Seit Jahren trotzt der unabhängige TV-Sender „Doschd“ dem Druck des Kreml. Nun wurde er zum „ausländischen Agenten“ erklärt – ohne Begründung. Das dürfte folgenschwer sein.
Tichon Dsjadko klingt, als müsste er sich selbst Mut zureden. „Wir sind ein Fernsehsender, wir werden unsere Arbeit weitermachen wie bisher“, sagt der Chefredakteur des Internetsenders „Doschd“ (Regen). So wie bisher ist in diesen Tagen allerdings wenig in den Redaktionsräumen in einer ehemaligen Kristallfabrik im Moskauer Norden. „Ein ausländischer Agent“ ist „Doschd“ nämlich nun – offiziell gebrandmarkt vom Staat. Ohne jegliche Erklärung. Auch ohne Ermittlungsverfahren, ohne Klage, ohne Prozess. Man wurde als Unternehmen einfach abgestempelt, weil der Sender den Machthabern zu oft auf die Füße getreten ist, kann aber (vorerst) weitermachen.
„Journalismus ist kein Verbrechen“, schrieben einige Journalisten auf ihre Plakate und stellten sich am Wochenende kurz nach der Entscheidung des Ministeriums, die die liberal Gesinnten in Russland entsetzt, vor die Geheimdienstzentrale mitten in Moskau. Polizisten führten die Demonstranten ab.