Gastbeitrag

20 Jahre gute Absichten in der Wissenschaftspolitik

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Die Politik hat den Handlungsbedarf bei prekären Arbeitsverhältnissen an Universitäten erkannt. Geändert wird daran nichts.

Vor dem Hintergrund aktueller Gerichtsentscheidungen zur Unzulässigkeit von Kettenverträgen an Universitäten und Protesten gegen die neueste Novelle des Universitätsgesetzes (UG), wird das Thema von prekären Anstellungsverhältnissen junger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auch in Österreich erneut aufgegriffen. In Deutschland fand eine ähnliche Kritik unter dem hashtag #IchBinHanna vor allem auf Twitter breite Resonanz.Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

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Auslöser war die Kommunikation des deutschen Wissenschaftsministeriums, dass nur befristete Anstellungen Innovation sichern könnten und es letztlich auch darum gehe, eine „Anschlussverwertung“ für ausgeschiedene Forscherinnen in der Privatwirtschaft sicherzustellen. Vonseiten der österreichischen Politik wurde die Problematik von prekären Anstellungsverhältnissen mittlerweile scheinbar erkannt und die Universitäten wurden im Zuge der neuen UG-Novelle aufgerufen „entprekarisierende (Karriere)modelle zu entwickeln“. Schon 2014 hielt das Bildungsministerium (BMBWF) im Universitätsbericht 2014 fest, dass man „künftig verstärktes Augenmerk auf die Entwicklung im Bereich der Befristungen legen“ wird.

Gute Absichten, keine Taten

Während die Politik also hier scheinbar einen Handlungsbedarf erkannt hat, haben sich Beschäftigungsverhältnisse für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der Praxis des akademischen Bereichs jedoch in eine gänzlich andere Richtung entwickelt. Wenn also den guten Absichten des BMBWF schwerlich widersprochen werden kann, lässt die Vehemenz der Durchsetzung dieser wohlgemeinten Intentionen – etwa im Rahmen der Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten – doch deutlich zu wünschen übrig. Das lässt viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler frustriert zurück – werden entsprechende Ankündigungen doch seit nun beinahe 20 Jahren artikuliert. In der Folge ist es zu einem andauernden Verantwortungskonflikt zwischen der Politik und den Universitätsleitungen gekommen.


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