Serbien und der Kosovo starten den Verkauf ihrer Telekom-Konzerne. Die Österreicher wollen ihre Aktivitäten am Balkan weiter ausbauen. Für den Einstieg in Serbien muss die TA viel Geld in die Hand nehmen.
Dieser Tage hat die Telekom Austria (TA) den Kauf der weißrussischen Velcom komplettiert und für die restlichen 30 Prozent inklusive Besserungsschein 648 Mio. Euro gezahlt – womit die Investition in Weißrussland 1,4 Mrd. Euro schwer ist. Jetzt rüstet sich die TA für das nächste Milliardengeschäft: In diesen Tagen startet die serbische Regierung den Verkauf von 51 Prozent der mehrheitlich staatlichen Telekom Srbija. Die TA ist sehr interessiert, genauso wie im Kosovo, wo noch heuer die Mehrheit an der Post-und-Telekom-Gesellschaft PTK zum Verkauf steht. Bei einem Zuschlag würde die TA die Marktführerschaft in Ost- und Südosteuropa erobern.
„Selbstverständlich schauen wir uns die Optionen in unseren Märkten genau an“, sagt Konzernsprecherin Elisabeth Mattes auf „Presse“-Anfrage. Man werde sich die Unterlagen abholen und prüfen. „Gemeinsam mit unseren Eigentümern werden wir entscheiden, inwieweit der Erwerb einer Mehrheit an der Telekom Srbija wirtschaftlich wertschaffend ist.“ Konzernchef Hannes Ametsreiter soll schon die Suche nach einer Investmentbank gestartet haben. Fünf Institute sollen zu einem Beauty Contest eingeladen werden, darunter Morgan Stanley und Merrill Lynch. Die serbische Regierung wird von der Citigroup beraten.
Höchstpreis durch Versteigerung
Für den Einstieg in Serbien muss die TA viel Geld in die Hand nehmen: Die Citigroup bewertet die Telecom Srbija mit 2,43 Mrd. Euro. Für die Hälfte soll es – inklusive Paketaufschlag – einen Mindestpreis von 1,4 Mrd. Euro geben. Belgrad peilt, um einen möglichst hohen Preis zu erzielen, eine Auktion an. Das hat schon beim Mobilfunker Mobtel funktioniert. 2006 erlöste Serbien bei der Versteigerung 1,5 Mrd. Euro, ein Drittel ging an den Investor Martin Schlaff.
Die TA, die leer ausging, betreibt inzwischen den Mobilfunker Vip Mobile und hat mit ihm 14 Prozent Marktanteil. Die Mobtel kommt auf 30 Prozent, die Telekom Srbija mit der M-Tel auf 56 Prozent.
Bei der Privatisierung der Telekom Srbija, die im Vorjahr mit 9600 Mitarbeitern einen Gewinn von 150 Mio. Euro erzielte, will sich der Staat auf 49 Prozent zurückziehen. Belgrad verkauft 30 Prozent, die griechische Tochter der Deutschen Telekom OTE ihre 20 Prozent. Falls die TA zum Zug käme, hätte sie den Konkurrenten nicht an der Seite. Aber auch die Deutsche Telekom will mitbieten, ebenso wie France Telecom.
Der Einstieg im Acht–Millionen-Einwohner-Land Serbien wäre für die TA aus mehreren Gründen interessant. Da sie bisher in Ost- und Südosteuropa nur als Mobilfunker agiert, braucht sie Festnetz-Anbieter, um im Internet-Breitband-Geschäft mitmischen und Kombiprodukte anbieten zu können. Gleichzeitig hat die Telekom Srbija über die M-Tel selbst Beteiligungen in Bosnien (genauer gesagt in der Republik Srpska) und in Montenegro, wo die TA nicht tätig ist.
Interesse zeigt die TA auch im Kosovo: Dort ist am Donnerstag der Parlamentsbeschluss zur Privatisierung von 67 Prozent an der PTK gefallen. Verkaufen will der Staat den Telekom-Bereich; die Post wird abgespalten. Die Preiserwartungen liegen bei 300 bis 600 Mio. Euro, wobei Beobachter letzteren Wert für zu hoch erachten. In einer Art Vorverfahren haben fünf Unternehmen Interesse bekundet: die TA, die albanische ALB, die kroatische Telekom (T-Hrvatski Telekom), die ägyptische Orascom und die jemenitische Sabafon. Die Situation im Kosovo, der von Serbien nicht anerkannt wird, ist schwierig: Die PTK hat früher der Telekom Srbija gehört. Diese hat an mögliche Käufer appelliert, vom Kauf abzusehen.
Geld für die Expansion dürfte bei der TA kein Problem sein: Der Cashflow beträgt heuer rund 800 Mio. Euro. Außerdem könnte die TA einen Bond begeben oder eine Kapitalerhöhung durchführen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2010)