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Porträt

Digitalkompetenz muss jeder erwerben

Hermann Erlach: „Wir brauchen einen offeneren Zugang zu Innovationen.“
Hermann Erlach: „Wir brauchen einen offeneren Zugang zu Innovationen.“Microsoft
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Die größte Begrenzung für Entwicklungen seien die Skills der Mitarbeitenden, sagt der neue Microsoft-Chef, Hermann Erlach. Und Österreich falle in Sachen Digitalisierung zurück.

Vor sechs Jahren kam Hermann Erlach zu Microsoft und war zuletzt als Chief Operations Officer zuständig für Digital Transformation und Innovationsthemen. Im Mai wurde er als Nachfolger von Dorothee Ritz General Manager für Österreich. Erst Innenminister, wie er es nennt, ist er jetzt als Verantwortlicher für das Österreich-Geschäft stärker draußen bei den Kunden.

„Diese Gespräche mit klugen Köpfen, die etwas vorantreiben wollen für Österreich, das bringt viel Inspiration“, sagt der 48-Jährige, der sein Haus als österreichisches Unternehmen mit Hauptsitz in den USA versteht, in dem es durchaus keine Selbstverständichkeit sei, dass ein Österreicher General Manager werde. Was er zu leben versuche, sei eine „neue Bescheidenheit: Das heißt, den Kunden stärker in den Vordergrund zu rücken.“

Auch wenn die Corona-Pandemie als Nebeneffekt einen Digitalisierungsschub für mittelständische Unternehmen gebracht habe, gebe es großen Handlungsbedarf. Digitalisierung sei „elementar wichtig und nicht nur ein Schlagwort“. Österreich falle aktuell im Desi-Index (Digital Economy and Society Index, der Konnektivität, Humanressourcen, Internetnutzung, Integration der Digitaltechnik und digitale öffentliche Dienste in Verbindung setzt) der Europäischen Kommission immer weiter zurück.

Ausprobieren und umsetzen

„Ich glaube, wir müssen von den Konzeptpapieren wegkommen und stärker in die Umsetzung gehen. Und auch den Mut haben, Dinge auszuprobieren.“ Er habe mitunter das Gefühl, dass manches auch nicht angegriffen werde, weil das notwendige Wissen fehle. Und noch grundsätzlicher: „Wir brauchen einen offeneren Zugang zu Innovationen.“ Was diesen offenen Zugang betrifft, habe ihn seine Zeit im Ausland geprägt. Dort habe er gelernt, nach den Möglichkeiten zu suchen und nach den Anwendungsfällen. Hierzulande, hat er den Eindruck, würde eher über die Hürden gesprochen.

Seine Agenda für Österreich soll diesem offenen Zugang entsprechen. Sie soll Nachhaltigkeit forcieren, etwa die Data Center mit 100 Prozent grüner Energie versorgen, aber auch Daten transparent zu machen. Daneben ist die digitale Infrastruktur ein großes Thema. Und noch ein Bereich ist für ihn zentral: lebenslanges Lernen. „Größte Begrenzung für Entwicklungen sind die Skills der Mitarbeitenden“, sagt Erlach. In seinem Bereich seien viele Stellen offen und kaum zu besetzen. Es gehe darum, die vielfältigen Berufsbilder zu zeigen, gezielt junge Menschen auf diese Berufe aufmerksam zu machen und zu vermitteln, dass Jobs in dieser Branche nicht zwingend etwas mit Coding zu tun haben müssen. Viel mehr gehe es jeweils um digitale Kompetenz: „Die muss jeder erwerben.“

Genau hinhorchen

Die vergangenen Monate in der neuen Position waren so herausfordernd wie lehrreich für ihn, weil das Unternehmen komplett auf Fernarbeit umgestellt hatte: „Man sitzt als General Manager im eigenen Wohnzimmer und versucht, ein Business zu treiben und dem Team viel positive Energie zu geben“, erzählt Erlach.

Er habe die Vorteile wie die Limitationen dieser Arbeitsweise sehr intensiv erlebt und gemerkt, dass jedes Teammitglied eine eigene Geschwindigkeit entwickelt habe. „Führungskräfte mussten lernen, genau hinzuhorchen. Etwa über regelmäßige 1:1-Gespräche. Das sind keine Mitarbeitergespräche, in denen es um Kennzahlen geht.“ Gezeigt habe sich auch, dass die Produktivität im Home Office gestiegen, dass Vertrauen in solide Arbeit wichtig ist und dass alle Produktivitätsüberlegungen nichts bringen, wenn es dem einzelnen Mitarbeitenden – aus welchen Gründen immer – nicht gut geht.

Was jedenfalls bleiben wird nach der Corona-Zeit, das ist ein neues Verhältnis zum Büro. Das Microsoft-Büro in Wien war über Jahre regelrecht eine Pilgerstätte für jene, die sehen wollten, wie sich die Neue Welt des Arbeitens architektonisch manifestiert. Aktuell wird dieses Büro umgebaut. Erkenntnisse aus den vergangenen Monaten werden einfließen, denn Corona habe gezeigt, „wie wichtig das Büro als Angelpunkt der sozialen Interaktion ist“, sagt Erlach. Virtuelles, hybrides, mobiles Arbeiten wird bleiben. „Ins Office gehe ich, um andere zu treffen und mich auszutauschen und Kollaboration und Innovation zu treiben.“

Zur Person

Hermann Erlach (48), seit 2015 Mitglied der Geschäftsleitung, ist seit Mai 2021 General Manager von Microsoft Österreich. Davor war der gebürtige Osttiroler in zahlreichen Managementpositionen internationaler Unternehmensberatungen wie etwa bei Capgemini Consulting oder Booz & Company beschäftigt. 2008 wechselte der Diplomingenieur in Engineering and Industrial Management zu SAP, wo er sowohl auf regionaler und internationaler Ebene Führungsfunktionen einnahm.Faktbox (515eb4cc)

("Die Presse" Ausgabe von 4. September 2021)