Die Tedeschi Trucks Band hat Eric Claptons Meisterwerk „Layla“ neu interpretiert. „Layla Revisited“ ist ein glühendes Manifest für die traditionelle amerikanische Musik.
Warum diesen einzigen Geniestreich Eric Claptons noch einmal aufnehmen? Die Frage ist berechtigt, denn das Doppelalbum „Layla And Other Assorted Love Songs“ ist perfekt. Die gitarristischen Dialoge zwischen Clapton und Duane Allman und die knisternde Fusion zwischen White-Boy-Blues und authentischen Südstaatensounds klingen unüberbietbar. Und doch sprachen biografische Zufälle für die Neubearbeitung durch die Tedeschi Trucks Band. In den Linernotes erzählt Trucks davon, wie sein Vater ihn und seinen Bruder David mit Claptons Album in den Schlaf lockte. Später spielte der heutige 42-Jährige gemeinsam mit Clapton, in der Allman Brothers Band und auf einer ausgedehnten Tournee. So lag es nahe, sich an „Layla“ zu wagen.
Der Plan war, das gesamte Werk einmalig aufzuführen und dabei aufzunehmen, im August 2019 im Rahmen des Lockn´-Festivals in Arrington, Virginia. Das Publikum wusste nichts vom speziellen Programm des Abends. Und so war das Konzert der zwölfköpfigen Band (zwei mehr als in Claptons Besetzung) eine Riesenüberraschung. Als zusätzliche Kräfte an der Gitarre wurden Clapton-Begleiter Doyle Bramhall II und Trey Anastasio von der Fusion-Band Phish eingesetzt. Zudem wurden die Songs klanglich mit Gospel-Chor-Gesang, Bläsersätzen und Orgelgrooves verstärkt. Damit kreierte die Band einen opulenten Cinemascope-Sound, der dennoch enorme Tiefenschärfe hat. Trucks spielt die Passagen von Allman, Anastasio die von Clapton, jeweils mit dem ihnen ganz eigenen gitarristischen Duktus: ein subtiler Dialog. Der Gesang von Trucks Frau Susan Tedeschi verhilft einigen Aussagen, wie etwa im Freddie-King-Klassiker „Have You Ever Loved A Woman?“, zu einem neuen, genderspezifischen Subtext.