Teil ihrer Tätigkeit ist, die ihnen vielfach auch Freude bereitet.