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Forschungsförderung

Zwischenbilanz auf dem Weg zur Exzellenz

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Insgesamt 37 interdisziplinäre Konsortien haben sich um die neuen „Clusters of Excellence“ beworben. Am Rande der Alpbacher Technologiegespräche wurde skizziert, wie es nun weitergeht.

Langfristige Sicherung eines Forschungsfeldes statt kurzfristiger Projektanträge, große Summen statt immer wieder kleiner Fördervolumina – pro institutionenübergreifendem Forschungsteam winken über zehn Jahre bis zu 70 Millionen Euro. Die neue Programmschiene des Wissenschaftsfonds FWF dringt mit ihren Dimensionen tatsächlich in eine neue Größenordnung der heimischen Forschungsförderung vor. Diese Perspektive dürfte als Anreiz gewirkt haben, sich für einen unter dem Titel „excellent = austria“ beworbenen Cluster zu bewerben. Dem Aufruf, Interesse zu bekunden, sind in der ersten Runde jedenfalls 37 Forschungs-Großgruppen gefolgt.

Manche fachliche Kooperation habe ihn durchaus überrascht, sagte dazu FWF-Präsident Christof Gattringer bei der Präsentation der ersten Einreichungen am Rande der Alpbacher Technologiegespräche, freilich ohne Namen zu nennen. Die beteiligten Disziplinen würden aber von A wie Analysis bis Z wie Zellbiologie reichen – und wahrscheinlich sei das Alphabet voll damit bespielbar. Elf Anträge kommen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, elf aus Biologie und Medizin und 15 aus Naturwissenschaften und Technik. Das Potenzial für kollaborative Grundlagenforschung in Österreich sei jedenfalls groß.

Stückwerk zusammenfügen

Zumindest scheint es gelungen zu sein, die oft sehr fragmentierte Spitzenforschung schon durch den Aufruf ein Stück weit zusammenzuführen. „Für Größeres braucht es Kooperation“, hieß es dazu aus dem Wissenschaftsministerium. Zugleich wolle man mit vielversprechenden Bedingungen ausländische Forscherinnen und Forscher gewinnen – und halten. Auch die Karriereförderung von Doktoranden und Postdocs wird als wichtiges Ziel genannt.

In den ersten drei Jahren stehen dem Wissenschaftsfonds für die Exzellenzzentren 150 Millionen Euro zur Verfügung. Wer einen „Cluster of Excellence“ einwerben will, muss aber auch Eigenmittel in der Höhe von 40 Prozent einbringen. So will man sicherstellen, dass die geförderten Themen in den Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen langfristig verankert bleiben. Weil das gesamte Antragsvolumen aller Cluster allerdings rund eine Milliarde Euro beträgt, können in der ersten Runde – je nach Größe der ausgewählten Cluster – also nur circa vier bis sechs Exzellenzzentren starten, schätzt Gattringer. Dennoch: Damit wird nun die lang diskutierte – und in mehreren Regierungsprogrammen angekündigte – Exzellenzinitiative in der Grundlagenforschung auf den Weg gebracht.

Das Rennen um die begehrte Forschungsförderung gleicht allerdings noch einem Ultralangmarathon. Die Konsortien werden jetzt eingeladen, ausführliche Konzepte abzuliefern, die im Sommer 2022 von einer internationalen Wissenschaftsjury begutachtet werden. Wer diesen Schritt schafft, kann einen Vollantrag einreichen. Die finalen Hearings folgen dann im Februar 2023, die ersten Cluster könnten mit März 2023 starten.

Erste Vorgespräche soll es demnächst auch für die zweite Förderschiene innerhalb von „excellent = austria“ geben: Mit „Emerging Fields“ will man Forschung fördern, die mit hohem Risiko, aber auch großem Potenzial verbunden ist. Ebenfalls folgen soll mit den „Austria Chairs of Excellence“ die dritte Säule, über die man exzellente Berufungen ermöglichen will.

In Zahlen

35Institutionen mit 189 Einzelbeteiligungen, also Forschungsgruppen, haben insgesamt 37 Konsortien gebildet und sich damit für einen „Cluster of Excellence“ beworben.

1Milliarde beträgt das Antragsvolumen aller Interessenten. Bis zu 70 Millionen Euro können pro Cluster vergeben werden, also – je nach Größe – vier bis sechs Cluster gefördert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2021)