Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Die Grenzen des rasanten Online-Wachstums

Die Zuwächse beim Internet-Glücksspiel werden langsam schwächer.

Es waren Zuwachsraten, die man eher aus Schwellenländern wie China und Indien kannte: Um bis zu 16 Prozent schnellten in den vergangenen Jahren die Bruttospielerträge (Spieleinsätze minus ausgeschüttete Gewinne) beim Online-Glücksspiel in die Höhe. In Österreich, wohlgemerkt. Inzwischen werden die Steigerungsraten jedoch schwächer, sagt Andreas Kreutzer vom Marktforschungsinstitut Kreutzer Fischer & Partner. „Mittelfristig erwarten wir beim Glücksspiel nur noch ein Wachstum von rund fünf Prozent pro Jahr. Allerdings von einer höheren Basis. Bei den Online-Wetten dürften die Zahlen sogar stagnieren, sofern kein sportliches Großereignis in das betreffende Jahr fällt“, sagt Kreutzer.

Knapp 15 Milliarden Euro setzen die Österreicher pro Jahr für Lotterien, Casinospiele, Automaten und Wetten ein. Den Glücksspielanbietern bleiben davon rund zehn Prozent als Bruttospielerträge. Mit 142 Millionen Euro entfielen 2009 davon wiederum knapp zehn Prozent auf Spiele und Wetten, die im Internet stattfanden. Von diesem Kuchen können sich vor allem zwei Anbieter ein ordentliches Stück abschneiden. Marktführer ist mit etwa 50 Millionen Euro Win2day, die Internet-Tochter der Casinos Austria. Knapp dahinter – mit etwa 40 Millionen Euro – rangiert Bwin. Danach folgt abgeschlagen noch Bet-at-home mit etwa fünf Mio. Euro. „Der Rest verteilt sich auf viele kleine Anbieter. Das ist ein unglaublich fragmentierter Markt“, sagt Kreutzer.

Verdrängungswettbewerb. Zuwächse im Online-Spiel gehen nahezu vollständig zulasten der Offline-Anbieter wie Spielcasinos oder Wettbüros, so Kreutzer weiter. Daher seien auch die Kunden meist dieselben. „Der typische Online-Glücksspieler ist männlich und hat auch außerhalb des Internets eine Affinität zu Spielautomaten.“ Grundsätzlich knabbern die Automaten an den Umsätzen der Spielcasinos und die Online-Spiele an den Umsätzen der Automaten, sagt Kreutzer.

Bei den Online-Wetten kommt durch das sogenannte „Live-Wetten“ noch eine Besonderheit hinzu. So kann während eines laufenden Fußballspiels ununterbrochen auf verschiedenste Ereignisse gewettet werden. Etwa, welche Mannschaft den nächsten Eckball erhält. In Summe gibt es pro Spiel rund 400 verschiedene Wetten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2010)