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Unternehmen

Felix Ohswald und Gregor Müller: Zwei Freunde bauen die größte Schule der Welt

(c) APA/GoStudent Felix Hohagen.
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Felix Ohswald und Gregor Müller wollen mit ihrer Nachhilfe-Plattform GoStudent ein globales Bildungsunternehmen schaffen. In 15 Ländern sind sie schon aktiv.

Wien. Eigentlich hätte man ja meinen können, dass die Coronapandemie sämtliche Formen der Digitalisierung vorantreibt. Doch dem ist nicht so. Felix Ohswald und Gregor Müller können ein Lied davon singen. Die beiden haben vor knapp fünf Jahren die Online-Nachhilfeplattform GoStudent gegründet. Das heißt: Sie haben via WhatsApp-Gruppe ihren Freunden bei den Hausübungen geholfen. „Mein jüngerer Bruder hat mich gefragt, wo er als Schüler gute Lehrer findet“, erinnert sich Ohswald. Er und sein Compagnon hatten damals gerade die Schule absolviert, sind heute 26 und 27 Jahre alt. Schnell haben sie erkannt, dass sie eine Marktlücke entdeckt haben. Und sie konnten Investoren von ihrer Idee überzeugen.

Doch v orerst mussten sie die Eltern ihrer Kunden überzeugen. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die ersten davon Geld überwiesen und ihre Sprösslinge zum Online-Nachhilfeunterricht angemeldet haben. Anfangs haben die beiden Unternehmer noch telefonisch Überzeugungsarbeit geleistet. Denn das Modell in GoStudent sieht keine Einzelstunden vor, sondern eine Mitgliedschaft, die mindestens ein halbes Jahr dauert. Mittlerweile hat die Plattform 20.000 Mitglieder, also junge Menschen, die ihre Noten aufpolieren wollen.

Längst geht es nicht mehr um den Fünfer in Mathematik, erzählt Ohswald. In Ländern wie Deutschland, wo es an Universitäten den Numerus clausus gibt, kann auch ein Befriedigend in Biologie zu wenig sein.

GoStudent firmiert zwar als Start-up, obwohl es zu einem ansehnlichen Unternehmen herangewachsen ist und 600 Mitarbeiter in 15 Ländern beschäftigt. Und da sind die 4500 freiberuflichen Nachhilfelehrerinnen und -lehrer nicht mitgezählt. Monatlich kommen etwa 500 dazu. Bevor sie auf Schülerinnen und Schüler losgelassen werden, durchlaufen sie einen mehrtägigen Check, bei dem fachliche und soziale Kompetenz geprüft werden.

Ohswald und Müller sehen sich in ihrem Tun dennoch am Anfang. „Wir wollen eine globale Schule, ja das größte und innovativste Bildungsunternehmen der Welt aufbauen“, sagt Ohswald. Davon haben die Shootingstars der heimischen Unternehmerszene auch internationale Investoren überzeugt. Sie sammelten erst im Juni mehr als 200 Millionen Euro an Risikokapital ein. Mit dem Geld wollen sie nach Brasilien und Mexiko expandieren.

Als Anfang 2020 die Coronapandemie Europa erfasste und Home-Schooling zum Alltag wurde, hätte man davon ausgehen müssen, dass Online-Nachhilfe erst recht boomt. Doch weit gefehlt. Denn in der Pandemie sei der Leistungsdruck in der Schule deutlich gesunken, sagen die beiden Gründer. Dementsprechend schwierig sei es, neue Kunden zu gewinnen. Dennoch macht sich Felix Ohswald keine Sorgen. „In der Bildung gab es so gut wie keine Innovationen. Während in der Medizin, in der Autoindustrie, im Finanzwesen die Digitalisierung vieles grundlegend verändert hat, funktioniert die Schule wie vor hundert Jahren“, sagt er. Und daran wird wohl auch Corona nichts ändern. (gh)