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Malediven: Diven, Diver, Dissidenten

Malediven Diven Diver Dissidenten
regina pöll
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Abhängen wie die Promis, Hochzeitsreise genießen oder einfach nur abtauchen: der Inselstaat im Indischen Ozean at its best. Mit Luxus und Entspannung der besonderen Art.

Demi. Ashton. Und ich. Und dazu Michael Schumacher oder Kate Moss. Wir alle waren im selben Pool. Unter derselben Dusche. Haben vielleicht sogar dieselbe Musik gehört und, wahrscheinlich, dieselben DVDs gesehen. Jedenfalls auf demselben Bildschirm, so viel steht fest. Nur nicht gleichzeitig – schließlich ist Diskretion das oberste Gebot im Huvafen Fushi, dem Luxusresort auf den Malediven.

300 Meter lang und 100 Meter breit ist die gleichnamige Insel, auf der sich nicht mehr als 300 Personen bewegen – 200 davon sind dienstbare Geister des Hauses, zwei Bedienstete kommen auf einen Gast, der häufig, sagt zumindest das Haus, Promi oder sonst irgendwie wichtig ist. Ich bin nur einen Tag lang im Huvafen Fushi – Luxus schnuppern im „Beach Pavillon“, in dem sich angeblich auch Demi Moore und Ashton Kutcher vergnügten.

Kaum ein Malediven-Resort, das mit edelstem Ex- und Interieur geizt, umfassendes Service, ein Butler pro Gast oder wenigstens pro Pavillon – das ist State of the Art auf den mehr als 100 Tourismusinseln. 1190 Inseln zählt der Archipel, die meisten davon sind menschenleer, die 300.000 Einwohner der Malediven leben streng getrennt von den Gästen auf eigenen Inseln.

 

Weitab vom Rest der Welt

Die Isolation vom Rest der Welt hat ihren Reiz. Auf den Malediven sucht man die Abgeschiedenheit, nicht unbedingt Einsamkeit, eher die Zweisamkeit. Die Inseln, die sich auf hunderte Kilometer im Indischen Ozean verteilen, sind bei Honeymoonern, aber auch bei Ehejubilaren beliebt.

Was tun tagsüber in einer Atmosphäre, die so gar nicht nach Party schreit? Selbst die Jungs von „Tokio Hotel“, sonst Produzenten von gepflegtem Lärm, genießen hier ihre Ruhe. Und wer die Ruhe vertiefen will, verfügt sich ein paar Meter unter den Meeresspiegel. „Napoleon“, der so bunte wie wendige Fisch, so groß wie zwei Handteller, schlängelt sich zwischen Korallen hindurch, am Hausriff der Kanuhura-Insel mit dem gleichnamigen Resort, das auch schon Dita von Teese oder Katy Perry als Set für Fotoshootings diente, vor Tropengrün, Meeresblau und Sandstrand-Weiß. Das Hausriff ist ein Schnorchelparadies für Anfänger und Fortgeschrittene. „Bitte nicht auf die Korallen treten“, empfehlen die Instruktoren nahe der Insel Diva mit dem gleichnamigen Resort – „drehen Sie eine Runde mit den Indischen-Butterfisch-Schwärmen, aber werden sie nicht aufdringlich. Schwimmen Sie nicht in den Schwarm.“

 

Weiß getupfter Leviathan

Geduld, mahnen die Diving Instructors auf dem Bootsausflug. Und tatsächlich: ein mächtiger Schatten steuerbords, ein Walhai, selbst für Einheimische eine Sensation. Fünf Meter lang, das Maul ein Meter breit. Zum Fürchten, auch wenn der weiß getupfte Leviathan nur Plankton frisst.

„Nicht berühren, Vorsicht“, warnt der Instruktor, reizen dürfe man den friedliebenden Riesen denn doch nicht. Die rundum sichere Variante ist ein Blick in eine Art Aquarium, das eigentlich keines ist: Das Huvafen Fushi verfügt über das weltweit erste Spa unter Wasser. Mit riesigem finanziellen und planerischen Aufwand wurde das Wellnesscenter zuerst gebaut und dann vier Meter tief versenkt. Von der Massageliege schaut man jetzt in ein Korallenriff samt Getier. Ist Nemo auch dabei? Ja, der Clownfisch schwänzelt durch die Arme einer Anemone, kaum eine Handbreit vom Fenster entfernt. Von draußen linsen die Meeresbewohner neugierig ins Terrarium herein, bestaunen schlanke, dunkle Gestalten, die rosa ungeschlachte Gestalten massieren.

Auf den Malediven ist beileibe nicht alles Gold, was glänzt. Gegensätze bekommen einen neuen Anstrich. Die etwa 700.000 Touristen – die meisten sind aus Europa und Japan – kommen mit den 350.000 Einheimischen nicht in Kontakt – vom Personal der Resorts abgesehen. Der bis 2008 diktatorisch regierende Präsident Maumoon Abdul Gayoom hatte die Nation heruntergewirtschaftet, Menschenrechte mit den Füßen getreten, Oppositionelle inhaftiert und foltern lassen. Bis heute sind Homosexuelle in dem islamischen Land, das sich erst langsam unter dem neuen, westlich orientierten Präsidenten Mohamed Nasheed an internationale Standards herantastet, diskriminiert.

 

Versinken die Malediven?

Einen Namen hat sich Nasheed als Kämpfer gegen die Klimaerwärmung gemacht, kein Wunder: Der steigende Meeresspiegel bedroht die flachen Inseln, Massenemigration wäre die Folge. Armut und Arbeitslosigkeit produzieren soziale, aber auch auch Drogenprobleme. Heroin gelangt ganz leicht auf die weit verstreuten Inseln, Kontrolle unmöglich – vor allem Jugendliche sind betroffen, da Moslems der Alkohol verboten ist, greifen sie zu Heroin. Touristen bekommen von alledem nichts mit, sollen sie auch nicht, es herrscht Idyll, Friede, Freude, Eierkuchen. Der Gast kommt wegen der „drei S“ – sun, sand and sea – zum Abhängen in Hängematten in edlem Weiß unter weißen Seidensegeln, stilvoll aufgespannt auf Edelhölzern am Strand.

Jede Insel, jedes Resort präsentiert sich anders: Hier gibt es mehr Natur, dort exquisitere Restaurants, hier ein ausgewiesenes Taucherparadies, dort ein Kinderzentrum. Die Zahl der Resorts wächst ständig, die Malediven sind gefragter denn je, zumal der größte touristische Quellenmarkt für den Archipel gerade erst im Entstehen begriffen ist: das nahe Indien und China.

 

Orchideenzucht im Paradies

Ruhe im Tropenparadies und individuelles Service sind die Atouts des Archipels – von der Abholung aus der maledivischen Hauptstadt Malé per Airtaxi oder Boot bis zur Verabschiedung an den Landestegen. Und was sticht dort als Erstes ins Auge? Die „drei S“, logo – das blau-türkis schillernde Meer, dann weißer Sand und blendende Sonne (wenn's nicht gerade regnet).

Und nicht zu vergessen die vielen tropischen Gewächse: Orchideen werden sogar zehntausendfach gezüchtet, und Palmen, Palmen, Palmen. Auf dem Sandstrand vorm Bungalow stehen mindestens zwei oder drei davon, spenden großzügig Schatten für die weißen Liegen. Ja, so kann man schon entspannen vom urbanen Stress, Promi muss man dafür gar keiner sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2010)