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Lokalkritik

Testessen am Wörthersee I

Porto Bello am Wörthersee
Porto Bello am Wörthersee(c) Daniel Waschnig
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Im Seefels wurde das Porto Bello umgebaut und die Küche noch einmal deutlich verbessert. Der Wörthersee brummt.

Einen überzeugten Stammgast erkennt man an einer liebevollen Marotte: Die Reise geht nicht mehr an einen bestimmten Ort, sondern in das Hotel. Die Tage werden im Seefels, in der Post oder dem Seehof verbracht. Die Namen der dazugehörigen Orte werden einfach nicht mehr verwendet. Das Seefels am Wörthersee wird ab Mitte Oktober über die Wintersaison umgebaut. Die Stammgäste sind schon ein wenig aufgeregt, Änderungen im Hotel des Vertrauens werden immer zu einer ernsten Sache.

Eine Preview gibt es aber bereits: Das Ufer-Bistro wurde schon umgebaut, mit Lampen und viel Farbe (vor allem die der Landesfahne) wurde das Porto Bello bunter und freundlicher, die Küche mit mehr Konzentration deutlich verbessert. Natürlich gibt es weiterhin ­verlässlich gute Pasta und Flammkuchen, wirklich empfehlenswert ist aber mein Sommer-Lieblingsgericht 2021: ein perfekt ins Rosa gegartes Paillard vom Hirsch mit Rucola, grünem Spargel und Sommertrüffel-Raspel. Ebenfalls leicht und gut kombiniert sind die gegrillten Salzwassergarnelen auf Hummus, Curry und Fenchel. Es geht auch ein bisschen derber: Die Koteletts mit gebratenen Artischocken, Bohnenkernen und rotem Zwiebel sowie Erdäpfeln entpuppen sich geschmacklich als zutiefst mediterranes Gericht. Unbedingt nach den frischen Fischen fragen, die ­täglich aus dem See geliefert werden.

Porto Bello
Porto Bello(c) Daniel Waschnig

Das Phänomen ist jedenfalls um den ganzen Wörthersee zu beobachten, die kulinarische Qualität wuchs in vielen Restaurants, etwa im Rose in Velden. Am Seeufer geht es ziemlich entspannt und wie im Beachclub zu. Die Karte bietet regionales Sushi, was bei nicht wenigen Lokalen böse ins Auge ging. Hier funktioniert es dank guter Fischqualität: Wolfsbarsch von Fonda aus Piran, Biosaibling vom Süßenbacher aus St. Georgen vom Längsee ergeben ein schönes Nigiri-Set. Die Flusskrebse mit Avocado, Papaya und Curry-Dill-Dressing würden auch Asien-Destinationen schmücken.

Rose Restaurant
Rose Restaurant

Und noch ein schneller Abstecher ins Südsee, das Bistro von Hubert Wallner: Sashimi von der Wörthersee-Reinanke mit nicht wenig Roten Rüben in Scheiben, ­Walnüssen und Senfsalat, das alles in einer Marinade aus Yuzu und Soja. Danach ein Chicken-Bang-Bang, ich hoffe, das ist nichts Unanständiges, aber das Sous-Vide-gegarte Huhn mit Gartengurken und Wildkräutern in der Chili-Limetten-Marinade ist dann ganz brav und schmeckt intensiver, als es klingt.

(c) Daniel Waschnig Photography

An mehreren Pop-ups lässt sich beobachten: Kärnten hat massiv aufgeholt, intensive Auseinandersetzung mit den landwirtschaftlichen Produkten gibt es plötzlich überall. Das Lustigste war der Foodtruck plus Fisch-Heurigen in Krumpendorf. Fischer Josef Huainigg holt mit seinem Großvater den Fisch, mit Benjamin Fehringer hatte er die Idee für den Heurigen: Man sitzt gegenüber einem Billa, fast auf der Bundesstraße, auf Bänken. Es war die beste gebratene Reinanke ever. Die ­jungen Fischmänner verantworten auch das großartige Restaurant Süßwasser in Wien sechs. Sie sehen schon, Kärnten macht einen Kritiker viel zu fröhlich. Nächste Woche noch einmal Kärnten und dann wieder mit Grant in Wien.

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